Cairo: Zu dritt zum dritten Album

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Die amerikanische Prog-Band CAIRO ist in der Szene seit 1994 ein Begriff. In diesem Jahr erschien das Debüt, schlicht nach dem Bandnamen genannt, und wurde seinerzeit doch gehörig abgefeiert. Und das gar nicht mal unberechtigt, verarbeitete die Band doch recht geschickt die Einflüsse von Bands wie ELP, Yes und Genesis in ihrem Sound, ohne jedoch zu stark nach einer bloßen Kopie der Vorbilder zu klingen, was wohl vor allem auch daran liegt, dass Leadsänger Bret Douglas es versteht, CAIRO eine sehr spezielle Note zu geben. Darüber hinaus zeigte schon das Debüt die Vorliebe der Band für ausgedehnte und komplexe Instrumentalpassagen – sowohl von den Keyboards als auch von der Gitarre – was dazu führte, dass man fast nur Longtrax auf die CD lötete – worüber in der Prog-Szene natürlich niemand böse ist. Es dauerte dann immerhin vier Jahre, bis der Nachfolger "Conflict And Dreams" im Kasten war, der Bassist Rob Fordyce hatte die Band mittlerweile verlassen, sein Part wurde von Jamie Brown übernommen, der jedoch nicht wirklich CAIRO integriert wurde und eher als Gastmusiker anzusehen war. Stilistisch hatte sich nichts geändert, die Reaktionen auf das Album waren zwar immer noch größtenteils positiv, aber nicht mehr so euphorisch. Nun liegt also mit "Time Of Legends" das dritte Album der Amerikaner vor und wieder gibt es einen Abgang zu verzeichnen, der Gitarrist Alec Fuhrmann ist ausgestiegen. Auch sonst hat sich einiges verändert, was, das erfuhr Melodic Journey vom Keyboarder Mark Robertson, der heute gemeinsam mit Drummer Jeff Brockman und Sänger Bret Douglas für den Namen CAIRO steht.

Ihr werdet von Album zu Album weniger. Wenn das so weitergeht, dann wirst Du wohl bald Soloalben machen. Aber im Ernst, warum hat Alec Fuhrman die Band verlassen und was gibt es zu den Gastmusikern zu sagen?

Unser Gitarrist hat sich entschieden, seinen eigenen Weg zu gehen. Er will sich mehr um Soloprojekte kümmern. Das war nach dem letzten Album. Wir waren also nur noch ein Trio, sozusagen der Kern der Band, und standen vor der Wahl, einen neues Mitglied für zu suchen oder in der Form weiterzumachen und uns durch Gastmusiker zu verstärken. Ein neues Mitglied in eine Band zu bringen, ist eine Sache, die mit viel Aufwand verbunden ist – es muss ja in die ganze Thematik komplett involviert werden. Aber es gibt eine solche Masse an wirklich guten Musikern hier in unserer Gegend, dass es für uns einfacher war, mit Gastmusikern zu arbeiten. John Evans, der auf dem Album Bass spielt, hat zum Beispiel schon für Tori Amos gearbeitet, er spielt in ihrer Live-Band. Brian Hutchison, einer der beiden Gitarristen kommt aus der Blues-Szene, ich kenne ihn schon sehr lange und er ist ebenfalls ein sehr talentierter Musiker. Der andere Gitarrist - Luis Maldonado – spielt auch mit Michael Schenker.

Aber auch was die Songs angeht, so hat sich einiges getan. Die Titel sind etwas leichter zu konsumieren und nicht mehr ganz so lang....

Auf dem neuen Album sollten die Songs mehr im Mittelpunkt stehen und nicht mehr diese überlangen instrumentalen Passagen. Das hat immer etwas von sich selbst auf die Schulter klopfen und anderen zeigen, was man so alles draufhat – auch wenn das natürlich auch bei den beiden ersten Alben nicht wirklich beabsichtigt war. Aber so ist das nun mal gerade bei Prog-Bands. Spieltechnisches Geschick ist natürlich von Nöten um die musikalischen Ideen auch umzusetzen. Jeder unsere Alben hat bestimmte Themen, auch wenn es beim Schreiben eigentlich noch kein eigentliches Konzept gibt – außer, das wir ein gutes und erfolgreiches Album machen wollen. Wir wollten es dieses Mal nicht übertreiben mit den progressiven Elementen, das Album sollte eine härtere Note durch die Gitarren bekommen, einfach ergänzt um gute Vocals. Wenn du jedes Album auf die gleiche Art und Weise machst, dann wird es irgendwann langweilig. Wenn man Dinge ändert, dann sind die Leute gespannt, sie wissen nicht genau, was sie beim nächsten Album erwartet.

