Shakary: Ein Neo Prog Hihlight auf der Schweiz

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Nach dem Ausstieg von Gitarrist Lele Hofmann bei Clepsydra hätte man meinen können, er hätte sich aus der Szene zurückgezogen. Glücklicherweise hat er das nicht getan, sondern gemeinsam mit befreundeten Kollegen das Projekt "Shakary" ins Leben gerufen, das mit dem Doppelalbum "Alya" einen wirklichen Höhepunkt im Neo-Prog-Sektor abgeliefert hat. Die Köpfe des Projektes Lele, Scandy und Sandor standen Renald Mienert Rede und Antwort.

Lele, warum hast Du damals Clepsydra verlassen?

Lele: Gute Frage; Ich habe schon oft diese Frage beantworten müssen, und jedesmal habe ich Mühe eine Antwort zu finden. Es gab mehrere Gründe, es gab ein Für und Wider. Den Ausschlag gab dann vielleicht mein Bedürfnis nach neuen Erfahrungen, das schon vor meinem Ausstieg bei Clepsydra dazu führte, am Projekt "Alya" teilzunehmen. Dadurch fühlte ich mich aber überlastet (neben der Musik, haben wir alle natürlich auch ein Job); und so habe ich die Entscheidung getroffen, nur mit Shakary weiterzumachen.

Gab es in der Zwischenzeit andere musikalische Aktivitäten neben dem aktuellen Projekt?

Lele: Nein; wie gesagt, ich fühlte mich schon so überlastet.

Nicht gerade eine originelle Frage, aber was hat es mit dem Bandnamen auf sich?

Scandy: Ich habe den Namen aus einem Science Fiction Film genommen. Aber ich glaube, das passt sehr gut zum Thema, oder ?

Könnt ihr etwas zu den Beteiligten an dem Projekt nennen, etwas über ihre musikalischen Background? Was Aluisio Maggini als Clepsydra-Sänger angeht, so dürfte er hinlänglich bekannt sein, aber die übrigen Künstler....

Scandy: Was mich betrifft, ich habe 1980 begonnen Prog zu spielen; seit dem habe ich auch Melodic Hard Rock gespielt und war auch den Sänger. Ich habe eine Platte im Stil von Saga produziert; das war 1994. Walter Calloni ist eine lebende Legende; er war mit PFM, AREA tätig, hat aber auch auf über 200 italienischen Produktionen gespielt. Carlo Cantini ist ein professioneller Musiker; er arbeitet im Studio und begleitet andere Künstler, die auf Tour gehen. Giovanni Galfetti ist ein Musiklehrer und spielt normalerweise Orgel Konzerte, hat aber auch eigene Erfahrungen als Rock Musiker in den Achtzigern gesammelt.

Lele: Ich war früher bei Clepsydra - auch das ist ja bekannt - und diese Zusammenarbeit begann bereits 1982. Aber erst 1991 gab es dann mit "Hologram" ein Album. Die übrigen Beteiligten an dem Projekt, die jetzt hier nicht erwähnt wurden, sind Profi-Musiker oder Kollegen, die wir für die Aufnahme ins Studio eingeladen haben.

Ich war überrascht, auch den Clepsydra - Sänger im Line Up zu finden. (Man hätte ja meinen können, nach der Trennung wolle man nichts mehr voneinander wissen.)

Scandy: Ich hätte singen müssen, aber als wir die Produktion begonnen haben, stellte ich sofort fest, dass es wäre unmöglich gewesen wäre, für Produktion, Bass und Keyboards verantwortlich zu sein, und dann auch noch zu singen. Der einzige Künstler, der dann in Frage kam um diesen Part so machen konnte, wie wir es wollten war Aluisio. Wir sind seit Jahren sehr guten Kollegen, und er ist für mich wie ein Bruder, und das auch außerhalb der Musik.

Lele: Es gab ja auch keinen Streit im herkömmlichen Sinne. Clepsydra waren sicher enttäuscht von meiner Entscheidung, aber mit der Zeit haben sie verstanden worum es mir ging, und haben es sehr schnell akzeptiert. Ich habe meinen Nachfolger ja auch selbst vorgeschlagen, da ich Marco seit Jahren kannte, und ich wusste (wie die anderen auch), daß er der perfekte Ersatz für mich war.

