Arena: Unsterblich?

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Bereits mit ihrem Debüt "Songs From The Lions Cage" aus dem Jahre 1995 wurden Arena zu den Szenelieblingen. Ein Wunder war das allerdings nicht, denn für die musikalische Qualität der Band standen immerhin Clive Nolan, der Keyboard-Guru des Neo-Prog schlecht hin, und Mick Pointer, der ja beim ersten Marillion-Album "Script For A Jester's Tear" hinterm Schlagzeug saß. Viele Prog-Fans, die sich mit den aktuellen Marillion-Alben nicht mehr anfreunden konnten, hatten endlich eine Band gefunden, mit der sie sich wieder identifizieren konnten. Erfreulicherweise verstanden es Arena aber bestens, das Image einer Marillion-Kopie mehr und mehr abzubauen, und ihr Konzeptalbum "The Visitor" aus dem Jahre 1998 ist mit Sicherheit eines der besten Prog-Alben geworden, daß die verblichenen Neunziger hervorgebracht haben. Jetzt ist mit "Immortal?" der Nachfolger erschienen und natürlich fragt man sich, ob die Band sich noch einmal steigern konnte. Mick Pointer - wen wundert's - ist davon natürlich überzeugt.

Wenn man von Clive Nolan und dir absieht, war das Besetzungskarussel bei Arena ja ständig in Bewegung. Auch dieses mal gibt es zwei Veränderungen, ihr habt mit Rob Swoden einen neuen Sänger und John Jowitt am Bass wurde durch Ian Salmon von Shadowland ersetzt.

Wir sind wirklich sehr froh, so schnell einen so guten Ersatz für Paul Wrightson gefunden zu haben. Wir haben hierfür auch überhaupt kein Vorsingen verschiedener Sänger veranstalten müssen. Rob Swoden ist ein Freund unseres Gitarristen John Mitchell. Er hat ein Studio und dort hatten die beiden bereits zusammen gearbeitet. John kannte also die stimmlichen Möglichkeiten von Rob bestens und er konnte natürlich auch einschätzen, ob sie zu Arena passten oder nicht.

Aber was waren denn jetzt die Gründe für die Wechsel?

Es gab einfach personelle Probleme innerhalb der Band. Das betraf sowohl John Jowitt als auch Paul. Wir hatten keine besonders gute Tour. Nicht daß die Gigs schlecht gelaufen wären, aber die Chemie in der Band stimmte nicht mehr, es gab viele Reibungen, speziell zwischen Paul und den anderen Bandmitgliedern und sogar bis hin zur Roadcrew, so daß wir in eine unerträgliche Situation gerieten. Wir haben miteinander geredet, immer mit der Hoffnung doch noch zu einem Kompromiss zu finden, aber es hat nicht funktioniert. Um mit Arena also weiter machen zu können - denn wir wollten weitermachen - war es schließlich notwendig Entscheidungen zu treffen und Paul und John zu feuern. Es ist einfach so, daß in einer Band kein Individuum größer sein kann als die Band selbst, daß betrifft alle Mitglieder, auch Clive und mich. Aber ich glaube, Rob ist ein wesentlich besserer Sänger als Paul es war, und wir haben definitiv das beste Album unserer Karriere abgeliefert.

Erzähl doch mal etwas zu dem neuen Album!

"Immortal?" ist auf gar keinen Fall ein Konzeptalbum in dem Sinne geworden, wie es "The Visitor" war. Dabei hat es sich ja im Prinzip um ein einziges großes Stück gehandelt, das in verschiedene Teile untergliedert war. Das wollten wir jetzt nicht schon wieder machen, aber ich glaube, es gibt so etwas wie ein songübergreifendes musikalisches Konzept. Es gibt gewisse Links zwischen den Songs, aber auch wenn wir uns natürlich bei der Reihenfolge der Trax etwas gedacht haben, soll doch der Hörer die Möglichkeit haben, jeden Song für sich genießen zu können.

Wenn man sich das Cover genau betrachte, dann fällt aber auf, daß an der Wand ein Bild mit einem Motiv hängt, das auch bei "The Visitor" verwendet wurde...

Wir lieben solche Anspielungen, jeder Hörer soll sich selbst eine Vorstellung davon machen, was es wohl bedeuten könnte. Der "Visitor" ist immer noch unterwegs...

Das neue Album klingt verhältnismäßig heavy für eine Prog-Band, und auch wenn es zu jedem Moment eindeutig Arena ist, verwendet ihr gelegentlich auch modernere Sounds, wie sie zum Beispiel im Industrial-Sektor zu finden sind.

