Chris Thompson: Wieder auf Solopfaden

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Chris Thompson dürfte den meisten Fans als Sänger der Manfred Mann’s Earthband bekannt sein. Der Künstler hatte aber bereits in den Achtzigern drei Soloalben veröffentlicht und darüber hinaus die Alben vieler berühmter Kollegen mit seiner Stimme veredelt, wie zum Beispiel Alan Parsons. Jetzt liegt mit "Won’t Lie Down" ein neues Soloalbum vor.

Lass uns zunächst ein paar Fragen zu Deiner musikalischen Vergangenheit stellen. Du wirst natürlich immer mit Manfred Mann in Verbindung gebracht, für den du zunächst von 1974 –1979 aktiv warst, und dem Du mit "Blinden By The Light" 1977 einen Nummer 1 Hit beschertest - aber das ist schließlich nur ein Teil der Geschichte. Ende der Siebziger hast Du zum Beispiel mit "Night" eine eigene Band gehabt.

"Night" hatte immerhin zwei Top 20 Singles in Amerika. Aber es war die Zeit, als Punk aufkam und wir waren eine Band die in London lebte und Musik machte, die eher nach Kalifornien gehörte. Da waren wir nicht mehr gefragt, da die Plattenfirmen nur noch Punkbands suchten.

Danach bist Du zu Manfred Mann zurück und hast für "Somewhere In Africa" und dem folgenden Live-Album erneut hinterm Mikro gestanden. In den Achtzigern hast Du dann auch Deine drei ersten Soloalben veröffentlicht, "Out Of The Night", "Radio Voices" und "The High Cost Of Living".

Ich habe es wirklich lieber, Material zu singen, dass ich auch selbst geschrieben habe. Natürlich ist es auch ganz nett für andere zu singen, aber speziell beim neuen Album war mir sehr wichtig, dass ich an jedem Song mitgeschrieben habe.

1986 hast Du an einem Song mitkomponiert, der für John Farnham weltweit ein riesiger Erfolg wurde – ich meine "You’re The Voice". Warum hast Du den eigentlich nicht selbst gesungen?

Ich habe diesen Song mitgeschrieben, aber meine damalige amerikanische Plattenfirma hielt ihn für nicht gut genug.

Da wird sie sich nachher sicher mächtig geärgert haben?

Es hat sie nicht wirklich interessiert. Jede Plattenfirma ist unterschiedlich. Sie treffen häufig Entscheidungen, die man nicht nachvollziehen kann. Sie geben viel Geld für die Produktion einer Platte aus, die sie dann aber nicht promoten.. Man versteht es einfach nicht, sie haben ihre eigene Politik so wie Regierungen, und die Entscheidungen von Regierungen versteht man ja auch nicht immer. Oft hängt ja auch ein großer bürokratischer Aufwand dahinter. Und sie treffen keine Entscheidungen aus Sicht der Künstler sondern nach rein finanziellen Aspekten. Und das ist heute viel schlimmer als in der Vergangenheit. In den Siebzigern musste man nicht mit dem ersten Album Erfolg haben, man gab den Bands Zeit sich zu entwickeln. Wenn heute deine erste Single ein Flop wird, dann bist du oft schon gefeuert. Aber aus meiner Sicht generieren sich die Plattenfirmen damit selbst ein Problem – die Geschichte hat ja gezeigt, dass viele Bands erst nach einigen Alben wirklich hohe Verkaufszahlen erreichten, was heute in der Form dann nicht mehr passieren kann. Aber es gibt immer noch kleinere Label, die versuchen die künstlerischen und kommerziellen Punkte zu verbinden.

Das Jahr 1989 bescherte Dir dann in Deutschland mit "The Challenge" einen weiteren Nummer 1 Hit, und zwar in hiesigen Landen. Es war eine Auftragsarbeit anlässlich des Tennis-Turniers von Wimbledon und Deutschland befand sich gerade im Tennisboom. Was wäre sonst wohl aus dem Song geworden?

Wahrscheinlich gar nichts. Es ist wirklich ein sehr guter Song, und ich liebe ihn, und in dem Fall war es einfach der richtige Song zum richtigen Zeitpunkt. Mal hat man eben Glück und mal nicht, in diesem Fall habe ich Glück gehabt. Aber wenn es nicht Tennis gewesen wäre, dann vielleicht Olympia – wer weiss.......

In den Neunzigern hast Du Dich dann eher rar gemacht...

Ich habe Songs geschrieben, habe für andere Leute gesungen. In der ersten Hälfte der Neunziger gab es ja noch einmal Aktivitäten mit Manfred Mann, ich habe die unterschiedlichsten Sachen gemacht – ich habe einfach versucht zu überleben!

Kommen wir jetzt zum neuen Album.