Kannst ihr etwas zum Inhalt des Konzeptes erzählen? Die Texte scheinen ja einen biblischen Hintergrund zu haben

Sandor: Die erste Version der Texte zu "Alya" entstand im Jahr 1990 nach einer Idee von Philip Hubert. Obschon das Grundkonzept auf der "Apokalypse" beruht, hat es eigentlich wenig mit Religion zu tun: Es ist mehr ein psychologischer "Seelentrip" der Hauptperson, die sich in einer Bar befindet und über eine verflossene Liebe nachdenkt. Während des gesamten Stücks kehren Erinnerungen, Liebe, Hass, Ängste und auch Hoffnungen zurück, die sich nach und nach mit der Apokalypse verbinden und schlussendlich ein surrealistisches Gesamtkonzept bilden...

Das Artwork hat wieder mehr Bezüge zur Gegenwart, macht einen sehr "modernen" Eindruck - ein Widerspruch zum textlichen Inhalt?

Sandor: Da die Apokalypse nur den Hintergrund zur gesamten Story bildet, ist dieser "moderne" Eindruck keineswegs ein Widerspruch, sondern eher der Versuch, klassische und religiöse Elemente (die sicherlich vorhanden sind) mit der heutigen Zeit zu verbinden.

Lele: Auch musikalisch möchten wir aktuell sein, (mindestens im Sound) obwohl jeder weiß, dass die Wurzeln des Progressive Rocks in den Siebzigern liegen.

Bleibt es bei dem Projektcharakter oder werdet ihr den Schritt in Richtung "richtige Band" vollziehen?

Scandy: Es wäre wirklich schwierig eine richtige Band zu werden, weil wir keine Profis sind und weil mindestens 8 Musikern nötig wären, um alles richtig zu reproduzieren.

Wie kam es zum Einsatz von Violine und Trompete....

Scandy: Diese Instrumente waren meine Idee. Ich bin ein long time Fan von King Crimson, und wollte diese Klangfarben auch auf meiner Platte haben.

Warum mußte es eine Doppel-CD werden, ein paar Minuten weniger, und ihr wärt mit einer ausgekommen - ist ja auch ein kommerzieller Aspekt....

Lele: Am Anfang dieses Projektes haben wir die Texte analysiert, und auf Grund dieser Texte haben wir uns auf eine Art innere Reise begeben. Stück für Stück haben wir versucht, die Gefühle der Hauptperson nachzubilden. Ich wollte, dass die Musik den Zuhörer wirklich auf dieser Reise begleitet. Deswegen ist hier jede Minute genau so, weil wir sie genau so genau dort gewollt haben. Nach dem Komponieren haben wir 88 Minuten gehabt; dazu unterteilt sich die Story auch praktisch in zwei Abschnitte, also war es nur logisch, ein Doppelalbum zu produzieren. Einige Leute haben uns gesagt, dass es schade ist, wenn eine 88-minutigen Platte zum Preis eines Doppelalbums verkauft wird, aber das ist nicht so. (Wir zumindest verkaufen sie fast zum Preis einer Einzel-CD - kommt mal auf unsere Web-Seite schauen!) Es gibt aber einige Händlern, die die Platte billig kaufen und teuer verkaufen- Da können wir leider nichts tun! (Zu der Sorte gehört der Herausgeber dieses Magazins selbstverständlich nicht, Kollege Bäcker hat gesagt, das muss ich an dieser Stelle unbedingt erwähnen, der Verfasser)

Seid ihr ein reines Studio-Projekt?

Scandy: Wir sind vor allem guten Kollegen!

Lele: Ja. Vorläufig schon. Wir wissen auch nicht genau was in der Zukunft passieren wird. Scandy hat schon angefangen einige neue Songs zu schreiben, aber bis jetzt ganz allein, da ich voll in dem Vertrieb von Alya involviert bin. Wir werden sehen..

Hätte man mir das Album vorgestellt ohne den Interpreten zu verraten, ich hätte gesagt, "zum Glück haben Clepsydra weiter gemacht". Die musikalische Ähnlichkeit ist sehr auffällig, aber wohl auch nicht verwunderlich....

