IZZ: Konkurrenz für Spock's Beard ?

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

IZZ gelten als eine der interessantesten Neuentdeckungen der internationalen Prog-Szene. Nach dem hochgelobten Debüt „Sliver Of A Sun" war es selbstverständlich, mit der Band in näheren Kontakt zu treten.

Renald Mienert befragte Bassist John Golgano.


Es gibt ja einiges Rätselraten um den Namen der Band. Nicht nur, daß keiner so richtig weiß, was er bedeuten soll, es weiß auch niemand, wie er ausgesprochen wird.

Es ist schon komisch, denn es fragen wirklich viele Leute danach. IZZ wird einfach wie das englische „is" ausgesprochen - kurzes „i" and hartes „s": Das „Z" ist wie das Summen einer Biene, dieses „IZZ". Ich hoffe, damit ist die Sache geklärt.

Was Deutschland angeht, wurdet ihr zunächst über das Internet bekannt. Kann eine Band wie IZZ heute überhaupt ohne das WWW überleben?

Definitiv könnten wir. Sicher gibt das Netz uns die Möglichkeit unsere Musik der Welt schneller zu präsentieren, außerdem gibt uns dieses Medium mehr künstlerische Freiheit und erlaubt uns die Musik zu schreiben, der unsere Leidenschaft gilt. Ich glaube aber auch, daß IZZ mehr als nur einen bestimmten Stil verkörpern. Unsere Wurzeln sind zwar eindeutig progressive, aber wir mögen auch Bands wie die Beatles - ich meine, wer liebt sie nicht? Wir wollen Musik für jedem machen, die Stile verbinden, so daß auch der typische Pop-Fan etwas in unserer Musik findet, mit dem er sich identifizieren kann. Aber es wäre falsch, wenn ich nicht sagen würde, daß das Internet uns eine einzigartige Gelegenheit gab unsere Musik weltweit zu vertreiben.

Du hast schon die Beatles erwähnt, auch Einflüsse von Yes und ELP sind in einigen Songs deutlich zu hören....

Diese beiden Bands zählen zu unseren stärksten Einflüssen, Was sie in den frühen Siebzigern und auch danach noch geleistet haben, ist einfach unschätzbar. Gemeinsam mit Genesis und King Crimson waren sie so etwas wie die ersten „alternativen" Bands. Sie alle haben musikalischen grenzen durchbrochen und das ist auch unser Ziel. Wozu Musik machen, wenn du nicht versuchst etwas neues zu machen oder wenigstens etwas in deiner ganz speziellen Art? Obwohl wir großen Respekt vor der Vergangenheit haben, schauen wir aber immer vorwärts. Und ich hoffe, das zeigt unsere Musik. Und wo wir mal dabei sind, Yes machen immer noch großartige Musik. Hast du schon ihre neue Single "Lightning Strikes"?

Habe ich, und ich stimme dir auch zu, auch wenn da nicht alle mit uns übereinstimmen. Aber zurück zu IZZ. Ihr arbeitet zwar primär mit männlichem Gesang, aber bei einigen Stücken singt auch eine gewisse Danielle Altieri, beim letzten Song sogar die Lead Vocals. Sie zählt aber nicht zum offiziellen Line Up.

Im ersten Line up hatten wir sogar zwei Sängerinnen. Aber irgendwann erreichte unsere Musik einen Punkt, an dem die beiden anfingen, sich isoliert zu fühlen. Danielle entschied sich, ihren eigenen Weg zu gehen und ging mit „Beauty and the Beast" auf Tour, quer durch die USA. Aber daß sie und Michele Salustri keine Bandmitglieder mehr sind, muß nicht bedeuten, daß du nie wieder weiblichen Gesang bei IZZ hören wirst. Wer mehr über unsere Geschichte wissen möchte, der kann das auf unsere Webseite tun http://izz.webjump.com in dem Abschnitt IZZSTORY.

Eine besondere Ereignis in eurer Karriere war sicher das Konzert im Rahmen einer Veranstaltung der amerikanische Krebshillfe-Organisartion?

„The Breast Cancer Walk-A-Thon" war wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung und ich bin so froh, daß wir gebeten wurden, daran teilzunehmen. Wir haben fast fünf Stunden gespielt und es war wirklich großartig. Es ist auch ein gutes Gefühl, wenn man die Möglichkeit hat, etwas gegen diese schreckliche Krankheit zu tun, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Wo nun unsere CD erschienen ist, wird auch ein Anteil vom Erlös dieser Organisation zur Verfügung gestellt. Für mich ist Live zu spielen ohnehin der ultimative Kick. Du kannst aufnehmen und komponieren und proben so viel du willst, nichts übertrifft das Gefühl, auf der Bühne vor einem Publikum zu stehen. Es ist wie ein Rausch. Glücklicherweise haben wir auch sehr loyale Fans, und die Reaktionen bezüglich der Gigs waren immer gut. Das macht es natürlich einfacher.

Wie viele Bands, habt auch ihr euer Album auf einem eigenen Label veröffentlicht.

