Grey Lady Down: Wieder aufgetaucht

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Es war ja schon seit längerem bekannt, dass die zwischenzeitliche Trennung von Grey Lady Down mittlerweile wieder Geschichte ist. Die Band, die mit ihren beiden ersten Alben besonders in Neo-Prog-Kreisen für Furore sorgte, sich danach aber in komplexere Gefilde wagte, meldet sich nun mit dem vierten Studioalbum "Star-Crossed" zurück.

Renald Mienert unterhielt sich mit Mark Westworth.

Was unterscheidet "Star-Crossed" von euren früheren Alben?

Was die Musik angeht, kann man "Star-Crossed" als natürliche Weiterentwicklung von "Fear" betrachten. Ideen, die auf "Fear" nur angedeutet wurden, haben wir hier komplett zu Ende gedacht. Es gibt deutliche Verbesserungen im Songwriting und in den Arrangements und die musikalischen Bandbreite ist noch größer geworden. Unsere beste CD bis jetzt! Ich denke, die Band hat mit diesem Album nun wirklich eine eigene musikalische Identität gefunden. Wenn irgendwer, der uns früher mit Marillion verglichen hat, dies jetzt immer noch täte, dann wäre dies völlig ungerechtfertigt.

Wie verliefen die Aufnahmen?

Fünf der acht Titel wurden mehr als ein Jahr vor dem Zeitpunkt geschrieben, als wir dann schließlich mit den Aufnahmen begannen. So hatten wir bereits genügend Zeit für ein entsprechendes Fine-Tuning, was die Arrangements betraf. Was die eigentlichen Aufnahmen und das Mixen anging, so haben wir dies an fünf Wochenenden im Februar und März erledigt. Es war ziemlich anstrengend, aber die Tatsache, dass wir die meisten der Songs zuvor bereits live gespielt hatten, machte es etwas einfacher. Mittlerweile haben wir übrigens immerhin schon sieben der acht neuen Songs live gespielt – alle unsere Songs werden mit dem Ziel geschrieben, sie auch live umsetzen zu können. Bernie Madsen einzubinden war schon etwas besonderes. Er kam, hörte den Song lediglich ein paar Mal und eine Stunde später war er fertig! Während des Mixens wurde die Zeit dann etwas knapp, was dazu führte, dass der komplette Mix in drei Tagen erledigt wurde.

Was gibt es zu den einzelnen Songs zu sagen?

"Fading Faith" ist ein "mini prog epic", sehr dynamisch, mit Tempowechseln, mitreißenden Chören und einem tollen Keyboardsolo – ein wirklich gelungener Start für eine CD. "Shattered" reflektiert eher den alten GLD-Stil und hat einen etwas dunklen Touch. Es ist auch der gradlinigste Rocksong auf dem neuen Album. "As The Brakes Fail" beginnt ziemlich ruhig, entwickelt sich aber schnell zu einem sehr lebhaften Track, der gegen Ende das ursprüngliche Motiv wieder aufgreift. "Fallen" bringt es auf 14 Minuten, auch im eher klassischen GLD-Stil gehalten. Der Song besteht aus drei Abschnitten, zunächst beginnt er sehr melodisch, dann wird es rockig und danach wird es richtig proggig. "New Age Tyranny" ist ein ruhiger Song, der vom Piano dominiert wird, es gibt aber auch hier schöne Gitarrenparts. "Sands Of Time" ist vermutlich auch für Leute geeignet, die nicht so sehr auf Prog stehen, die 12 String Gitarre und der Fretless Bass sorgen für einen etwas unterschiedlichen Sound, zusammen mit der Flöte. "Truth" ist dann hingegen der wohl progressivste Song, sehr dynamisch und komplex, und kaum mit Worten zu beschreiben. Das Album endet schließlich mit "Crossfire", gitarrenorientiert und rockig, voller Energie und einem super Gitarrensolo von Bernie Marsden – ein großes Finale!

Und wie kam das Album zu seinem Titel?

