Chapter 23: Ein Kapitel für sich

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

1991 entstand in Kanada Chapter 23, neun Jahre später gibt es die Band noch immer, aber wie in der Szene leider nicht unüblich, hat man weder national noch international groß Notiz von ihr genommen. Schade eigentlich, denn wie ihr Album "Flying In The Face Of Conventional Wisdom" beweist, spielt man lupenreinen AOR.

Renald Mienert unterhielt sich mit Don Nafe, dem Drummer der Band, er spielt aber auch Keyboards und hat die meisten der Songs geschrieben. Er war es auch, der gemeinsam mit Keyboarder Al Wilmore Chapter 23 aus der Taufe hob.

Ich kannte Al schon länger und wir spielten bereits 1987 in einer Coverband zusammen. Als wir 1991 daran gingen, diese Band zusammenzustellen, ging mir durch den Kopf, dass dies wahrscheinlich schon die dreiundzwanzigste Gruppe war, in der ich mitspielte - so kam es zu Chapter 23.

Es hatte dann aber einige Jahre gebraucht, bis das Debüt im Kasten war.

Kurz nachdem wir mit den Aufnahmen begannen - das war 1993 - verließen der alter Bassist und der Sänger die Band. Es hat achtzehn Monate gefunden, bis wir mit Pierre Lanzon einen neuen Sänger fanden. 1996 haben wir die Songs re-recorded und 1997 folgten Mix und Mastering. Im April 1999 wurde die CD schließlich veröffentlicht.

Gut Ding will eben Weile haben, wobei man freilich nicht vergessen darf, dass Chapter 23 nur eines der musikalischen Projekte ist, in das die Bandmitglieder involviert sind, sie alle sind nebenbei auch noch in ein oder zwei anderen Bands aktiv. Doch nun, wo die CD erschienen ist, beginnt natürlich auch das Suchen nach den passenden Vergleichen. Wir lassen das Don am besten selbst erledigen.

Um ehrlich zu sein, ich bin nicht sehr vertraut mit den jüngeren Szene - Bands, ich kann also gar nicht sagen, ob wir uns irgendwie unterscheiden. Ich weiß, dass wir in vielen Reviews eher mit Bands aus der 70er oder 80er AOR-Szene verglichen werden als mit denen aus der Gegenwart. Ich denke mal, es stimmt. Bands wie Yes, Kansas, Uriah Heep & Deep Purple haben mich alle stark beeinflusst, als ich begann Musik zu machen. Ich schätze, andere hören diese Vorlieben auch aus unserer Musik heraus, aber ich höre sie nicht. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht stimmt, die eigenen Songs stehen mir einfach zu nah, als dass ich objektiv sein könnte.

Wobei ich aber bei den erwähnten Bands ganz deutlich darauf hinweisen möchte, dass Chapter 23 definitiv mehr mit AOR und so gut wie nichts mit der progressiver Mucke zu tun haben. Uns sowohl die eine als auch die andere Szene dümpeln laut Don in Kanada eher schlecht als recht dahin.

Du musst mich da schon entschuldigen, aber ich habe von diesem Thema ziemlich genug. Was mich angeht, so gibt es keine AOR/Melodic Rock - Szene in Nordamerika - und wenn es sie gibt, dann versteckt sie sich verdammt gut! Es gibt eine Handvoll AOR - Veröffentlichungen, die über das Internet angeboten werden, aber ansonsten konzentrieren sich unsere Aktivitäten mehr auf Europa, wo es ja tatsächlich so etwas wie eine Szene zu geben scheint. Radiostationen und Label müssten sich ernsthaft mit diesem Genre beschäftigen, für mich ist gute Musik eben einfach gute Musik, unabhängig vom Stil, egal ob von Garth Brooks, The Foo Fighters, Chick Corea oder Frank Zappa, jeder verdient es, gehört zu werden, aber die Realität sieht leider so aus, dass es hier nur ums Geschäft geht, und wenn du nicht ins Konzept passt, dann hast du eben keine Chance.

Aber zum Glück gibt es ja das Internet.

Das Internet ist unser Fenster zur Welt. Wir wussten ja, dass wir nur recht wenig bezüglich kommerzieller Musik anzubieten hatten. Aber wir waren sicher, dass unsere Songs gut waren, Zso haben wir es also alleine versucht. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir hätten keinen Deal gesucht, aber ich würde genauso lügen, wenn ich sagen würde, dass wir alles dafür tun würden. Glück haben wir es durch das Web geschafft, unsere Musik zu den richtigen Leuten zu bringen. Auch dieses Interview ist ja ein direktes Resultat des Internets. Die letzten sechs Monate waren diesbezüglich eine große Erfahrung für uns, aber die Zeit war nicht umsonst. Wir haben mittlerweile eine sehr große Datenbasis zusammengetragen und werden dies nutzen, wenn das zweite Album erscheint.

Und wird hoffentlich nicht mehr so lange zu dauern. Immerhin sind schon zwei Drittel des Materials in einer Demoversion fertig. Hier noch die Webadresse: www.magna.ca/~dnafe Das aktuelle Album ist in Deutschland übrigens auch bei Target Records erhältlich.


© 09/2000 Renald Mienert
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