Rhapsody: Metal meets Hollywood

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Die italienische Band Rhapsody hat die Kombination von melodischem Metal und symphonischen Elementen zwar nicht unbedingt erfunden, durch die Art der Umsetzung jedoch auf neues Level gehoben. Nun kommt mit "Dawn Of Victory" das dritte Album in die Läden, und somit wird es endlich Zeit, Rhapsody etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Renald Mienert unterhielt sich mit Luca Turilli.

Gegründet wurden Rhapsody zu Beginn der Neunziger von Gitarrist Luca Turilli und Keyboarder Alex Staropoli. Beide lieben neben Metal auch die klassische Musik, was im Falle von Luca wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass sein Vater ein bekannter italienischer Konzert-Cellist ist.

Ich glaube, mittlerweile ist der Einfluss meines Vaters sehr gross. Aber das war nicht immer so. Sehr lange habe ich mich überhaupt nicht in solchem Maße für klassische Musik interessiert wie das heute der Fall ist. Ich habe diese Musik auch gehört, aber neben vielen anderen Stilrichtungen. Ich denke manchmal, ich habe überhaupt erst relativ spät mit der Musik angefangen, ich war immerhin schon sechzehn, und heute ist es ja üblich spätestens mit sechs Jahren anzufangen.

Zu spät jedenfalls war es nicht. Man begann unter dem Namen Thundercross, und produzierte noch mit dem Sänger Christiano Adacher ein erstes Demo-Tape.

Nun, wir haben damals unser erstes Demo "Land Of Immortals" an diverse Plattenfirmen geschickt. LIMB war der einzige, der Interesse zeigte. Wir unterschrieben bei diesem Label, aber dann gab es Überlegungen, ob unser alter Name "Thundercross" wirklich optimal zu promoten wäre. Es gab halt diverse anderen Bands mit ähnlichen Namen, die auch den Begriff "Thunder" verwendeten. Natürlich hat auch "Thundercross" zu uns gepasst, weil der Name schon die Energie ausdrückt, die für unsere Musik typisch ist, aber wir haben uns dann doch für einen Wechsel entschieden. Und mit dem typischen Stil, den Rhapsody dann entwickelt haben, hat es sich doch gezeigt, dass der Wechsel in Ordnung ging, wird doch der Begriff "Rhapsody" sehr stark mit den symphonischen Elementen in Zusammenhang gebracht.

So erschien dann 1997 das offizielle Debüt "Legendary Tales", allerdings bereits mit dem noch heute aktuellen Sänger Fabio Leone, der je zwischenzeitlich auch parallel dazu bei Labyrinth und Athena hinterm Mikro stand, und der auch heute noch mit Vision Divine ein Sideproject betreibt. Von Anfang an typisch für Rhapsody war die inhaltliche Umsetzung von Fantasy-Themen. So erzählen alle Alben eine fortlaufende Story, die Emerald Sword Saga.

Die "Emerald Sword Saga" ist eine typische Fantasy-Story, die auf insgesamt vier Alben ausgelegt ist. Nach unserem vierten Album werde ich eine neue Saga starten, die zwar mit Verknüpfungen zur ersten aufweist, aber keine direkte Fortsetzung darstellt. Es gibt sehr viele Charaktere, der Hauptheld ist eben jener "Warrior Of Ice". Es ist eine typische Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse. Ich lasse mich dabei allerdings nicht so sehr von Büchern wie dem "Herrn der Ringe" inspirieren, sondern von Filmen. Ich liebe Streifen wie "Conan" oder auch "Highlander". Wenn es um Science Fiction geht, dann sind es "Armageddon", "Dark Horizon" oder auch jüngst "X Men", die mich stark beeindruckt haben. Ich stehe auf dieses große special effect - Kino.

1998 dann erschien bereits der Nachfolger "Symphony Of Enchanted Lands", ein Album, dass die Band bereits ganz nach vorne katapultierte. Das Werk stieg in den deutschen Charts bis auf Position 54 und verkaufte sich bisher über 150.000 Mal. Danach fand Luca Turilli noch Zeit für ein Solo-Album unter dem Titel "King Of The Nordic Twilight", dass sich allerdings musikalisch kaum von einem Rhapsody - Album unterschied.