Das war ursprünglich meine Idee. "Star-Crossed" klingt einfach gut, und ich hatte das Gefühl, der Titel stellt eine Verbindung zu einigen der Texte dar, es geht dort zum Beispiel häufig um solche Sachen wie Unglück. Das entsprechende Cover stammt von unserem Ex-Gitarristen Steve, es ist zwar größtenteils computergeneriert, aber es ist doch ein echter Blickfang geworden.

Ihr scheint ja sehr zufrieden mir dem Album zu sein!

Die CD zeigt ziemlich deutlich, wo GLD im Jahr 2001 steht. Mit einem größeren Budget hätte man auch einen noch besseren Sound realisieren können, aber wir sind wirklich unterm Strich sehr stolz auf das Album – und das ist das Wichtigste!

Eure ersten Alben erschienen bei Cyclops, warum hat sich das bei "Star-Crossed" geändert?

Cyclops hat auch für dieses Album einen Deal angeboten, aber wir wollten einfach alle Dinge selbst steuern können, deshalb haben wir unser eigenes Label gegründet - Perfect Pop. Das Risiko für uns ist zwar etwas größer, aber das Ziel ist einfach, mit diesem Album soviel zu verdienen, dass wir ein folgendes, noch besseres, produzieren können. Alle Einnahmen gehen jetzt an die Band zurück und werden für diesen Zweck verwendet. Viel Arbeit, aber wir lieben unsere Musik.


Wie siehst du heute die früheren Alben?

"The Crime" klingt wie Marillion so um 1982, einige der Texte sind aber wirklich gut. "Forces" bietet dann schon einige hübsche Arrangements mit zwei herausragenden Songs - "Battlefields Of Counterpane" und "The Flyer". Es gibt immer noch diese frühen Genesis und Marillion – Einflüsse.

"Fear" ist etwas härter und ein deutlicher Versuch, sich vom typischen Neo-Prog weiter zu entwickeln, hier gibt es schon Einflüsse von Bands wie Anekdoten und King Crimson zu hören. Das sind aber meine ganz persönlichen Meinungen, da ich an den beiden ersten Alben nicht beteiligt war, kann ich jetzt natürlich nach Herzenslust darüber herziehen!


Wie kam es eigentlich nach eurer Trennung so schnell zu einer Wiedergeburt von GLD?

Eigentlich lösten wir uns ja im März 1998 auf, auch wenn es im Juli dann noch einen Abschiedsgig und eine darauf folgende Live-CD gab, was beides von Malcolm Parker von Cyclops initiiert würde. Ende des Jahres trafen sich dann einige Bandmitglieder auf einer Party und diskutierten darüber, eine neue Band zu gründen. Wir kamen mit Martin Wright (ex-Solstice drummer) in Kontakt und spielten einige Gigs unter dem Namen ‚Trinity', das war im Frühjahr 1999. Leider musste Martin die Band aufgrund anderer Verpflichtungen verlassen, so kam Phill in die Band und wir kamen zu dem Entschluss, dass es mehr Sinn machen würde, uns wieder GLD zu nennen. Nachdem wir achtzehn Monate live gespielt hatte, waren wir dann finanziell endlich in der Lage, die neue CD zu produzieren. Wir haben wirklich hart gearbeitet in dieser Zeit!

Julian Hunt ist wieder mit in der Band, darüber hinaus habt ihr mit Phill Millichamp einen neuen Drummer, da Mark Robotham mittlerweile ja für Thieves Kitchen hinter der Schießbude sitzt. Was sagst Du zu den Line-Up Wechseln in der Band?

Die Leute verlassen Bands aus verschiedenen Gründen – persönliche Konflikte oder musikalische Differenzen, aber ich möchte diese Gründe was GLD hier kommentieren. Fakt ist jedoch, dass sich die Band nach jedem Wechsel musikalisch verbessert hat und als stärkere Einheit daraus hervorging. Solche Wechsel geschehen einfach. Die Band sollte immer größer sein, als die Summe ihrer Bestandteile – wenn das funktioniert, dann wird eine Band auch überleben!


© 09/2001 Renald Mienert
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