Das ist natürlich eine Art natürlicher Entwicklung. Wir verstehen uns als Prog-Band im wahrsten Sinne des Wortes, das heißt, wir wollen uns vorwärts bewegen. Das beginnt schon mal damit, daß wir natürlich auch die technischen Möglichkeiten ausnutzen, die einfach gegenwärtig verfügbar sind. Es gibt viel zu viele Bands in der Szene, die immer noch nichts anderes versuchen, als zu klingen, wie es vor dreißig Jahren aktuell war - das hat für mich nichts mit progressiv zu tun. Was die härteren Klänge angeht, so waren diese schon immer ein Bestandteil des Arena-Sounds. Denk nur an das erste Album zurück, Trax wie "Out Of The Wilderness". Gut, wir sind natürlich nie eine Metal-Band gewesen, aber wir hatten wirklich immer schon diese Heavy-Einflüsse. Was wir uns immer vorgenommen hatten, das war dieser typische musikalische Kampf zwischen Gitarre und Keyboards und ich glaube, das ist uns auch diesmal wieder gelungen. Ich glaube viele Leute haben gedacht, wir hätten mit "The Visitor" das maximal Mögliche für Arena bereits geleistet - das lyrische Konzept, die Artwork und natürlich vor allem das Songwriting. Wir hatten aber von Anfan an vor, keine Art "The Visitor Part Two" zu produzieren. Wir wollten wieder etwas anderes machen, und ich glaube, wir haben es geschafft. Und glücklicherweise scheint ich das nicht alleine zu sehen. Die Reaktionen, die es bisher zu "Immortal?" gab, waren mit Abstand die besten, die wir jemals für ein Album in der kurzen Zeit bekommen hatten.

Es gab ja bei Arena diesen Plan für zunächst fünf Studio-Alben. Mittlerweile seid ihr beim vierten, da wird es wohl Zeit, den Plan zu erweitern. Was mich aber regelrecht fasziniert ist, daß ihr diesen Plan, den ihr ja schon vor einiger Zeit verkündet habt, auch exakt so eingehalten habt!

Dieser Plan bedeutet ja nicht, daß wir danach aufhören werden. Wenn die Fans uns wollen, werden wir natürlich weiter machen. Wie die nächsten Alben klingen werden, wissen wir natürlich noch nicht. Wir beginnen nie, die Songs für die folgende CD zu komponieren, bevor wir mit einer wirklich fertig sind. Aber alle Leute, die in irgendeiner Form an einer Karriere arbeiten - egal in welchem Job sie tätig sind - , machen dafür Pläne. Warum sollte das bei uns anders sein? Ich glaube, Morgen ist wichtig. Ich schaue eigentlich nicht in die Vergangenheit, ich liebe es, mich nach vorne zu orientieren. Es stehen schon wieder ganz besondere Herausforderungen vor der Band. Im Mai werden wir das erste Mal durch Südamerika touren, im Herbst folgt dann die Europa-Tournee. Ich hoffe doch, daß wir unsere beste Zeit noch nicht gehabt haben, ich wünsche, sie steht uns erst noch bevor.

Haben die personellen Veränderungen sich auf das Songwriting ausgewirkt?

Da wir diese Wechsel im Line Up hatten, wurden dieses mal alle Songs von Clive, John und mir komponiert. Wir gingen im Prinzip vor wie immer. Die Musik entstand praktisch im Kollektiv. Manche Ideen funktionierten, andere nicht. Zum Schluß haben wir dann praktisch das komplette Album in einer instrumentalen Fassung vorliegen, und erst dann beginnt Clive an den Texten zu arbeiten. Das war schon immer das Vorgehen bei Arena und es hat sich bewährt. Ich weiß, daß viele Bands anders vorgehen, sie proben, sie jammen, sie folgen textlichen Vorgaben, aber bei uns entsteht die Musik zuerst.

Mit "Moviedrome" gibt es den längsten Track, den Arena je geschrieben haben....

Was diesen Song angeht, so hatten wir bestimmte Vorstellungen wie der Song klingen sollte. Wir wollten diese epische Gefühl, wie man es vor allem aus Soundtrax kennt, wenn man im Kino sitzt. So ein Gefühl, vergleichbar mit einer Achterbahn, du sitzt da, und diese Bilder strömen auf dich ein. Und wir hatten zum Glück genügend starkes Songmaterial vorliegen, daß der Song auch wirklich zwanzig Minuten lang werden konnte. Hätten wir weniger Material, wäre das Stück auch kürzer geworden. Ich habe nie verstanden, warum so viele Leute der Meinung sind, die Länge eines Songs sei auch ein Qualitätsmerkmal. Es gibt so viele geniale Drei-Minuten-Trax. Es kommt doch nur auf das musikalische Potential an. Moviedrome hat das Zeug für zwanzig Minuten.

Und Arena haben das Zeug für weitere geniale Alben.


© 04/2000 Renald Mienert
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