Silent Force: Ein Boot, zwei Kapitäne

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Es war nur eine Frage der Zeit, dass Ausnahme-Shouter D.C. Cooper wieder bei einer Band anheuern würde. Die heisst SILENT FORCE und ist sozusagen der Nachfolger von "The Sygnet", dem Baby von Gitarristen Alex Beyroth, der ja ansonsten bei Sinner die Axt schwingt. Melodic Jorney sprach mit beiden.

D.C., die meisten kennen dich als Sänger von Royal Hunt, was war eigentlich davor?

D.C.: Royal Hunt war meine erste richtige Band. Was den Stein aber ins Rollen gebracht hat, war die Tatsache, dass ich mit zu den Leuten gehörte, die in die engere Wahl kamen, seinerzeit einen Job bei Judas Priest zu kriegen. Das hat sich herumgesprochen, plötzlich gab es jede Menge Anfragen. Davor gab es eine Zeit, in der ich in diversen Coverbands in den Staaten mitwirkte.

Die Trennung von Royal Hunt ging ja nicht ohne böse Worte ab...

D.C.: Ich wurde bei Royal Hunt gefeuert, aber sie haben es mir nie ins Gesicht gesagt. Es geschah über das Internet. Wie waren immerhin einige Jahre zusammen. Da hätte ich zumindest einen Anruf verdient.

Bedeutet Silent Force das Ende deiner Solokarriere?

D.C.: Die Pläne weiter an der Solokarriere zu arbeiten stehen immer noch. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis das zweite Solo-Album erscheint, momentan hat SILENT FORCE für mich die höchste Priorität.

Welchen Status hast du eigentlich in SILENT FORCE, bist du so etwas wie ein Gast-Star?

D.C.: Die meisten Leute fragen mich das, aber wir sind eine richtige Band. Auf diesem Album haben zwar Alex und ich das gesamte Material alleine geschrieben, aber beim nächsten wird jedes Mitglied in das Songwriting einbezogen werden. Ich als Sänger werde zwar weiterhin die Texte und die Vocal-Lines schreiben, aber das macht ja auch Sinn macht.

In vielen Bands gibt es einen Boss, bei euch haben wir es jetzt mit zwei sehr starken Persönlichkeiten zu tun. Kann das gut gehen?

D.C.: Frag mich das in einem Jahr noch mal! Aber Alex und ich sind mittlerweile sehr gute Freunde. Unsere musikalischen Fähigkeiten und unsere Art zu schreiben ergänzen sich, wir haben aber auch in anderen Sachen, zum Beispiel wenn es um politische Dinge geht, die gleiche Wellenlänge. Ich hoffe, wir haben eine sehr lange und erfolgreiche Zeit miteinander, das gilt natürlich für die ganze Band. Wir passen alle ziemlich gut zueinander.

Alex: Ich sehe das eher als Vorteil. Wir haben unterschiedliche musikalische Einflüsse und Wurzeln und das tut dem Ganzen nur gut. Ein Schiff kann ruhig von zwei Leuten geführt werden, solange man sich über die Richtung einig ist. Schau dir Bands an wie Deep Purple oder Dokken, solche Zweigespanne Sänger-Gitarrist sind gar nicht so selten.

Die Songs für das Album entstanden ja auf recht ungewöhnliche Art und Weise. Die Vocal-Parts wurden erst geschrieben, als das komplette Grundgerüst schon stand.

D.C.: Ich war noch niemals zuvor in einer solchen Situation. Als ich das Material das erste Mal hörte, war ich sehr skeptisch, denn ich ahnte, dass es sehr schwierig sein würde, die passende Vocals zu ergänzen. Die meisten Parts waren ja schon aufgenommen, ich hatte also so gut wie keine Möglichkeit, noch etwas daran zu ändern. Es war eine ziemliche Herausforderung und ich habe sie angenommen. Jeder muss sich im Leben bestimmten Situationen stellen. Ich bin mit dem Ergebnis zwar zufrieden, allerdings wird es zukünftig nicht mehr so ablaufen. Wir haben schon mit der Arbeit zum zweiten Album begonnen, und jetzt ist von Anfang an die gesamte Band integriert.

Alex: Wir hatten so manche schlaflose Nacht, als DC dann bei mir in Krefeld war und wir an den Songs gearbeitet haben. Es gab auch Momente, als wir einfach nicht weiter kamen, aber unterm Strich sind wir zu guten Resultaten gelangt. Wenn man nicht weiss, dass das Album so entstanden ist, dann hört man es auch nicht.

Wie kommt es eigentlich, dass ein Mann wie D.C. in europäischen Bands spielt. Kein Bedarf an guten Sängern in den Staaten?

