Elegant Simplicity: Elegante Schlichtheit ?

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Interview

Es gibt auch in der Prog-Szene Künstler, die schon einige Jahre unterwegs sind, den ganz großen Durchbruch aber immer noch nicht geschafft haben. Und auch wenn sie diesen vielleicht nie schaffen werden, so veröffentlichen sie doch unermüdlich Album für Album, und kommen ohne Labelunterstützung gut über die Runden . Multiinstrumentalist Steven McCabe, der bis auf die Vocals, das Projekt "Elegant Simplicity" inklusive Produktion, Artwork und Management im Alleingang durchzieht, gehört in diese Kategorie.

Renald Mienert unterhielt sich mit ihm.

Man kommt bei Dir nicht drum herum, mit den typischen Fragen zu beginnen. Also erzähle doch bitte zunächst etwas zur Geschichte von "Elegant Simplicity".

"Elegant Simplicity" habe ich so um 1992 ins Leben gerufen. Es war eine Art Ventil für die Musik, die ich schrieb und die nicht zu den Bands passste, in denen ich seinerzeit spielte, hauptsächlich waren dies Bands im Folk, Blues und Rock-Umfeld. Ich schrieb also Material für mich alleine, und da ich nicht gerade ein begabter Sänger bin, konzentrierte ich mich dabei auf die instrumenatlen Parts. Eins führte zum anderen, und nachdem ich mir ein 4 Track Recording Equipment gekauft hatte, begann ich meine Kompositionen aufzuzeichnen. Auch wenn "Elegant Simplicity" zunächst ein reines Soloprojekt war, so wollte ich dafür allerdings nie nur unter eigenem Namen agieren, also musste ein Name her. Ein Freund machte schließlich den Vorschlag, einfach den Titel eines Songs zu verwenden, der auf einem meiner Demotapes enthalten war- Und in Ermangelung einer besseren Idee blieb es schließlich dabei.

Wie viele Künstler in der Szene hast Du auch den Weg über eine eigene Plattenfirma - Proximity Records - gewählt.

Bevor 1996 meine erste CD erschien ('The Nature Of Change') hatte ich bereits sieben Alben auf Kassette veröffentlicht. Zwischen 1992 und 1995 habe ich immer wieder Angebote von diversen kleinen Plattenfirmen bekommen, die Interesse an meiner Musik zeigten. Auf den ersten Blick waren sie alle recht schmeichelhaft, aber als ich das Kleingedruckte las, sah es immer anders aus. Schließlich sagte ich mir, da ich meine Musik am besten kenne, mache ich so weiter wie bisher nämlich alleine. Zum Glück erwies es sich als richtige Erscheinung, denn immerhin war ich erfolgreich genug, noch einen weiteren Künstler unter Vetrag zu nehmen, nämlich Bjorn Lynne, der zuvor seine Alben bei Cyclops veröffentlichte. Demnächst werde ich auch ein Album von Ken Senior auf den Markt bringen, der ja auf meinen Alben mittlerweile die Vocals beisteuert.

Das Label läuft also gut?

Ich weiss definitiv, dass wir mehr Alben verkaufen, als so manche Band eines "richtigen" Labels, besonders auf dem europäischen Kontinent und in den USA. Es gibt ein paar Gegenden, die kein Interesse zu haben scheinen, Japan oder Südamerika. Das mag daran liegen, dass wir keine reine Progband sind. Unsere Musik ist ja so eine Art zufälliges Zusammentreffen von AOR und Prog, Liebhaber beider Stile sollten in unserer Musik etwas finden, was ihnen gefällt. Wir betreiben eine Mailingliste mit Mitgliedern aus 26 Ländern, und die Anzahl wächst. Ohen die Möglichkeiten, die das Internet bietet, wäre dieser bescheidene Erfolg allerdings nicht möglich gewesen.

Wie kam es dann zu dem Entschluss, mit einem Sänger zu arbeiten?

Bevor ich mit Ken arbeitete, schrieben viele Leute in ihren Reviews, diese Musik warte regelrecht auf Texte und Gesang. Da meine Musik immer sehr melodisch ist, war es wohl eine auf der Hand liegende Entwicklung.

Welchen Anspruch hast Du an Deine Texte?

Texte sind oft entweder zu geistreich, oder aber zu schmalzig oder scheinen überhaupt keinen Zweck zu haben. Ich versuche immer etwas auszusagen, ich bin sicher kein besonderes großer Poet, aber meine Lyrics haben einen Sinn und ich versuche Klischees zu vermeiden. Ich verwenden selten Reime, da mir dies zu einfach erscheint. Auf 'The Nature Of Change', geht es um Kriegsverbrechen, das Ende der Zivilisation, Angst um Einsamkeit, auf 'Moments Of Clarity' gibt es Songs die sich mit Euthansie, Kummer, Verlust und Begierden beschäftigen. Nicht unbedingt leicht verdauliche Sachen!

