Billy Greer: Ins Rampenlicht

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Interview

Billy Greer begann seine Karriere bereits 1977 bei einer Band namens QB1. Später traf er Steve Walsh, der zwischenzeitlich bei Kansas ausgestiegen war und man gründete 1983 Streets, eine Band, in der auch Mike Slamer spielte, und die zwei Alben für Atlantic produzierte. Danach kehrte Steve zu Kansas zurück und nahm Billy gleich mit seit dem ist Kansas die musikalische Heimat des Bassisten. Billy Greer stand bei Kansas lange Jahre im Schatten seiner populäreren Band-Kollegen ein sicher nicht untypisches Schicksal für einen Bassisten und Backgroundsänger, doch damit ist jetzt Schluß: Mit "Seventh Key" liegt sein erstes Soloprojekt vor.

Renald Mienert erfragte mehr.

Auf "Seventh Key" wirken neben Dir viele (zum Teil Ex-)Mitglieder von Kansas mit: Steve Morse, Richard Williams, Phil Ehart und Steve Walsh. Was wohl vor allem auch daran liegt, dass nicht alle Songs von Deinem Album speziell für dieses geschrieben wurden....

Einige der Songs entstanden als Demos im Jahre 1985 als Demo für ein Kansas-Album. Es existiert eine CD mit den Bootlegs aller Kansas-Demos. Als ich meinen Deal mit Frontiers abschloss, hörten die Leute vom Label diese Bootlegs und kamen auf die Idee, einige der Songs für Seventh Key zu verwenden. Ich sprach mit den Kansas-Mitgliedern, die die Songs damals geschrieben oder mitgeschrieben hatten, und sie waren einverstanden. Wir griffen soweit möglich auf die original Mastertapes zurück und wo nötig zum Beispiel bei einigen Drumsounds sorgte dann die Technik dafür, dass der Gesamtsound auf der CD einheitlich bleibt. Diese vier alten Songs gefallen mir alle ausgesprochen gut, und ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, warum sie damals nicht verwendet wurden.

"Seventh Key" gilt schon jetzt in Melodic Rock Kreisen als einer der Höhepunkte des Jahres. Bist Du mit einem bestimmten Plan an das Album gegangen?

Ich hatte kein eigentliches Konzept für dieses Album, und wenn es so ein Konzept gab, dann hat es sich laufend geändert. Ich wollte einfach nur Songs schreiben, und diese dann mit möglichst all den verschiedenen Gitarristen, mit denen ich über die Jahre gespielt habe, aufnehmen. Der Grund für dieses Album war vielleicht auch ein klein wenig der Ärger darüber, dass ich über all die Jahre hinweg nur als Backgroundsänger agieren durfte. Bevor ich in den Achtzigern bei Streets spielte, war ich immer der Frontmann. Ich bin sehr froh, Mitglied einer Band wie Kansas zu sein, schließlich bin ich so in der Lage, von der Musik zu leben. Aber ich wurde über die letzten Jahre hinweg ein wenig zu bequem, ich war ja schließlich nur Bassist und Backgroundsänger. Witzigerweise fragten mich Kansas ausgerechnet, nachdem ich mich für mein Soloalbum entschieden hatte, auch auf dem aktuellen Kansas-Album bei einem Song die Leadvocals zu übernehmen.

Was dann so auch geschah, siehe (oder besser höre) "Look At The Time" von der CD "Somewhere To Elsewhere". Aber von der Idee des Soloalbums bis zur Realisierung war es ja auch ein weiter Weg....

Dass es dann trotzdem ein Weile gedauert hat, bis das Album schließlich auf den Markt kam, liegt vor allem daran, dass ich in jüngster Zeit in eine Menge Projekte involviert war. Steve Walsh bat mich, an seinem Soloalbum "Glossolalia" mitzuwirken, dann gibt es das Album von "The Sign", das ja auch bei Frontiers erschienen ist und schließlich gab es das neue Kansasalbum inklusive der Tour hier durch die Staaten.

Und auch in Deutschland gab die Band ja einige Konzerte, auf denen sich die Fans davon überzeugen konnten, dass die Leute es noch immer drauf haben. Besonders in der Progressive Rock Szene ist Kansas nach wie vor sehr geschätzt. Deine Soloscheibe setzt aber mehr auf Melodic Rock.

Die Musik auf "Seventh Key" ist genau die Art von Musik, die dabei herauskommt, wenn ich versuche Songs zu schreiben. Ich bin nicht der Progressive-Rock-Songwriter wie zum Beispiel Steve Walsh. Für diese Art Songs müsste ich mich zu etwas zwingen, was mir eigentlich nicht liegt. Ich denke, ich bin eher der Melodic-Rocker. Allerdings liebe ich die Herausforderung, Progressive Rock zu spielen. Bassist im Melodic Rock kann schon bedeuten, ständig das gleiche zu spielen.

