Factory Of Art: Kunst vom Fließband ?

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Progbands aus dem Osten sind eher Mangelware. Da lohnt es sich dann schon mal, genauer nachzufragen, wenn man denn fündig geworden ist. Erst recht, wenn sich die Musik auf so einem Level bewegt, wie bei Factory Of Art aus Sachsen, die imerhin schon 1990 gegründet wurde im letzten Jahr eine Promo-CD als Vorgeschmack für das anstehende Full-Length-Album veröffentlichte..

Ist es nicht frustrierend, wenn man solch geile Mucke macht, aber keinen gescheiten Deal an Land zieht?

Wir wollen doch mal nicht vorgreifen, schließlich weiß noch niemand, was die Zukunft bringt. Factory Of Art hatten einen Deal, nur gab es nach "Point Of No Return" keine Band mehr, der man einen Vertrag hätte anbieten können. Wir haben also bei Null angefangen und sind jetzt dabei, uns wieder ins Gespräch zu bringen. Da "Story Of Pain" nahezu überall auf positive Resonanz trifft, sind wir alles andere als pessimistisch, was einen gescheiten Deal angeht.

Ihr erwähnt im Infomaterial einige Male Berluc, ich habe nicht gewußt, daß es die noch gibt...

Soviel wir wissen, existiert Berluc immer noch. Zu den im Info erwähnten Zeitpunkten gab es einige Berührungspunkte, z.B. hat ihr damaliger Gitarrist Bernd Fleischer eine Zeit lang bei uns gespielt, deshalb taucht ihr Name in unserer Bio auf.

Ihr habt ja schon mit renommierten Acts wie Grave Digger, Blind Guadian oder Threshold gespielt. Ist in der Metal Szene wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen, oder gibt es auch Starallüren oder eine Hackordnung?

Bei Live-Gigs gibt es natürlich eine Rangordnung, das Publikum kommt schließlich wegen des Headliners. Da muß man schon gewisse Abstriche machen. Aber im Großen und Ganzen gab es kaum Streß mit den "Großen". Klar, der eine oder andere behandelt einen schon mal von oben herab, das ist aber nicht die Regel.

Progressive Rock ist ja nicht gerade angesagt, aber gerade im Osten seid ihr ja wirklich fast Einzelkämpfer. Warum ist gerade im Osten da nichts los, immerhin gab es früher Lift, Electra, Stern Meißen....

Der 70er-Jahre-Artrock der genannten Bands läßt sich stilistisch schwer mit dem Progressive Rock der Neunziger unter einen Hut bringen. Es ist auch nicht so, daß es hier keine Acts in der Richtung gibt, nur konnten die sich bisher nicht so etablieren wie etwa Mekong Delta oder Sieges Even (R.I.P.). Aber es gibt ja auch noch Mind Odyssey aus Berlin, um mal ein positives Beispiel zu nennen.

Ihr macht eine Mini CD mit Songs aus einem Konzeptalbum, das mag um Label zu kontaktieren ja OK sein, aber für den Fan eher unbefriedigend?

Wie oben schon erwähnt, mußten wir Anfang 1998 wieder von vorn beginnen. Da braucht man zunächst ein Demo, um den Anschluß zu bekommen, geeignete Partner zu finden und sich bei den Fans zurückzumelden. Das ist für uns "Story Of Pain". Für ein komplettes Album braucht man andere Voraussetzungen, es nützt niemandem, wenn man das auf Teufel komm' raus aus dem Boden stampft, den Fans am allerwenigsten. Am Ende soll jeder schließlich das bestmögliche Produkt in den Händen halten.

Wollt ihr schon was zum Konzept verraten?

Es handelt sich um eine fiktive Thriller-Story, die aber viele Querverweise auf die Realität enthält und interpretierbar ist. Neu für uns war dabei, die Musik auf textliche Inhalte zu schreiben und diese musikalisch zu verbinden.

Macht ihr den Fortbestand der Band zum Beispiel von einem Deal abhängig?

Absolut nicht. Wäre dies der Fall, würde Factory Of Art schon nicht mehr existieren. Wir machen unsere Musik, weil wir sie machen WOLLEN, nicht um reich und berühmt zu werden. (Dagegen wehren würden wir uns jedoch auch nicht ...)