Viele Musiker in der Prog-Szene haben zunächst die klassischen Prog-Bands gehört und dann angefangen, stilistisch ähnliche Songs zu schreiben. Bei Dir war das nicht so...

Bis ich begann meine eigenen Songs aufzunehmen, hatte ich keine Idee, was Prog war. Meine Lieblingsbands damals waren Black Sabbath, Uriah Heep und Barclay James Harvest. Man kann wohl sagen, dass auch diese Bands durchaus progressive Elemente in ihrer Musik hatten, aber damals habe ich diese als solche nicht gekannt. Was Musik angeht, war ich ohnehin ein Spätstarter, mein Interesse galt mehr der Achitektur und der Kunst im Allgemeinen. Irgendwann kaufte ich mir aber trotzdem eine Gitarre, lernte ein paar Akkorde aus einem Buch und begann zu schreiben, weil ich einfach nicht kapierte, wie Tony Iommi so was spielen konnte! Jemand sagte mir dann, dass meine Songs eine gewisse Ähnlichkeit mit den Ozric Tentacles hätten. Ich sagte toll, es gibt noch eine andere Band, die Musik macht wie ich. Ich kaufte mir ein Album, und es klang komplett anders. Aber egal, es gefiel mir, und ich begann gezielt nach solch Musik zu suchen. Damals entdeckte ich Gruppen wie Camel, Caravan, Gentle Giant, Jethro Tull usw.

Kommen wir zum aktuellen Album!

Die Songs für "Palindrome" wurde weitestgehend am Piano geschrieben. Nach dem Songwriting und nachdem die Arrangements standen, begannen die eigentlichen Aufnahmen. Üblicherweise schreibe ich ein Album innerhalb von zwei Monaten, wobei ich etwa zwei Stunden am Tag daran arbeite. Mehr geht nicht, aufgrund meines normalen Jobs. Ich habe immer das Gefühl, dass wenn man mit dem Schreiben erst einmal begonnen hat, die Dinge sich fast wie von selbst entwickeln. Da das Konzept für das neue Album bereits fertig war. Bevor ich mit dem Schreiben anfing, war es nicht besonders schwierig. Die Aufnahmesession verliefen auch ohne ernsthafte Probleme, am schwersten war es, die Termine zu koordinieren, das Artwork zu designen und die Soundeffekte zu integrieren. Ich hätte gerne etwas Saxophone bei einigen der Songs, aber ich hatte weder die Zeit, noch die Möglichkeiten, es zu organisieren. Vielleicht klappt es beimnächsten Mal!

Und worum geht es auf "Palindrome"?

Im Prinzip geht es um die Suche der Menschen nach einem Platz physisch oder mental den sie ihr Zuhause nennen können, ein Ort, an dem sie sich wohl fühlen, gebraucht und gemocht werden, wo sie einfach dazu gehören. 'The Twinning of Souls' beschreibt, was passiert, wenn zwei Menschen sich finden. Dann läuft irgendwas falsch, wie so oft im Leben, und die beiden Personen versuchen auf dem Rest des Albums einen Weg zurückzufinden.

Wie geht es mit "Elegant Simplicity" weiter?

Meine Hauptaktivitätem im Augenblick drehen sich um das Zusammenstellen einer richtigen Band. Ich möchte endlich live spielen. Obwohl man es meinen Songs vielleicht nicht sofort anmerkt, so sind sie zumeist sehr stark improvisiert, fast jedes Gitarren oder Keyboardsolo auf meinen Alben entsteht spontan und steht nach dem ersten oder zweiten Anlauf. Es gibt also sehr viele Möglichkeiten, bestimmte Parts auszdehnen, und das sollte Live eigentlich hervorragend möglich sein. Was die Musik angeht, so wird sich wohl kaum etwas ändern. Jedes meiner Alben unterscheidet sich von den vorhergegangenen, und das nicht aufgrund irgendeiner Absicht, es passiert einfach. Meine Art Gitarre zu spielen ist sicher etwa Konstantes, aber ich glaube, egal welches meiner Alben man hört, beginnend bei der ersten Kassette "Improper Advances" bis zu "Palindrome", es klingt immer unterschiedlich, und doch merkt man, dass alles von der gleichen Band kommt. Meine Lieblingsband ist immer noch BJH, und bei ihnen ist es genauso!

Kontakt:

info@elegantsimplicity.com
www.elegantsimplicity.com
www.proximityrecords.co.uk


© 10/2001 Renald Mienert
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http://www.durp.com/