Violet District: Violet District goes RPWL

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Mit "Terminal Breath" veröffentlichte Tempus Fugit vor einigen Wochen einen der deutschen Prog-Klassiker erneut auf CD. Auch wenn es VIOLET DISTRICT in dieser Form nicht mehr geben wird, so verkürzt uns dieses Re-Release doch die Zeit bis zum Erscheinen des Debüts der Nachfolgeband - RPWL. Die DURP sprach mit Gitarrist Karlheinz Wallner.

Wie kam es jetzt zu dieser Wiederveröffentlichung?

Aufgrund einiger Bestellungen für die mittlerweile längst ausverkaufte CD "Terminal Breath" haben wir mich entschlossen, eine neue Auflage zu produzieren. Allerdings wollten wir einige "Schwachstellen", z.B. das Booklet aufwerten und durch Hinzunahme von neuen Songs und der Live-CD das Album auch musikalisch "runderneuern". Außerdem war das ursprüngliche Album mit ca. 43 min. relativ kurz.

Wie kam der Kontakt zu Tempus Fugit zustande?

Dirk kannte ich bereits seit vielen Jahren aus den Violet District-Anfangszeiten. Er war beispielsweise auch auf der CD-Präsentation von "Terminal Breath". Nachdem der Kontakt eine Weile abgerissen war, haben wir uns auf der Suche nach einem Label für meine neue Band RPWL über einen gemeinsamen Bekannten wieder getroffen. Dirk, der mittlerweile sein eigenes Label Tempus Fugit gegründet hatte, war von einer gemeinsamen Zusammenarbeit ebenfalls sehr begeistert, sowohl was die Wiederveröffentlichung von "Terminal Breath", als auch die Veröffentlichung von RPWL betrifft.

Kannst du das Konzept hinter "Terminal Breath" etwas näher erläutern?

Die thematische Idee zu "Terminal Breath" war eine imaginäre Darstellung eines gesamten Lebens, von der Geburt an ("Lustreless Fright") bis hin zum Tod ("Down and away"). Die Texte stammen fast ausschließlich von Mischa Schleypen und beschreiben sehr bildhaft einzelne persönliche Episoden und Eindrücke. Im Studio sind wir schließlich daran gegangen, die einzelnen Songs untereinander noch mehr zu verbinden und das Konzept mit einigen neu komponierten Zwischenteilen noch stärker betonen. Die verschieden gearteten musikalischen Elemente stehen für verschiedenen Stimmungen und Gefühle.

Auch wenn man euch immer zwischen Marillion und Floyd ansiedelt - irgendwie klingt Violet District trotzdem anders....

Der Vergleich kommt wohl daher, weil wir sowohl sehr getragene und melodische als auch ein wenig kompliziertere und "verschachtelte" Teile in unseren Songs vereint hatten. Auch die Art der Texte erinnert wohl an die alten Marillion. Und letztendlich liegen da auch unsere musikalischen Wurzeln. Allerdings kamen auch viele andere musikalische Einflüsse hinzu, und als Plagiat wollten wir uns ja auch nicht verstanden wissen.

Warum enthält die jetzige Version zwei neue Titel?

Ein Titel ("Anguishes of a scoundrel") war damals ohnehin zur Veröffentlichung vorgesehen und ist übrigens der älteste Violet District-Song überhaupt. Lediglich unsere sehr verschiedenen Meinungen zur Umsetzung des Songs haben seinen Platz auf dem ursprünglichen Album verhindert. "Ego" war übrigens früher Bestandteil von "Anguishes of a scoundrel". "Together we fall" ist zwar ein etwas neuerer Titel, jedoch paßt er wie angegossen in das bestehende Konzept und bereichert das Album um eine weitere stilistische Variation.

Damit sind ja Besitzer des "Originals" gezwungen, auch diese Veröffentlichung zu kaufen....

Für mich klingt "Terminal Breath" erst jetzt so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Damals hatten wir einfach nicht genug Zeit und Geld, um alle Ideen zu realisieren. Schließlich war "Terminal Breath" ursprünglich ja auch nur als Demo-CD gedacht. Jetzt mit den zusätzlichen Songs und dem neu aufgemachten Cover mit allen Texten habe ich erst das Gefühl, daß das Album vollständig ist. Zusätzlich ist die Live-CD mit zwei unveröffentlichten Tracks auf jeden Fall ein Reinhören wert.

Ihr wart ja damals kurz vor einem (Major?)Deal - warum hat es eigentlich dann doch nicht geklappt? Trotzdem hättet ihr doch weitermachen können - die meisten Bands aus der Szene agieren doch ohne Deal bzw. mit einem typischen kleinen Szene-Label....

