Fates Warning: Immer noch Prog Metal auf höchstem Niveau

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Sie haben mit ihrem zehnten Studioalben wieder einmal gezeigt, dass sie noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben, wenn es um Prog-Metal geht. "Disconnected" wird - und das völlig zurecht - in Metal-Kreisen in höchsten Tönen gelobt. Renald Mienert unterhielt sich mit Jim Matheos

Wie entstand das neue Album?

Es lief eigentlich genauso wie bei den letzten Fates - Alben. Ich schreibe das Material bei mir zu Hause - ich lebe ja ein paar Tausend Meilen von den anderen Bandmitgliedern entfernt - nehme in meinem Heimstudio die Songs auf, sende dann Tapes an Mark und Ray und sie ergänzen dann ihre Parts. Es werden dann eine Weile Tapes hin und her geschickt, es wird viel telefoniert und wir nutzen natürlich auch das Internet.

Euer Album erschien ja ungefähr zeitgleich zum neuen Album von Kevin Moore's CHROMA KEY. Wenn ich mir auf "Disconnected" die Keyboards anhöre, so klingen die Keys denen bei CHROMA KEY nicht unähnlich.......

Auf "A Pleasant Shade Of Gray" klangen die Keys primär nach Piano oder Streichern, auf dem neuen Album sehr elektronisch, eben typisch nach Synthesizer. Ich stimme schon zu, dass es in gewisser Weise Ähnlichkeiten zu "Chroma Key" gibt, was daran liegen kann, dass das erste Chroma Key - Album mein Lieblingsalbum war, als ich die Songs für "Disconnected" schrieb.

"A Pleasant Shade Of Gray" war ja eigentlich nur ein einziger überlanger Song. Zumindest die Tatsache, dass der Opener und der letzte Track des Albums, also Disconnected Part 1 und Part 2 eine Art Rahmen bilden, lässt ja die Vermutung zu, dass wir es wieder mit einem Konzeptalbum zu tun haben.

Wir wollten dieses Mal ganz bewusst kein Konzeptalbum schreiben, wir wollten einfach nur Songs, die nichts miteinander zu tun hatten. So ist das Cover auch eine der möglichen visuellen Umsetzungen für den Begriff "Disconnected" - also zusammenhanglos - , im Booklet gibt es noch weitere Fotos zu dem Thema. Mit diesen beiden Tracks hast du ein typisches Beispiel für "Disconnected". Diese Parts am Anfang und am Ende stehen zu den übrigen Songs auf dem Album in keinem Zusammenhang, sind völlig anders. Es gibt sehr viele Dinge, die zusammenhanglos sein können, und das trifft eben auch für die Musik dieses Albums zu. Diese Album unterscheidet sich stark von unseren anderen, die Songs stehen in keinem Zusammenhang, es gibt also viele Interpretationsmöglichkeiten, aber keine von uns besonders gewollte inhaltliche Auslegung.

Anlässlich eines früheren Fates Warning - Interviews habt ihr gesagt, dass "A Pleasant Shade Of Gray" unter Umständen das wichtigste Album eurer Karriere wird. War es das wirklich?

Ich weiß nicht. Es ist schwer für mich, darauf zu antworten, schwer aus fünfzehn, sechzehn Jahren einige Dinge besonders hervorzuheben, es gab viele Höhen und Tiefen. Ich habe lange aufgehört, irgend etwas zu erwarten. Das Schreiben von Songs, das Gefühl wenn wieder eine Album fertig ist, dieses Gefühl ist es, was ich brauche und was mir Freude macht. Wenn die Fans und die Presse ein Album mögen ist es großartig, wenn nicht, ist es auch OK solange wir die Sachen mögen.

Gibt es Überlegungen, das Line Up zu vergrößern? Kevin Moore und Joey Vera sind ja schon seit geraumer Zeit als Gastmusiker für euch aktiv.

Wir haben definitiv kein Interesse daran, ein neues Mitglied fest in die Band zu integrieren. Der Kern von Fates Warning sind Mark, Ray und ich. Joey nennen wir unseren "dauerhaft zeitweisen" Bassisten. Kevin hätten wir gerne als Live-Keyboarder dabei, aber er hat leider keinerlei Interesse am touren, also ist er an den Studioalben beteiligt und live müssen wir uns jemand anderes suchen.

Im letzten Jahr gab es Jahr zwei Soloprojekte von Bandmitgliedern, von dir und von Ray. Was waren die Gründe dafür?

Was wir brauchten war mal einfach eine kleine Auszeit von Fates Warning. Wir haben sehr lange an "A Pleasant Shade Of Gray" gearbeitet, dann kam die Tour, wir mussten einfach mal was anderes machen. So kamen die Soloprojekte von Ray und mir zustande. Was mich angeht, so widmete ich mich einem Thema, das ich ebenfalls sehr liebe und machte ein Akustik-Album mit ein paar Freunden. Bei Ray kam war es halt ein sehr aggressives Heavy-Album, das er mit "Engine" veröffentlicht hat. Momentan denken wir übrigens beide über neue Side-Projects nach, Ray wird wahrscheinlich ein weiteres "Engine"-Album veröffentlichen.


© 10/2000 Renald Mienert
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