Andy Jackson: Pink Floyd Connected

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Interview

Andy Jackson war zweimal in seiner Funktion als Pink Floyd Recording Engineer für einen Grammy nominiert. Mit Tuberecords startet er jetzt ein eigenes Label, das vor allem durch seine Verbindungen zu Pink Floyd charakterisiert werden will. "Obvious" ist eine der ersten Veröffentlichungen von Tuberecords, wobei diese CD durchaus als Andy Jackson - Soloalbum angesehen werden kann.

Renald Mienert erfragte mehr.

Wie kam es zur Entstehung von "Obvious" und warum hast du dafür ein eigenes Label gegründet?

Ich wollte schon immer mein eigene Musik machen. Mit dem Wachsen des Internets wurde es möglich, mit verhältnismäßig wenig Aufwand Musik zu produzieren und sie dennoch einer breiten Masse zugänglich zu machen, was früher sehr schwierig war, da Plattendeals sehr schwer zu kriegen sind. Ich begann mit der Musik, und das Label ist eigentlich nur die logische Konsequenz.

Du verwendest den Begriff "Pink Floyd connected" für dein Label. Warum?

Nun, natürlich stehe ich in einer besonders engen Verknüpfung zu Pink Floyd. Diese Formulierung dient natürlich auch dazu, die Leute dazu zu bringen, meine Musik zu hören. Aber wenn ich der Meinung wäre, die Bezeichnung träfe nicht zu, dann würde ich sie auch nicht verwenden. Ich möchte mich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken.

Wer hat neben dir noch an "Obvious" mitgewirkt?

Die meisten Dinge habe ich selbst gemacht und mir nur Hilfe von Freunden geholt, wenn es um die Dinge ging, die ich alleine nicht bewerkstelligen konnte. Gary Wallis ist der Drummer, der auch bei den beiden letzten Floyd-Tourneen dabei war und der für die Percussion – Programmierung auf "The Division Bell" verantwortlich war. Er hat auch für Mike & the Mechanics gespielt und ist ein angesagter Sessionmusiker in London. Dann gibt es auf dem Album noch drei Leute für den Gesang. Mark O'Gorman ist ein Freund aus meiner Nachbarschaft, den ich mal beim Tennis spielen kennen gelernt habe. Bryony Shearmur ist die Nichte von Floyd Manager Steve O’Rourke, sie singt auch für Nancy Freeze, mit denen ich einmal gearbeitet habe. Carol Gee singt alle Backings, meine Beziehung zu ihr ist schnell erklärt – sie ist meine Frau. Den Fretless Bass für "More Bads" spielt Dave Sturt, ich kenne ihn schon ewig und wir haben vor vielen Jahren mal gemeinsam in einer Band gespielt. Er hat einige Alben mit "Jade Warrior"gemacht. Tom Toms spielt Violine, ein weiterer Freund von mir. Er gehört zu den Streichern der Goodfellas, aber darüber beschäftigt er sich mit Hypnose und arbeitet als Stuntman!

Was genau hast du eigentlich für Pink Floyd gemacht?

I war Sound Engineer für "The Final Cut", "The Pros And Cons Of Hitchhiking", "About Face", "An Momentary Laps Of Reason" und "The Division Bell". Darüber hinaus habe ich die 94‘er Tour gemixt.

Aber er gab doch bestimmt auch Arbeiten für andere Künstler?

Schon, obwohl die Arbeiten für Pink Floyd fast immer ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen, da halten sich die anderen Sachen in Grenzen. Ich habe öfter für Dream Academy gearbeitet, inklusive der Soloaktivitäten von Nick Laird-Clowes als Trash Monk. Darüber hinaus gab es eine Zusammenarbeit mit der Gothic-Band Fields of the Nephilim und den spanischen Heroes del Silencio sowie mit ihrem Ableger Pura Vida. Mit Michael Kamen habe ich für verschiedene Filme und Fernsehprojekte gearbeitet.

Ich hatte ja einige Schwierigkeiten, die richtige Schublade für deine Musik zu finden....

Ich halte prinzipiell nichts davon Musik zu klassifizieren. Ich mache einfach ein Album mit der Musik, die ich mag. Ich könnte nicht einmal sagen, warum ich sie eigentlich mag, genausowenig wie ich überhaupt sagen kann, warum ich dies mag, und jenes nicht. Ich glaube, das sind einfach Dinge, die sich einer logischen Erklärung entziehen.