"Factory Of Art" als Bandname könnte man ja auch als "Kunst vom Fließband" interpretieren.....

Könnte man, aber dem ist nicht so, wie du an den eher spärlich vorhandenen Releases der letzten Jahre leicht erkennen kannst! Kunstmanufaktur würde aus unserer Sicht eher zutreffen. Der Name stammt noch aus der Zeit, als wir als instrumentale Art-Rock-Band unterwegs waren und wurde uns damals von einem netten Musikerkollegen verpaßt.

Muß jedes Bandmitglied einen Song mögen, bevor er ins Repertoire aufgenommen wird?

Ja, auf jeden Fall. Niemand kann auf der Bühne einen Song glaubwürdig rüberbringen, wenn er ihn nicht mag. Da muß jeder dahinterstehen, auch wenn bei sechs Leuten Kompromisse natürlich nicht ausbleiben. Eine perfekte Demokratie gibt es in kaum einer Band. Die Meinung derjenigen, deren kreativer Input stärker ist, wiegt bei solchen Entscheidungen auch schwerer. Jeder hat so seine Lieblingssongs, ein Titel jedoch, den überhaupt keiner mag, hat auf Dauer keine Chance.

Hätte es Factory Of Art auch gegeben, wenn die Mauer nicht gefallen wäre?

Das ist eine hypothetische Frage. In dieser Form wahrscheinlich nicht, das hätten die politischen Verhältnisse in der DDR nicht zugelassen. Veröffentlichungen und internationale Gigs wären schier unmöglich gewesen. Wir haben jedoch auch damals schon in verschiedenen Bands gespielt, was aber hauptsächlich Cover-Truppen waren, die die unverfänglichen Klassiker von z.B. Black Sabbath, Iron Maiden oder Judas Priest interpretierten. Doch hätte, wenn und aber - die Mauer IST gefallen, und nun müßt ihr mit Factory Of Art leben - ob ihr wollt oder nicht!!

Wechsel im Line Up - ein unvermeidliches Übel?

Wenn man sich musikalisch nicht mehr versteht, ist ein Wechsel angebracht, sonst endet es im Krampf. Da sollte man möglichst rechtzeitig die Kurve kriegen. Böses Blut hat es bei uns noch nie gegeben, alle Ex-Musiker sind freiwillig gegangen. Natürlich ist das immer schmerzhaft, aber es ist besser man trennt sich als daß man sich gegenseitig bremst, frustriert und schlußendlich alles kaputt macht. Freilich birgt so ein Wechsel immer ein gewisses Risiko, bei dem das Gesicht einer Band unter Umständen verloren geht, es kann aber auch zu interessanten neuen Einflüssen führen. Laß' dich einfach überraschen, was die neue Factory-Mannschaft so einbringt!

Eure Songs sind doch viel zu kurz - das kann doch kein Progressive Rock sein....

Ist es auch nicht, es ist Factory Of Art-Rock. (Die Leute von VIVA haben uns übrigens genau das Gegenteil erzählt ...) Wenn ein Song paßt, ist es egal, wie lang er ist. Außerdem sollte man das Wort "Progressive" im Zusammenhang mit uns nicht überstrapazieren, denn gegenüber Bands wie Dream Theater sind Factory Of Art doch immer noch sehr straight, allerdings wird es auf unserem Album auch längere Stücke geben.

Seid ihr in dem Geschäft schon mal über den Tisch gezogen worden?

In diesem Geschäft wird man dauernd über den Tisch gezogen! Es liegt an jedem selbst, das auf ein Minimum zu reduzieren. Was dich nicht umbringt, macht dich stärker und aus Erfahrung wird man klug. Und wir haben mittlerweile 10 Jahre Erfahrung!

Was wollt ihr unbedingt in eurer Karriere noch erreichen?

Wir hätten gerne einmal Queensryche in unserem Vorprogramm ..

Wer mehr Infos über die Band möchte, findet in den DURP-Links einen Link zur Band-Homepage.


© 04/2000 Renald Mienert
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