Voodoo Hill: Kein fauler Zauber

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Der italienische Gitarrist Dario Mollo hat ein feines Händchen, wenn es um CD - Projekte geht. War bereits "The Cage" durchaus erfolgreich, schickt er nun "Voodoo Hill" hinterher, und konnte dieses Mal für die Vocals keinen geringeren als Glenn Hughes gewinnen. Renald Mienert wollte von Dario genaueres wissen.

Nach "The Cage" präsentierst du uns nun ein weiteres Projekt. Oder gibt es vielleicht Anzeichen dafür, eine richtige Band entstehen zu lassen?

Es ist wohl mehr ein Projekt. Aber ich glaube, da ist oft nur ein sehr schmaler Grat zwischen einem Projekt und einer richtigen Band. Aus einem Projekt kann schnell eine Band werden. Es hängt auch alles stark vom Erfolg ab. Bei Voodoo Hill möchte ich sagen, auf den ersten Blick, mag es wie ein Projekt aussehen, aber was das Gefühl angeht, so ist es viel mehr eine Band. In den Songs steckt viel Gefühl und das hört man auch, es klingt nie wie ein Album, bei dem die Leute nur ihren Job machen.

Zur Person Glenn Hughes brauchen wir sicher nicht mehr allzuviele Worte zu verlieren, aber wer sind die übrigen Musiker von Voodoo Hill?

Der Drummer Roberto Gualdi ist in Italien sehr bekannt. Er kommt aus der Progressive - Richtung, hat aber auch in vielen anderen Pop- und Rockbands gespielt. Er versteht, den Drums wirklich dieses Rockfeeling zu geben. Der Bassist Max Matis lebt ganz in meiner Nähe. Er hat viel Erfahrung im Jazz-Rock gesammelt. Es war dann ziemlich schwer, einen Keyboarder zu finden. Aber Dario Patti bringt die perfekte Mischung aus Klassik und Rock, die man braucht, um orchestrale Arrangements in die Musik zu integrieren. Eigentlich bin ich der einzige richtige Rocker in der Band. Die Leute kommen aus allen möglichen Musikrichtungen, aber das Ergebnis ist ziemlich straighter Heavy Rock.

Wie hast du es eigentlich geschafft, eine Legende wie Glenn zur Mitarbeit zu bewegen?

Nachdem ich die Songs für das Album geschrieben hatte, sagte ich meinem Manager, dass ich Glenn gerne als Sänger hätte. Ich hatte die Stücke zuvor einem Freund vorgespielt und der meinte, die Musik sei perfekt für Glenn. Mein Manager stellte den Kontakt zu Glenns Management her, Glenn wollte die Musik natürlich zunächst hören. Er tat es, und sagte, OK, ich mach's- Die ganze Geschichte war also absolut simpel. Nur die Musik brachte Glenn dazu, bei diesem Projekt mitzuwirken. Glenn hat dann alle Lyrics und alle Vocal Lines geschrieben. Ich schreibe eigentlich immer die Musik im Alleingang, aber Lyrics und Vocal-Lines überlasse ich den Leuten, die das besser können als ich. Einige Leute haben gesagt, Dario, da sind viel zu viel Vocals auf dem Album. Aber es ist mir egal, denn ich liebe jede einzige Note, die er geschrieben hat. Glenn hat mir zwar gesagt, hier sind meine Parts, wenn dir was nicht gefällt, dann streich es einfach. Aber ich habe nichts gestrichen. Manche mögen meinen, dadurch wird mein Anteil an Voodoo Hill geschmälert, aber so etwas interessiert mich nicht. Und wenn die Leute glauben, es sei ein Glenn Hughes - Soloalbum, warum nicht - es wäre auf jeden Fall ein absolut gutes Solo-Album.

Was hättest du gemacht, wenn Glenn abgesagt hätte?

Ich hätte einfach Robert Plant angeheuert! Aber im Ernst, ich hätte natürlich einen anderen Sänger gesucht, auch wenn ich zunächst ziemlich enttäuscht gewesen wäre. Vielleicht hätte ich ja wieder mit Tony Martin gearbeitet. Es gibt ja doch eine ganze Menge talentierter Sänger, doch meine erste Wahl war schon Glenn. Und zum Glück hat Glenn ja nicht abgesagt.

Ihr covert einen Song von Deep Purple. "The Gypsy" ist auf dem legendären "Stormbringer"-Album zu finden, allerdings ist es nun nicht unbedingt der Klassiker von Deep Purple.