Um ehrlich zu sein, dein Album klingt eher nach einem reinem Studioprojekt, ich kann mir nicht vorstellen, dass du Livepläne hast.

Na ja, in meinen Träumen bin ich Jimi Hendrix, aber ich habe tatsächlich diesbezüglich noch keine Pläne. Wenn alles funktioniert, wenn ich weitere Alben machen kann, dann wird sich vielleicht einmal etwas daraus entwickeln, das man auch live sehen kann. Ich mag es schon, mit Leuten auf der Bühne zu stehen, aber ich schlafe eben auch gerne in meinem eigenen Bett.

Kommen wir zu den Songs deines Albums – Laika zum Beispiel war doch der erste Hund im Weltraum....

Das stimmt. Ich glaube, wenn man ernsthafte Musik machen will, dann reicht es nicht, über Mädchen und Autos zu singen. Es gibt ein zentrales Thema auf dem Album – Trennungen. Allerdings wurden die Songs nicht von vornherein unter diesem Aspekt geschrieben, es hat sich einfach so ergeben. "Angel" steht für eine Statue, nicht für eine bestimmte, aber wenn man will, kann man zum Beispiel die Freiheitsstatue nehmen. Wir bauen diese Dinge um große Ideen und Ideale auszudrücken, nur um sie dann weitestgehend zu ignorieren. In "More Bads" geht es um Wahnsinn, ein Song über Notizen eines Verrückten, die in der Londoner U-Bahn gefunden wurden. Ein Teil des Songs beruht auf Gesprächen mit einem Freund nach seinem Zusammenbruch. "ME=MC2" - Albert Einstein hat angeblich einmal gesagt – allerdings stimmt es wohl nicht – "Wann hält Oxford an diesem Zug?" Nur so eine Idee, wie relativ unsere Realität ist. Ich fühle mich, wie das Zentrum meines Universums – ist es nicht so? "FlimFlam Man": ein Freund, der sich sehr zum Negativen entwickelt hat, wir mussten einsehen, dass er nicht mehr als eine Maske war. "Motherless Child" scheint auf den ersten Blick ein "einsamer Schrei" zu sein, tatsächlich geht es um einen "User". Ich liebe diese überraschende Wendung. Die erste Hälfte von "Wax Into Water" greift die Geschichte von Ikarus, er starb nicht durch seine Dummheit, in Wahrheit wurde er erleuchtet. In der zweiten Hälfte geht es um den Verlust der Sinne in diesen virtuellen Welten – TV oder Internet. Unter bestimmten Aspekten geht hier jede Identität verloren, ich bin da der gleichen Meinung wie David Bowie. "Laika" war das erste Lebewesen im Weltraum, wenigsten was unseren Planeten angeht. Was sie wohl gedacht haben mag?

Es gibt noch ein weiteres Projekt von dir, "Mythical Burrowing Animals". Warum verzichtest du dabei darauf, die beteiligten Musiker anzugeben? Ich hoffe doch, es ist nicht der gleiche Grund, nach dem sich Regisseure oft "Allan Smithee" nennen...

"Mythical Burrowing Animals" ist nicht so ganz ernst gemeint. Es handelt sich dabei lediglich um mich und meinen alten Freund Bert Contini, die ein wenig herumspielen.

Über deine Webseite vertreibst du auch noch einige Alben anderer Künstler...

Was das eigentliche Label betrifft, so betrifft das nur meine eigenen Aktivitäten, also "Obvious" und "Mythical Burrowing Animals". Die anderen drei Veröffentlichungen - Unicorn, Matt Deighton und Poor Rich Ones – stammen von Leuten, die auf die eine oder andere Weise mit mir in Verbindung stehen. Ich habe sie ausgewählt, weil ich glaube, sie könnten auch für die Leute interessant sein, die meine Sachen mögen.

Interessierst du dich eigentlich für die Progszene?

Meine Teenagerzeit waren die Siebziger, ich bin also mit Zappa, Soft Machine, King Crimson usw. groß geworden. Erst durch das Internet ist mir wieder bewusst geworden, dass es Prog immer noch gibt. Für mich sieht es so aus, als ob der Begriff "Prog" mittlerweile aber für viele verschiedene Stile verwendet wird, das reicht von "Spock's Beard" bis zu "The Residents", was nun wirklich nicht miteinander zu vergleichen ist. Was soll ich sagen? Mir gefällt was mir gefällt, egal welche Schublade. Boy Groups sind allerdings nicht dabei.


© 06/2001 Renald Mienert
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