D.C.: In den USA kann man nicht gerade von einer lebendigen Szene sprechen. Die meisten Leute, die diese Musik mögen, kaufen Importe. Es gibt einige kleinere Label, die solche Sachen verlegen und ein paar Tausend Alben verkaufen, aber das war's dann auch schon. Ich habe die USA nie im eigentlichen Sinne verlassen, meine Familie lebt dort, aber was meine Karriere anging, musste ich mich außerhalb umsehen. Nirvana waren groß oder Green Day, aber was nützt mir das? Ich respektiere andere Genre, aber ich könnte nie in einer solchen Band singen. Ich bin Metal-Sänger und ich habe hart dafür trainiert, aber in den USA ist eben alles sehr trendorientiert. Metal funktioniert momentan nur in Europa, Japan und Süd-Amerika. Da muss man auch in gewisser Weise Opfer bringen. Bei mir sieht das eben so aus, dass ich nur sehr wenig Zeit gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden in meiner Heimat in Pittsburgh verbringen kann.

Alex, war D.C. eigentlich dein Wunschkandidat?

Auf jeden Fall! D.C ist mir durch sein Solo-Album aufgefallen. Seine Arbeiten mit Royal Hunt sind mir eigentlich gar nicht so geläufig. Es gab damals die Probleme bei Sygnet mit meinem Sänger Michael Bormann gab, die ja schließlich zur Trennung führten, da wir musikalisch nicht so die gleiche Schiene fuhren. Er macht mehr Melodic Rock - ich würde es schon fast Schlager nennen, o.k. - war Spaß. Aber er steht nun mal mehr auf die soften Sachen. Ich finde das sehr schade, denn ich glaube, seine Stimme kam nie besser rüber als bei Sygnet. Aber live hat er sich schon fast quälen müssen, und dann gab es noch einige Statements in der Presse, so dass es zur Trennung kam. Damals hatte ich aber die Musik zu Silent Force - was ja eigentlich das zweite Sygnet - Album werden sollte - schon komplett aufgenommen. Ich stand dann ohne Sänger da und habe D.C. kontaktiert. Und zum Glück hat alles geklappt.

Ich hätte allerdings ein Album wie dieses nicht unbedingt von Sygnet erwartet...

Alex: Das Album sollte härter ausfallen, aber auch einen gewissen epischen und symphonischen Charakter bekommen. Ich interessiere mich sehr für Klassik und gehe auch privat schon mal in die Oper. Ich stelle auch an mich selbst recht hohe Ansprüche was die Kompositionen angeht, und konnte mich hier dann auch mal so richtig austoben. Es hat viel Spaß gemacht, war aber verdammt viel Arbeit.

Bei "The Empire Of Future" handelt es sich ja um ein Konzeptalbum...

Alex: Ich habe für das Album eine komplette Story geschrieben, und diese Story hat D.C. genommen und mit eigenen Worten überarbeitet. Es geht um das recht komplexe Thema der Rache. Ein Soldat stirbt und wird anschließend von einem Professor mit einer Maschine ins Leben zurückgeholt - aber nur für 24 Stunden. Er bricht aus dem Labor aus und überlegt sich, was er mit der Zeit anfangen kann. Er beschließt den General zu töten, dessen Befehl zu seinem Tode führte. Dann kehrt er zu dem Wissenschaftler zurück, will auch diesen töten, doch der erklärt ihm, dass er doch nicht sterben wird und ehrenhaft aus der Armee entlassen ausscheidet. Da unser Held aber nun ein Mörder ist, landet er auf dem elektrischen Stuhl und der Wissenschaftler holt den General ins Leben zurück. Der Mord war völlig sinnlos. Die Geschichte ist viel komplexer, es gibt viel mehr Verstrickungen und sie kann komplett auf unsere Homepage nachgelesen werden.

Im Rahmen der Promoaktivitäten zu dem Album spielt ihr ja auch einige Akustik-Gigs.

Alex: Akustik-Shows sind ein wichtiges Element der Werbung und besonders in Japan sehr beliebt. Aber ich habe damit kein Problem. Queensryche habe das ja früher auch gemacht, und die Sachen klangen richtig geil. Aber damals war die Band j auch noch richtig gut. Bei dem Thema Queensryche rege ich mich sowieso gleich wieder auf. Wenn die Leute heute nicht mehr in der Lage sind, solche Sachen wie Operation Mindcrime oder Empire zu schreiben, dann sollen sie mir Bescheid sagen, dann schreibe ich ihnen ein paar Songs, O.K, das klingt jetzt arrogant, aber das Thema nervt mich wirklich. Die wollen jetzt unbedingt einen auf Künstler machen, wollen der Welt beweisen, dass sie sich weiterentwickeln wollen, und dabei heraus kommt Musik, die kein Mensch von dieser Band hören will. Eine solche Band hätte es in der Hand dem Metal wieder zu dem Stellenwert zu verhelfen, der ihm gebührt und den er einmal hatte. Und was machen die - Wollmützenmusik......


© 07/2000 Renald Mienert
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