Lele: Für Clepsydra hatte ich mehrere Songs geschrieben, und ich glaube hier hört man meinen Stil auch sehr stark. Wenn noch dazu Aluisio singt, klar dass es sich wirklich wie Clepsydra anhören kann. Wobei wir uns manchmal erlauben, etwas extremer zu sein, wozu ich mich bei Clepsydra noch nicht getraut hatte. Rockiger, wo es rockiger sein soll, manchmal klassischer oder experimenteller. Die Erfahrung und der Stil von Scandy kommen auch noch dazu, und sorgen für mehr Abwechslung. Am Ende glaube ich, ist doch etwas Anderes herausgekommen, was in dieser Form von Clepsydra sicher nicht gekommen wäre. Ich sage mit Absicht nicht besser oder schlechter: einfach anders.

Hat sich die Situation für Prog-Musiker in der Schweiz in den letzten Jahren in die eine oder andere Richtung geändert?

Lele: Eigentlich nicht. Ich den Schweizer Musikläden findet man keinen Prog, in den Schweizer Radios hört man keinen Prog. Die meisten Musikhändler wissen nicht einmal, dass es Prog überhaupt gibt (und wieviel und wie gut!) Wie kann sich dann die Situation ändern?

Wie kamt ihr an eure jetzige Plattenfirma, ich kann mir nicht vorstellen, daß Label wie z.B. Angular oder Inside Out kein Interesse bekundet hätten....

Scandy: Diese Firmen haben bis jetzt wahrscheinlich noch nichts ALYA gehört. Es kann gut sein, dass wir auch mit diesen Leuten arbeiten werden, wer weiss. Aber ehrlich gesagt, Inside Out hat mit Clepsydra nicht gute Erfahrungen gemacht; die wollen wahrscheinlich Bands, die mehr Richtung Prog Metal gehen. Wir sind mehr Neo Prog a la Marillion, oder ?

Lele: Ich hatte einmal Kontakt mit InsideOut aufgenommen, und sie sagten mir, sie hätten keine Interesse mehr, so ich habe Ihnen einfach keine Platten geschickt. Dagegen war Raoul von Kaliphonia, den wir schon seit langem kennen, ganz begeistert von der Idee, den Vertrieb dieser Produktion zu übernehmen. So haben wir einfach nicht weitergesucht.

Underground - Produktionen haben oft finanziell begründetet Schwächen im Sound bzw. Artwork. Euch merkt man das nicht an. Ihr habt offensichtlich an dieser Stelle keine Kompromisse gemacht und die entsprechenden Kosten in Kauf genommen....

Scandy: Es war sicher ein Vorteil, dass wir Erfahrung mit Clepsydra gemacht haben. Es hat uns nicht so viel gekostet, aber wir haben sehr - nun sagen wir mal - komisch gearbeitet. Anyway, wir wollten sogar im Thin Ice Studio von Arena mischen, aber leider waren wir zu spät dran mit der Planung, und wir hätten soviele Probleme gehabt, dass wir absagen mussten. Statt dessen haben wir einen Monat lang gemischt, und Mario Krag hat ein hervorragende Arbeit geleistet. Er war sehr wichtig für unseren Sound.

Lele: Was die Finanzen angeht, wir wissen schon jetzt, dass wir das investierte Geld nur teilweise zurückbekommen werden. Aber das ist ein bekanntes Problem innerhalb des ProgRocks. Wir haben diesen Stil sicher nicht gewählt um reich und berühmt zu werden.. Ich hoffe nur, dass wir genügend zurückbekommen werden, dass wir noch weitermachen können.

Habt ihr Kontakte zu anderen Progbands?

Lele: Ich würde sagen, praktisch keine, ausser selbstverständlich Clepsydra. In der Schweiz gibt es in dem Sinne keine Prog Szene, und schon gar nicht im Süden, wo wir wohnen. Es gab eine andere Gruppe, die hiess Changes, - die war die Ex-Band von Scandy - aber die hat sich leider aufgelöst.

Auch wenn ich nerve, was machen Clepsydra jetzt eigentlich?

Lele: Obwohl ich Philip noch mehrmals in der Woche höre oder sehe, ich weiss nicht viel über Clepsydra. Da kann dir Scandy wahrscheinlich etwas mehr sagen. Scandy: Ich habe mit Aluisio an den Texten für das neue Album gearbeitet. Die Songs sind im Kasten und werden jetzt arrangiert. Wahrscheinlich wird auch noch in diesem Jahr ein Album produziert...

Lele, Scandy, Sandor: Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews und viele Grüße an allen


© 05/2000 Renald Mienert
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