Aber auch das will ja schließlich gekonnt sein. Wie siehst Du das Verhältnis zwischen Deiner Arbeit mit Kansas und Deinem Soloprojekt?

Kansas steht für mich eindeutig im Vordergrund. Es ist ja auch im wesentlichen das, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Seventh Key ist mehr so eine Art Vermächtnis für meine Familie - meine Enkel können dann mal sagen: He, das ist mein Opa! Ich will aber für Seventh Key auch überhaupt nichts ausschließen, zum Beispiel die Möglichkeit einer Tour. Es hängt alles davon ab, ob Interesse daran besteht, und ob man dann die entsprechenden Voraussetzungen schaffen kann.

Du arbeitest seit längerem wieder mit Mike Slamer zusammen. Mike ist ja momentan mit seiner Band Steelhhouse Lane auch sehr erfolgreich. Was passierte zwischen euch nach Streets?

In den ersten Jahren nach meinem Einstieg bei Kansas verloren wir uns etwas aus den Augen. Mike zog dann nach Los Angeles, und immer, wenn Kansas dort in der Gegend spielte, kam er mit seiner Frau dann zu unseren Konzerten und wir trafen uns und quatschten ein wenig. Wir sind aber gute Freunde geblieben, auch wenn wir uns nicht mehr so oft sahen. "Seventh Key" wurde in Mikes Homestudio aufgenommen, ich bin dafür so um die acht Mal für einige Tage bei ihm zu Hause gewesen und es war eine wirklich gute Zeit. Und er ist ein ausgezeichneter Produzent, der mich immer wieder anspornt. Wenn ich sagte, OK, das ist jetzt aber wirklich gut genug, antwortete er, ich glaube, das kriegen wir noch besser hin.

Es muss doch ziemlich frustrierend sein, wenn man mit Kansas fast alles erreicht hat, was man erreichen kann, jetzt mit seinem Soloalbum eine so tolle Scheibe abliefert, und trotzdem weiss, dass diese in der heutigen Zeit nur noch in einer kleinen Szene Beachtung findet!

Natürlich wäre die Unterstützung durch einen Major gut, aber ich muss gestehen, bevor ich das "The Sign"-Album aufgenommen hatte, habe ich überhaupt nicht gewusst, dass es immer noch einen Markt für diese Art Musik ist. In Europa ist es wohl noch besser als bei uns, was nicht heissen soll, dass es in den Staaten überhaupt keine Melodic Rock Fans gibt. Aber gerade neue Projekte haben hier auch keine Chance auf Airplay, Kansas würden Airplay bekommen, es liegt vielleicht noch an bestehenden alten Verbindungen.

Hast Du auf einem Soloalbum mehr Gelegenheit, die Songs sehr persönlich zu gestalten?

Das ist schon so, einige der Songs auf dem Album sind wirklich sehr persönlich geworden. "The Kid Could Play" zum Beispiel ist ein solcher Song. Es ist eine Art Tribut Song für einen meiner Freunde Marty Conn -, mit dem ich in der Vergangenheit oft zusammengearbeitet habe schon vor Streets - und der sich vor einigen Jahren das Leben nahm.

Du arbeitest auf "Seventh Key" mit Mike Slamer und Steve Walsh zusammen da drängt sich natürlich die Frage einer Reunion auf. Ihr sollt ja vor einiger Zeit sogar schon mal wieder einen Gig als Streets gespielt haben...

Das ist wirklich schon einige Jahre her. Mike hatte Idee, Steve konnte nicht mitmachen, so holten wir uns einen anderen Sänger und einige der Songs habe ich gesungen es war einfach nur so aus Spaß, aber noch keine richtige Reunion. Jetzt sieht die Sache natürlich schon wieder anders aus. Auf "Seventh Key" ist ja fast das komplette Streets Line Up vertreten, so dass es eigentlich logisch erscheint, die Band wieder ins Leben zu rufen. Wir haben auch tatsächlich einige Male darüber gesprochen, aber es ist ein Unterschied, über etwas zu reden und etwas auch tatsächlich durchzuziehen. Wir sind ja auch wirklich alle jetzt schon sehr beschäftigt, so dass es sehr schwer wird, auch noch Zeit für ein Comeback von Streets zu denken. Es wäre schön, die Mastertapes der Street-Alben von Atlantic zu bekommen, um sie endlich als CD zu veröffentlichen.

Kollege Göller bitte ein Exemplar dieses Heftes an die Herren bei Atlantic schicken!


© 08/2001 Renald Mienert
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