Edenbridge: Schöngeist und Schwermetaller ?

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Mit Edenbridge und deren Debüt "Sunrise In Eden" kommt uns der Österreicher Lanvall nun auf die harte Tour. Doch so neu ist diese Seite Lanvalls gar nicht.

Nach deinen drei ja doch sehr ruhigen Solo-Alben präsentierst du uns nun mit deiner Band symphonisch-melodischem Metal - das ist ja doch ein recht drastischer musikalsicher Wandel...

Edenbridge war schon seit einiger Zeit ein Sideprojekt zu meinen Soloalben. Die Band, wie man sie jetzt kennen lernt, existiert bereits seit 1998. Aber mit Kurt spiele ich schon seit 94 und mit Sabine seit 96. Es lief zunächst mehr auf Hobbybasis, man hat sich halt einmal die Woche im Proberaum getroffen, wobei unsere Musik zunächst deutlich mehr prog-lastiger war., wobei wir mit der Zeit aber immer straighter wurden. Meine Soloaktivitäten liefen völlig unabhängig davon. Ich hatte damals bei WMMS einen Vertrag für drei Alben und habe diesen auch erfüllt und dann war es einfach Zeit für etwas neues. Ich glaube aber, dass es in einigen Jahren auch wieder ein neues Soloalbum geben wird. Natürlich unterscheidet sich Edenbridge sehr stark von den Soloalben, aber man merkt auf jeden Fall immer noch, dass ich es bin, der hinter den Songs steckt. Die positive musikalische Ausstrahlung ist die gleiche. Ich wollte ohnehin nie, dass die Band und die Soloprojekte absolut die gleiche Schiene fahren, wie das zum Beispiel bei Rhapsody und Luca Turilli der Fall war. Für mich macht es überhaupt keinen Sinn, ein Soloalbum zu machen, das genauso klingt wie die eigentliche Band.

Sind eigentlich die drei Alben eine Hilfe bei der Labelsuche gewesen, oder hat deine musikalische Vergangenheit die Metal-Firmen eher skeptisch gemacht?

Es hat eigentlich weder geholfen noch gestört. 1998 hatten wir bereits ein Demo produziert und an verschiedene Plattenfirmen geschickt und ich habe in jedes Päckchen eine meiner Solo-Scheiben gelegt. Zunächst gab es nur Absagen, aber als wir dann die CD ein Jahr später zunächst selbst produzierten, hatten wir innerhalb von 14 Tagen einen Vertrag. Wobei Massacre von Anfang an eigentlich mein Wunschkandidat war.

Du arbeitest auf diesem Album wie auch schon auf einem deiner Solo-Alben mit dem Klangzauberer Gandalf zusammen.

Ich bin bereits seit meinem zwölften Lebensjahr ein großer Fan von Gandalf. Ich habe damals zwei Konzerte von ihm in Wien gesehen und war ausgesprochen begeistert. Irgendwann dachte ich, es wäre toll, mit ihm auf der Bühne zu stehen. Ich habe ihm dann meine erste Solo-CD geschickt und er hat recht schnell geantwortet, dass er mich gerne kennen lernen möchte. Bei unserem zweiten Treffen hat er mich dann gefragt, ob ich ihn auf seiner Tour begleiten würde. Als dann jetzt bei Edenbridge klar war, dass wir das Album zunächst in Eigenregie aufnehmen würden, hat er uns auch sein Studio angeboten und uns einen absolut fairen Preis gemacht. Gandalf hat unser Album übrigens auch gefallen, obwohl er mit Metal ja nun nichts am Hut hat.

Du stehst aber New Age - Musik auch durchaus kritisch gegenüber...

Musik von Leuten wie Vangelis, Kitaro oder Gandalf hat ja auch nichts mit dem zu tun, was man in den Plattenläden so in bestimmten Regalen steht und den Leuten im Rahmen dieses Esoterikbooms als Kunst angedreht wird. Da wird dreissig Minuten lang immer nur ein Akkord gewechselt.

Ihr geht im November auf Tour mit Axxiss und Pink Cream 69. Ein geiles Package, aber sicher auch eine Herausforderung. Aufgeregt?

Bisher hatten wir überhaupt noch keine Live-Auftritte sonder waren eine reine Studioband. Aber uns war natürlich klar, dass die nach dem Masscacre-Deal nicht so bleiben würde. Besonders aufgeregt bin ich zwar noch nicht, aber das wird ja schon kommen. Es ist schliesslich etwas anders wie damals bei Gandalf, als ich ja doch mehr im Hintergrund agierte. Und ausserdem macht man ohne Lampenfieber ohnehin keine gute Show. Bei uns ist zwar jedem klar, dass ich der Songwriter und Haupttexter bin und mich auch um viele der Management-Dinge kümmere, Aber auf der Bühne wird das sicher anders aussehen, da dürfte sich das Publikum wohl doch sehr stark auf Sabine konzentrieren.


© 11/2000 Renald Mienert
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