Bei Rhapsody komponiere ich die meisten Songs gemeinsam mit unserem Keyboarder Alex - was im Normalfall auch ganz gut funktioniert, da wir die selben Sachen mögen und es kaum Streitereien gibt. Dennoch hat man in einer solchen Zweierkonstellation nie die hundertprozentige Freiheit, es gibt irgendwelche Kompromisse, die man machen muss. Ich hatte also die Songs, und da die Fans ohnehin schon ein Jahr lang kein neues Album von Rhapsody bekommen hatten, entschieden wir uns für das Soloalbum. Die Stücke sind völlig natürlich entstanden, ohne irgendwelche Gedanke jetzt genau wie Rhapsody klingen zu müssen oder sonstwie. Im nächsten Jahr wird mein zweites Soloalbum erscheinen, und dies wird sicherlich etwas anders klingen. Jetzt gehe ich bewusster an die Sache heran, habe aber auch einfach mehr Zeit.

Eine Fantasy-Story braucht natürlich auch ein Fantasy-Artwork, und so waren die Veröffentlichungen von Rhapsody auch schon immer ein Fest für die Augen. Arbeitete man zunächst mit dem Belgier Eric Philippe zusammen, entschied man sich beim aktuellen Output für Marc Klinnert, der auch schon die Werke von Axel Rudi Pell optisch veredelt.

Wir wollten, dass unsere Cover nicht mehr so stark diesen Comic-Touch hatten. Uns schwebte ein Artwork vor, dass vergleichbar ist mit diesen großen Kinoplakaten, ein Artwork, dass auch schon eine gewisse Dramatik ausdrückt und nicht mehr das Gefühl erweckt, es sein speziell für Kinder gemacht.

Einen weiteren Wechsel gab es auch im Line Up zu vermelden, Rhapsody haben mit Alex Holzworth einen neuen Drummer.

Es gab Probleme mit dem alten Schlagzeuger. Er begann, bestimmte Dinge zu manipulieren, und so kam es zur Trennung. Einen Monat vor der Tour mussten wir dann einen neuen Drummer finden, was ziemlich knapp war. Unser Produzent Sascha stellte dann den Kontakt zu Alex von Sieges Even her. Ich kannte die Band zwar nicht, aber ich vertraute Sascha. Sascha kann man als sechstes Bandmitglied von Rhapsody bezeichnen. Wenn wir nach Deutschland fahren, um ein neues Album aufzunehmen, dann haben wir fast schon das Gefühl, es ginge in die Ferien.

Dieses Gefühl hatte man bei der im Frühjahr 2000 stattgefundenen Tour mit Stratovarius nicht unbedingt.

Die Erfahrungen waren durchaus gemischt. Die Fans und auch Stratovarius waren großartig, die Gigs waren größtenteils ausverkauft. Aber wir waren schließlich nur Support und das bedeutet ja in der Regel Abstriche am Sound. Du hast nicht deine eigenen Techniker dabei, und dann hören die einen Leute nur Gitarren, die anderen nur Keyboards. Aber wir nehmen es als eine nützliche Erfahrung. Nach der Veröffentlichung der abschließenden vierten CD der Saga, werden wir auf eine richtig große Welttournee gehen, wo auch die komplette Saga aufgeführt wird, mit allen möglichen Effekten. Jetzt wird es wohl nur eine kleinere Tour geben und natürlich sind wir auch auf den großen Festivals dabei.

Auch wenn Rhapsody bisher erst drei Alben veröffentlicht haben, so stellt sich doch auch hier die Frage, wie die Band den Spagat zwischen musikalischer Weiterentwicklung und gleichzeitigem Festhalten an den eigenen Wurzeln bewältigen will.

Aus diesem Grund ist ja das neue Album auch etwas härter ausgefallen als die Vorgänger. Für eine Band wie Rhapsody, die ja von Beginn an verschieden Musikstile integriert hat, ist es wesentlich einfacher, Alben abwechslungsreich zu gestalten, ohne den Stil drastisch zu ändern. Eine traditionelle Metal-Band hat es da viel schwerer. Wenn die plötzlich mit Streichern arbeitet, ist das ein gravierender Wandel.

Mit "Dawn Of The Victory" jedenfalls geht für Fans der Band wieder einmal ein Traum in Erfüllung. Luca Turilli muss zumindest was einen ganz speziellen Wunsch angeht, darauf noch warten.

Wenn Kino deine Leidenschaft ist, dann träumst du als Musiker natürlich davon, einmal den Soundtrack zu einem richtig großen Spielfilm zu schreiben.

Aber man soll ja niemals nie sagen.


© 12/2000 Renald Mienert
DURP - eZine from the progressive ocean
http://www.durp.com/