Alias Eye: Deutscher Prog-Nachwuchs

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Alias Eye sind so eine Art "Neue Deutsche Prog-Hoffnung" und erhielten in den einschlägigen Szene-Magazinen recht euphorische Kritiken. Was die Band, deren Name für Probleme bei der Identitäsfindung in der heutigen Zeit steht, um Sänger Phil Griffith (übrigens der Sohn von Martin Griffith, vielleicht bekannt aus der Siebziger Jahre Prog-Band "Beggar’s Opera", der auf dem Album auch guest vocals beisteuert) so abliefert, klingt verglichen mit der Masse der Prog-Bands nämlich erfrischend anders, und passt irgendwie aber doch in die Kategorie "Prog" – oder vielleicht gerade deshalb?

Renald Mienert fragte beim Mann hinterm Mikro nach.

Vor dem Debüt "Fields Of Name" gab es wie üblich ein Demo. Es hieß "Beyond The Mirror", erhielt gute Kritiken und öffnete der Band den Weg für einen Deal beim holländischen Indie DVS. Danach machte man sich an die Arbeit zum ersten offiziellen Album.

Normalerweise arbeiten wir gemeinsam an unseren Songs, wie es zum Beispiel bei "Field of Names", "Driven" oder "River Running" war. Es kommt aber auch vor, dass ein Bandmitglied einen kompletten Song abliefert, wie zum Beispiel bei "Premortal Dance" von Keyboarder Vytas Lemke oder "Just Another Tragic Song" von mir. Es geht bei uns also ziemlich demokratisch zu, mit gelegentlichen autoritären Tendenzen. Wir haben fünf Monate gebraucht, um das Album aufzunehmen. Wir haben viel Zeit verbracht, um an den Arrangements zu arbeiten, es wurden solange Dinge geändert, Einzelheiten geändert oder ergänzt, bis wir alle mit dem Ergebnis zufrieden waren. Zum Glück hatten wir Christian Schimanski einen guten Produzenten, der ein gutes Gespür für unsere musikalischen Ziele hatte.

Wobei hinter den "autoritären Tendenzen" ein dickes Augenzwinkern steht. Gleich beim Opener und Titelsong gibt es ein Akkordeon-Solo (das allerdings ein wenig an "Hotel California" erinnert), später kommt auch mal ein Saxophon zum Einsatz. Die Songs bleiben immer melodisch, groß gefickelt wird nicht und von irgendwelchen Retroeinflüssen ist man meilenweit entfernt. Phil Griffith entpuppt sich schnell als herausragender Frontmann, aber auch seine Kollegen lassen keine Schwächen erkennen.

Das Akkordeonsolo? Ich glaube, ich weiss, was Du meinst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Vytas an die Eagles dachte, als er das Solo schrieb. Außerdem klingt doch unser heavy-funk Rhythmus nicht wirklich nach den Eagles! Und wenn doch: Hotel California ist ein exzellenter Song, und wenn unser Song einem solchen Klassiker teilweise ähnelt, dann können wir darüber doch nur froh sein! Timo Wagner, der das Saxophon bei "The Readiness Is All" spielt, ist ein Freund von mir, der in diversen lokalen Latinobands spielt. Der Bass-Groove bei dem Song hat dieses Latino-Feeling, so entschieden wir uns für das Saxophon.

Die Konstellation, dass der Vater auf der CD der Band des Sohnes guest vocals beisteuert ("The Readiness Is All") , ist ja auch eher ungewöhnlich. Bei dem Ergebnis kann man dann auch auf sich gegenseitig stolz sein.

Sind wir auch! Wir wollten schon lange ein Duett singen, und das war die perfekte Gelegenheit. Ich mag den Gesang meines Vaters auf den Beggar’s Opera – Alben!

Momentan freut man sich auf das 2. Eclipsed – Festival in diesem Herbst in Aschaffenburg, wo man gemeinsam mit den Flower Kings und Mostly Autumn auftreten wird. Und dann? Plant man gar drastische Änderungen?

Das ist schwer zu sagen. Wenn man den Stil komplett ändert, verärgert man wahrscheinlich die Leute, denen die CD davor gefiel. Verändert man sich überhaupt nicht, ist es noch schlimmer. Wir schreiben einfach weiter unsere Songs und sehen, was passiert!

Neben Alias Eye ist Phil auch in einem weiteren Projekt involviert – Poor Genetic Material.

Dieses Projekt beschreibt man wohl am besten mit Ambient Pop. Stefan Glomb und Philip Jaehne sind ein perfektes Team und können sehr interessante und relaxte Klangwelten erschaffen. Es ist eine echte Herausforderung, einmal etwas wirklich völlig anderes zu singen.

Zum Abschluss noch Kontaktinfos: info@aliaseye.com , http://www.aliaseye.com


© 11/2001 Renald Mienert
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