Ich wollte eigentlich "Dazed and Confused" von Led Zeppelin covern, aber das war nicht möglich. Es gibt nämlich eine Abmachung zwischen Glenn und Robert Plant, dass Glenn niemals einen Zeppelin - Track covern wird und Robert im Gegenzug nie einen von Deep Purple. Ich habe dann fünf Titel vorgegeben und Glenn hat sich für "The Gypsy" entschieden. Ich weiss gar nicht mehr, welches die anderen Songs waren, ein Freund von mir hat jedenfalls auch mitgeholfen. Auf jeden Fall war noch "I'm in love with my car" von Queen dabei. Es ging ziemlich schnell, in drei Tagen war der Song im Kasten. Und ich bin mit dem Resultat ganz zufrieden. Ich wollte nicht wieder einen der ganz großen Hits von Deep Purple wählen wie zum Beispiel "Smoke On A Water" oder "Highway Star", das haben schon genügend andere gemacht. Live spiele ich solche Sachen auch schon mal, aber auf einem Album versuche ich einfach origineller zu sein.

Gibt es etwas wie ein Geheimnis für deinen Erfolg?

Ich lebe in Norditalien, aber die Leute sagen mir, ich hätte die Mentalität eines Deutschen. Ich versuche sehr gründlich und professionell zu arbeiten. Was die Musik angeht, steckt in mir das typische italienische Temperament, aber was die Arbeit angeht, gehe ich sehr ernsthaft vor. Ich glaube auch, dass dieser Ruf es mir erst ermöglicht, mit wirklich großen Künstlern zusammen zu arbeiten.

Neben deinem Job als Musiker betreibst du ja auch ein eigenes Studio...

Mein Studio ist sehr modern eingerichtet und ich bin ein ziemlicher Technik-Freak, ich bin zum Beispiel auch Beta-Tester für eine bestimmte Software. Aber das gehört natürlich auch zu dem Job eines Produzenten dazu. Wobei ich das Glück habe, aus meinem Hobby meinen Beruf machen zu können. Der einzige Nachteil ist, dass ich zu pingelig mit mir selbst bin. Ich bin nie richtig zufrieden mit dem Erreichten. Ich bin mein schärfster Kritiker. Wenn ich andere Künstler produziere ist es einfacher, aber bei meiner eigenen Musik mache ich es mir ziemlich schwer.

Hattest du Probleme für Voodoo Hill ein Label zu finden?

Was "The Cage" anging, so war es sehr schwer, ein Label zu finden. Aber dieses Mal kam die Plattenfirma auf mich zu und bot mir Geld für "Voodoo Hill" an, und sie wollen vielleicht auch ein neues "The Cage" - Album. Es war schon ziemlich verrückt. Ich hasse nämlcih die rein geschäftlichen Aspekte. Mein Manager bekommt zwanzig Prozent meiner Einnahmen dafür, dass er mir all diese Sachen vom Leibe hält. Ich versuche so, die Musik frei von finanziellen Überlegungen zu halten. Ich kenne viele Fälle, wo das nicht funktioniert hat, was wiederum dazu führte, dass die musikalische Qualität schlechter wurde. Wenn der Spass an der Musik verloren geht, dann höre ich auf. Auf Geld freilich stehe ich schon - schliesslich muss ich ständig neue Mixer für mein Studio kaufen!

Wenn ein Album erfolgreich ist, wollen die Fans die Künstler natürlich auch Live sehen....

Ich bin wirklich ziemlich mit meinen Studioarbeiten beschäftigt. Falls das Album sich tatsächlich überragend verkaufen sollte und die Fans uns live sehen wollen, dann werde ich auf die Bühne gehen. Ich träume davon, mit Tony Martin und Glenn Hughes gemeinsam auf Tour zu gehen, und sowohl The Cage als auch Voodoo Hill - Songs zu spielen. Zwei Sänger auf der Bühne, das wäre wieder so eine originelle Geschichte, die mir gefallen würde. Und wer weiss. Bisher habe ich es immer irgendwie geschafft, dass aus meinen Träumen irgendwie doch Realität wurde. Im Augenblick aber will die Plattenfirma ein neues Voodoo Hill - Album. Wie gesagt, es scheint wirklich gut anzulaufen, und man verspricht sich natürlich auch vom Nachfolger ein gutes Geschäft. Aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Ich sage, ich kann euch nichts versprechen. Wenn ich der Meinung bin, die neuen Songideen sind gut genug, dann wird es ein neues Album geben, wenn nicht, dann eben erst irgendwann später. Es kann ein Jahr dauern, zwei, fünf und wenn es dumm läuft, dann klappt es überhaupt nicht mehr.

Das wollen wir doch nicht hoffen....


© 12/2000 Renald Mienert
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