Es ist härter als die Vorgänger, es ist mehr so, wie ich wirklich bin. Diese Art von Musik passt meiner Meinung nach am besten zu meiner Stimme.

Maßgeblich mitbeteiligt an dem Album ist vor allem Mike Slamer. Er ist vor allem in der Melodic Rock Szene sehr bekannt und mit seiner eigenen Band Steelhouse Lane sehr erfolgreich.

Ich kenne Mike aus England, noch aus der Zeit als er mit City Boy gearbeitet hat. Ich habe einige Vocals für die Band gesungen und wir freundeten uns an. Er zog dann nach Amerika und wir verloren uns aus den Augen. Als er dann an einem Steelhouse Lane – Album arbeitete, fand seine Frau heraus, dass ich mittlerweile auch in den Staaten lebte und man bat mich, einige Background Vocals auch für Steelhouse Lane zu übernehmen. Seit dieser Zeit begannen wir gemeinsam Songs zu schreiben.

Wir funktioniert das eigentlich, zu zweit an Songs zu schreiben?

Bei diesem Album kam Mike oft mit einer ersten musikalische Idee, nicht mit dem fertigen Song, oft waren es nur ein paar Akkorde, wie eine Art musikalisches Bild. Ich habe dann diese Ideen aufgegriffen, ganze Melodien daraus gemacht, die Texte geschrieben. Anschließend trafen wir uns wieder und haben unsere Ideen ausgetauscht.

Im Booklet findet sich auch das Logo von MTM, erscheinen tut das Album aber jetzt bei Eagle Records.

Mario von MTM kam gemeinsam mit Mike Slamer und mir zu der Entscheidung, dass es besser sei, dass Album auf einem größeren Label als MTM zu veröffentlichen. Es war sehr fair von Mario, MTM ist eben doch sehr stark auf das Melodic Rock Umfeld konzentriert, und eine größere Plattenfirma ist einfach eher in der Lage mein Album in Sachen wie Promotion und Vertrieb besser zu unterstützen.

Manfred Mann spielt auf einem der Songs ein Keyboardsolo, im Booklet steht dazu "yes, he can play that fast".

Manfred hatte einfach nur Angst, jeder würde denken, das Solo ist programmiert. Er wollte deutlich machen, dass er es wirklich gespielt hat!

Das Album enthält 14 Tracks mit einer Spielzeit von knapp einer Stunde. Eine LP war früher so um die 40 Minuten lang. Auf CD kann man 80 Minuten Musik packen, die Leute müssen sich nur die Zeit dafür nehmen. Du liegst so in der Mitte...

Ich habe die Tracks ausgewählt, die meiner Meinung nach Sinn machen. Die Songs wurden alle in der gleichen Zeit geschrieben, da war es für mich schon wichtig, sie auch alle auf einem Album zu haben. Generell vertrete ich schon den Standpunkt, dass die Leute auch das Recht haben, etwas für ihr Geld zu kriegen, also Value For Money.

Neben Mike Slamer gibt es noch weitere Kollegen, die Dich unterstützt haben.

John Van Tongeren ist ein alter Freund von mir, wir haben viele Songs zusammen geschrieben und er ist sehr bekannt wenn es um Soundtracks geht – Armageddon, Poltergeist oder Enemy Of The State. Er hat auf dem Album die Keyboards gespielt und zwei der Songs auch mitkomponiert. Er ist ein völlig anderer Typ Musiker als Mike, besitzt ein großes Studio. Er hat auch das Streicher-Quartett in "You / Me" eingebracht. Einen weiteren Song habe ich mit Keith Reid geschrieben und dann noch einen mit dem Norweger Marius Muller, der leider in der Zwischenzeit an einem Herzinfakt verstorben ist. Ich wollte einfach etwas mehr Abwechslung in das Album bringen.

Wie siehst Du die Chancen für ein solches Album in der heutigen Zeit?

Es wäre natürlich sehr schön, mit neuem Material erneut erfolgreich zu sein. Aber ich wäre ein Narr, wenn ich mit dem Erreichten nicht zufrieden wäre. Natürlich kann es immer noch besser gehen, aber warten wir ab, was dieses Album bringt. Heute ist es schon OK, wenn ein Hardrock-Album sich so gut verkauft, dass man das nächste davon finanzieren kann.

Wird es noch einmal ein Manfred Mann Album mit Dir geben?

Was mich angeht, gibt es keine konkreten Pläne in diese Richtung. Aber Manfred und ich sind Freunde, und wenn Manfred mich fragt und die Songs würden mir gefallen, dann gibt es keinen Grund nein zu sagen.


© 09/2001 Renald Mienert
DURP - eZine from the progressive ocean
http://www.durp.com/