Air Pavilion: Alles andere als eine Luftnummer

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Zugegeben, ich hatte vor diesem Album weder etwas von Air Pavilion noch von dem japanischen Gitarristen Tak Yonemochi gehört. Da aber "The River/The Flow" durchaus als positive Überraschung gesehen werden kann, hat sich das dank einiger E-Mails von Tak mittlerweile geändert.

Zunächst einmal wird derjenige sich wundern, der da glaubt, man hätte es bei AIR PAVILION mit Newcomern zu tun.

Ich habe die Band vor 21 Jahren also 1979 gegründet. Die ersten zehn Jahre haben wir in der Umgebung Tokios gespielt und einige Alben selbst produziert. Das erste wurde aufgenommen und produziert von einem Typ namens Michael Verchiani, der immerhin schon als Mike Varney's - Assistent während der Anfänge von Shrapnel Records in Nord-Kalifornien gearbeitet hatte. Das war 1986 und auch die Aufnahmen fanden in Kalifornien statt. Das zweite produzierte ich alleine ein Jahr später in Tokio, es trug den Titel "Four Quarters". Das erste richtige Air Pavilion - Album folgte dann 1989, "Cutting Air" wurde wieder von mir produziert, außerdem wirkte Lea Hart (Ex Fastway) mit. Noch im selben Jahr folgte "Kaizoku". Lea war wieder mit dabei und das Album war eigentlich ein Soundtrack mit zahlreichen Gaststars, zum Beispiel Scott Gorham (Thin Lizzy), Bernie Marsden (Whitesnake) oder Don Airey (Rainbow). Bis jetzt war dies unser erfolgreichstes Album. 1994 folgte "Sarrph Cogh" und präsentierte gleichzeitig erstmals das aktuelle line-up mit Kelly Hansen, Jay Schellen, Tom Courcier, Yuko Hirose und mir. Produziert hatte es Juan Croucier von RATT , und wir gewannen damit den "Producer Of The Year" award in LA 1994. "The River / The Life" ist also schon unser viertes Album.

Bleiben wir noch ein wenig bei Juan Croucier von RATT und dem aktuelle Line Up. Besonders die Suche nach einem Sänger gestaltete sich als nicht so leicht...

Es war 1991als RATT auseinanderbrachen , damals begann ich mit Juan Croucier zu sprechen, ob er uns nicht produzieren wolle. Aber bevor wir mit der Produktion beginnen konnten, brauchten wir noch einen passenden Sänger. Das war im Dezember 93. Wir hatten zu vielen Künstlern Kontakte, zum Beispiel zu Robin McAulley(MSG), Tony Harnell (TNT), Johnny Edwards(Foreigner) und vielen anderen. Leider war Kelly damals noch bei der CC Devill's Band und stand nicht zur Verfügung. Aber an dem Tag, als er dort seinen Dienst quittierte rief ich ihn mit meinem Handy von Tokio aus an und holte ihn in die Band. Kelly brachte Jay als Drummer mit, dessen Qualitäten ich seit seiner Zeit mit Hurricane kannte. Ich bat dann Juan die Bass-Parts selbst zu übernehmen, aber der brachte seinen Bruder Tom in's Spiel - das ist die Geschichte. Ich brauchte eine Band, die meine Gitarre toppen konnte - und landete bei dieser.

Was die Songs angeht, so stammen sie bis heute zumeist aus der Feder von Tak, wenngleich sich das in der Zukunft ändern soll.

Primär mache ich eine Demoversion der Songs mit meinem Gesang. Damit beginnen wir denn die Vor-Produktion. Die Arrangements machen wir zusammen. Bei "Sarrph Cogh" gab es eine Menge Änderungen in der Vorproduktion, aber bei "The River/ The Life" hat sich nicht mehr viel getan bis zum endgültigen Produkt.

"The River/The Flow" ist ein Konzeptalbum - allerdings geht es mal nicht um heldenhafte Schwertkämpfer.

Man kann das Konzept von zwei Seiten betrachten. Ich habe lange als DJ und Kritiker gearbeitet und dabei viele Idole aus meiner Teenagerzeit getroffen, Leute wie Page, Blackmore, May, Moore und viele andere. Sie alle haben mich ermutigt was Air Pavilion betrifft. Besonders trifft das auch auf Tom Scholz von Boston zu, dem unsere Musik wirklich gefiel und der mir einen nagelneuen Rockman - Gitarrenverstärker gab. Was ich damit sagen will, dieses Album ist ein Dankeschön an all diese Leute, indem ich ihnen mein Leben als Lauf eines Flusses darstelle, den sie mit beeinflusst haben. Aber dieses Konzept kann auf praktisch jeden angewandt werden, weil man das Leben eines jeden mit dem Strom einen Flusses vergleichen kann. Das Album beginnt mit der Ballade "The River / The Life". Das ist der Anfang der Geschichte, alles beginnt so, du musst dich nur treiben lassen. Aus dem Fluss wird dann der mächtige Strom Nil, weil dort der Ursprung der menschlichen Kulturen liegt. Die Flut ("The Flood") gibt uns alles, was wir brauchen. Wir errichten unsere Stadt ("The Great Flow") und der heilige Fluss ("The Holy River") wird unsere Leben beschützen. Dann fliegen wir nach Nordamerika, und sehen den Grand Canyon, einen Fluss voller Träume. Um die Träume zu erfüllen, muss man sehr achtsam sein. Im Zeitalter des Internet lauern gerade in diesem auch viele Gefahren. Das Internet ist sozusagen der grösste Strom der Welt. Anschließend führt uns unsere Reise in die Zukunft. "Stream In A Tube" ist ein Song über das Leben auf Weltraumstationen. Auf einem unbekannten Planeten entdeckt man einen Fluss in einer Röhre aus Kristall. Danach führt die Reise zurück in die Antike in der "alle Straßen nach Rom führen", wobei Rom für mich so eine Art Utopia darstellt. "Remembering" Ist ein Stück, dass dich in deine eigene Vergangenheit zurückführt und schließlich endet das Album mit dem epischen "The River / Our Lives".

Auch wenn das alles recht philosophisch klingt, den Blick für die Realität hat Tak nicht verloren

Ich habe eine Menge Freunde in der Szene und verfolge genau, was in ihr vorgeht. Was zum Beispiel Deutschland angeht, so sind Kai Hansen von Gamma Ray und Sascha Paeth von Heavens Gate gute Freunde von mir.


© 07/2000 Renald Mienert
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