Es gibt auf dem Album auch drei Instrumentalstücke, von denen zumindest die beiden ersten recht untypisch für CAIRO sind.....

Ich habe für "Scottish Highland" diesen Pianopart geschrieben, und vom Gefühl her, brachte ich ihn mit Schottland in Verbindung. Dass sich "Cosmic Approach" abhebt, liegt wohl daran, dass diesen Song unserer Drummer Jeff Brockman alleine geschrieben hat. Das abschließende "The Fuse" ist ja auch rein instrumental, hier wollte ich die Verbindung aus Rock und Fusion in den Vordergrund stellen.

Die beiden ersten Alben von euch hatten ja ähnlich gestaltete Cover, die einerseits recht futuristisch wirkten, andererseits durch das Verwenden von Pyramiden auch den Bezug zu Ägypten, sprich Cairo, herstellten. Auch davon habt ihr euch verabschiedet.

Das Artwork für die beiden ersten Alben stammte von unserem Drummer. Mittlerweile wurde aber in den letzten Jahren diese Art der Covergestaltung so häufig praktiziert, dass sie uns einfach nicht mehr originell erschien. Jeder Fotoshop kann dir heute so ein Cover basteln. Wir wollten also etwas anderes machen und haben ein Graphikfirma hinzugezogen.

Warum dauert es eigentlich immer verhältnismäßig lange, bis ein neues Album von euch erscheint?

Wir haben einfach neben Cairo noch andere Sachen zu tun, es ist wirklich nicht so, dass wir nur mit der Band beschäftigt sind. Der Erscheinungstermin eines Albums hängt ja auch nicht nur von der Band ab, sondern zum Beispiel auch von der Plattenfirma. Jeff zum Beispiel hat auch an Trent Gardner’s neuem Projekt "Leonardo" mitgewirkt. Ich habe auch schon mit Trent gespielt, er ist übrigens ein ausgezeichneter Posaunist. Es hatte allerdings weder etwas mit Cairo noch mit Trent’s Band Magellan zu tun. Wir haben sogar schon über ein gemeinsames Projekt gesprochen, mal sehen, was daraus wird.

Was Live-Aktivitäten angeht, so werden wir wohl weiter darauf warten müssen, oder?

Es ist einfach eine Frage des Geldes. Es ist ja bei einer Band wie Cairo auch so, dass für die Live-Umsetzung ein entsprechendes Equipment vorhanden sein muss. Wir können nicht einfach die Gitarren irgendwo einstöpseln und loslegen.

Ihr seid jetzt etwa acht Jahre in der Szene aktiv. Was hat sich da geändert?

Ich glaube, es sind vor allem auch ökonomische Veränderungen, die sich auf eine Veränderung in der Prog-Szene auswirkten. Als wir unser erstes Album 1994 veröffentlichten, war Japan unser größter Markt. Heute verkaufen wir viel mehr Platten hier in Amerika als dort. Die finanzielle Lage der Leute hat sich einfach verschlechtert, sie haben weniger Geld, also kaufen sie auch weniger Alben. Die Musikindustrie in Japan funktioniert auch anders als hier. Wenn du dort den Fuß in der Tür hast, dann geht es sehr schnell, und deine Alben stehen wirklich in jedem einigermaßen vernünftigen Plattenladen. Bei uns dauert dieser Prozess deutlich länger. Was Europa angeht, hat sich die Situation meiner Meinung nach nicht verändert.

Was passiert zukünftig mit Cairo?

Wir werden wohl in dieser Konstellation weiter machen. Wir werden wohl auch in Zukunft niemanden neu in die Band holen. Falls wir live spielen sollten, würden wir wahrscheinlich die gleichen Leute anheuern, die auch auf dem Album gespielt haben.


© 09/2001 Renald Mienert
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