Die Entscheidung kommt einfach daher, daß wir die Kontrolle über unsere Musik behalten wollen. Es war zwar eine Menge Arbeit, alles selbst zu managen, aber wenn du mit dem Herzen bei einer Sache dabei bist, dann machst du eben, was gemacht werden muß. Wir suchten künstlerische Freiheit und so hat sich das Label praktisch ganz natürlich entwickelt. So können wir wirklich die Musik machen, die wir lieben, ohne jemanden zu fragen außer uns selbst. Wir sind sehr froh darüber, daß das Album sich deutlich von anderen unterscheidet.

In Deutschland wurde ihr besonders im Netz ziemlich gehyped. Habe ihr mit solchen Reaktionen gerechnet?

Um ehrlich zu sein, wir hatten keine Ahnung, was wir erwarten konnten. Wir wußten, daß unser Album sich vom gängigen Mainstream deutlich unterscheidet, und so waren wir natürlich ziemlich gespannt. Und dich kann dir sagen, wir sind sehr erfreut. Die Reviews waren überwiegend positiv.

Was für mich das besondere an IZZ ist, liegt in der Mischung aus diesen zwei Arten von Songs. Den typischen komplexen Prog-Trax auf der einen Seite, und den eher Rock oder Pop orientierten Stücken auf der anderen.

Die Antwort könnte sehr kurz ausfallen. Wir lieben eben beide. Wir glauben, es gehört eine ganz besondere Gabe dazu, ein interessantes längeres Stück zu komponieren, aber es ist auch genauso schwierig, einen guten Song zu schreiben, der nur drei oder vier Minuten lang ist. Zum Beispiel glaube ich nicht, daß ein Song wie "I Get Lost" weniger musikalische Qualitäten hat wie "Endless Calling" Es sind eben einfach nur zwei unterschiedlicher Arten von Songs. Und durch die Verwendung verschiedener Stile erreichen wir auch verschiedene Menschen. Und ist es nicht das, was Musik ausmacht? Sie soll Leute zusammen bringen.

Aber dennoch hätten einige Fans ein Album mit ausschließlich Prog-Songs wohl lieber..

Ich verstehe das absolut. Als Yes Alben veröffentlichten wie Big Generator oder Union war ich absolut frustriert, weil es so aussah, als würden sie alles über Bord werfen, was sie zu etwas besonderem gemacht hat. Ich will diese Alben nicht generell schlecht machen, Big Generator gefällt mir gut, obwohl ich Union nicht besonders mag, aber darauf kommt es nicht an. Vielleicht machen wir mal ein Album mit nur Prog-Songs, vielleicht auch nicht. Es hängt einfach alles davon ab, was wir als Gruppe erschaffen. Unseren Hörern kann ich nur sagen, daß sie etwas anderes mit jedem unserer Songs bekommen werden, und auch wenn es nicht „typisch" progressive ist, so ist es dennoch progressiv auf eine andere Art. Progressive Musik ist die einzige Musikrichtung, die diese musikalische Freiheit gewährt.

Habt ihr Kontakte zur amerikanischen und internationalen Progszene?

Es gibt interessante Kontakte zu Webseiten, Fans und Labels. Wir werden uns auf alle Fälle zukünftig bemühen, an den Prog Events teilzunehmen und Beziehungen zu anderen Bands aufzubauen. Prog Radio Shows aus den Staaten, Kanada, Deutschland, Holland, Brasilien und Argentinien haben auch Interesse bekundet.

"Where I Belong" fällt ein wenig aus dem Rahmen. Breite Keyboardflächen und eine schöne Melodie, dazu der weibliche Gesang. Aber die letzten Minuten passiert eigentlich nichts mehr...

Ich mochte schon immer diese spacigen Klänge, diese New Age Touch. Allerdings nur in kleinen Dosen. Yes wissen wie man solche Musik zum Hörer transportiert, daß sie ihn auch wirklich erreicht. Sie haben es im mittleren Abschnitt von "Close to the Edge" von "Awaken" mustergültig praktiziert. Der Text von "Where I Belong" ist so intensiv. Er fordert dich auf, dich an deine Vergangenheit zu erinnern, zu manchen Menschen und zu machen Orten auf der Erde kannst du nur noch in deinen Gedanken zurückkehren. Der letzte Part von "Where I Belong" ist ein reines Nachwirken von diesem Text. Wir fanden nur diesen einen Weg, das Stück zu beenden, in absolutem Frieden.

Die obligatorische Frage zum Schluß: Wie geht es weiter mit euch?

Ich freue mich sagen zu können, daß wir neben unseren Live-Aktivitäten bereits mit der Arbeit an dem neuen Album begonnen haben. Wir denen gerade über die Möglichkeit eines Konzeptalbums nach, aber wir feilen noch an dem Konzept. Einige Songs sind bereits komponiert und sogar schon aufgenommen. Und ich verspreche dir, es ist eine Menge Prog, auf die ihr euch freuen könnt. Also - Stay tuned to IZZ!

Machen wir!


© 10/1999 Renald Mienert
DURP - eZine from the progressive ocean
http://www.durp.com/