Progressive Rock war und ist immer eine Stilistik, in der man es naturgemäß schwer hat, größere Labels von ihrer Kommerzialität zu überzeugen. Aber geklappt hat es vor allem deswegen nicht, weil Mischa Schleypen und ich als die kreativen Köpfe von Violet District irgendwann getrennte Wege gingen. Wir hatten einfach zu viele unterschiedliche Auffassungen und deshalb mußte sich Violet District irgendwann zwangsweise auflösen, obwohl genügend Songs für ein zweites Album fertig komponiert waren.

Wie fühlt man sich, quasi mit dem ersten Wurf einen Genre-Klassiker gelandet zu haben, und dann geht es plötzlich nicht mehr weiter?

Ich bin sehr enttäuscht, daß wir es nicht geschafft haben, unsere persönlichen Differenzen beiseite zu legen, um uns ganz auf die Musik zu konzentrieren und aus dem kleinen Erfolg von "Terminal Breath" aufzubauen. Es schwingt schon viel Wehmut mit, zumal ich jetzt sehe, wie viele Leute uns nicht vergessen haben.

Was waren deine schönsten Momente mit Violet District?

Zum einen der unverhoffte Erfolg im allgemeinen. Damit konnten wir nicht rechnen, da wir ja - wie bereits erwähnt - eigentlich eine Demo-CD aufgenommen hatten. Zum anderen die Live-Konzerte, die zwar nicht zahlreich aber immer sehr bewegend waren. Dabei fällt mir z.B. das Konzert in Bordeaux bei George Pinilla vom Shop 33 ein. Das war für die Band ein sehr gute Zeit.

Was war das exotischste Feedback - z.B. Fanpost aus Südafrika .....

Ein Review aus Japan und ein sehr bewegender Brief von einem Mädchen aus Bulgarien. Aber es gab viele eindrucksvolle Resonanzen. Unser Dank gilt all den vielen Fans und Leuten, die uns unterstützt haben und die wichtigsten haben wir ím neuen Booklet abgedruckt. Die Begeisterung und Passion der Porg-Rock-Liebhaber spricht einfach für sich und ist wohl in keiner anderen Musikart so ausgeprägt.

Kannst du etwas zu den beiden "neuen" Trax auf dem Live-Album sagen.....

"Capillary action" und "Principles of alternation" wären zwei wichtige Songs für des damals geplante zweite Album gewesen. Die meisten Songs hatten wir ohnehin bereits live gespielt. Es geht bei beiden um die Interaktion zwischen Mensch und seinen Gefühlen auf der einen und dem abstrakten Begriff Maschine auf der anderen Seite. Alle neuen Songs hatten damals den Bezug zu diesem Thema. Es sollte auch wieder ein Konzeptalbum werden.

Was hast du in der Zeit zwischen Violet District - Auflösung und RPWL gemacht?

Ich habe mich auf meinen Job als Gitarrist und Musiker konzentriert. Ich habe zahllose Bands und Projekte gespielt, auch fernab von typischem Progressive Rock, und viele Jobs als Studio- und Livemusiker gemacht. Und nebenbei habe ich mir zusammen mit Yogi Lang, dem Sänger und Keyboarder von RPWL, mit einem eigenen Studio ein zusätzliches Standbein geschaffen.

Warum heisst das neue Projekt RPWL und nicht Violet District?

Weil die Entstehungsgeschichte der Band trotz einer teilweise gemeinsamen Vergangenheit eine andere ist und sich Violet District einfach durch Mischa Schleypen und mich definiert hat. Ohne Mischa kann es kein Violet District geben. Außerdem klingt die Musik anders, weil eben auch andere Leute zusammen komponiert haben.

Wir werden uns sicher zu RPWL wieder unterhalten, aber vielleicht jetzt schon eine kleine Vorschau, was uns erwartet......

RPWL entstand aus der Idee einer Pink Floyd-Cover-Band, eigentlich nur aus Spaß. Mit von der Partie die alten Violet District-Mitstreiter Chris Postl (Bass) und Yogi Lang (Gesang/Keyboards, Produzent von "Terminal Breath") und zusätzlich Phil Rissettio (Drums). Wir coverten anfangs sehr alte Pink Floyd-Songs und haben danach erst begonnen, eigene Songs zu schreiben. Die Live-Konzerte sind immer ein besonderes Erlebnis, auch wenn oft die Möglichkeiten fehlen, noch mehr auf der Bühne zu stehen. Wo auch immer es möglich ist, versuchen wir "quadro" zu spielen, d.h. mit einer Soundanlage, die Dolby-Surround sehr ähnlich ist. Dadurch findet sich der Zuhörer noch tiefer und direkter in der Musik wieder. Durch die überaus positive Live-Resonanz angestachelt, haben wir uns dann entschlossen, eine eigene CD zu produzieren. Die Musik würde ich als sehr gefühlsbetont beschreiben. Sehr getragene Songs, zum Teil auch rockigere Elemente. Und es wird ein Konzeptalbum werden. Man darf sehr gespannt sein...!


© 08/2000 Renald Mienert
DURP - eZine from the progressive ocean
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