Nick D`Virgilio: Mehr als ein Drummer

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Wer schon einmal ein Spock’s Beard Konzert miterlebt hat, der weiss längst, dass die in der Überschrift gemachte Behauptung der Wahrheit entspricht. Wer nicht, der kann sich jetzt davon auf dem Solodebüt "Karma" davon überzeugen, auf dem D`Virgilio nicht nur trommelt, sondern auch Gitarre, Keyboards und Bass spielt, singt und natürlich auch für das Songwriting verantwortlich zeigt.

Renald Mienert sprach mit dem Multitalent.

Warum hast Du das Album eigentlich nicht unter Deinem Namen sondern als "NDV" veröffentlicht?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal wollte ich nicht, dass die CD wie ein reines Soloalbum von mir wirkt, denn es gibt ja durchaus einige Gastmusiker. Ich wollte nicht anmaßend sein. Daher steht NDV in gewissem Maße auch für einen Band- oder zumindest Projektcharakter. NDV klingt auch ziemlich cool und mag auch aus Marketing-Aspekten etwas bringen. Außerdem ist Nick D’Virgilio nicht gerade der einfachste Name. Viele Leute wissen nicht, wie man ihn schreibt oder ausspricht.

 

Von einigen Gastmusikern abgesehen, spielst Du ein Großteil der Instrumente selbst. Du hast mit drei Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen, mit sieben kam die Gitarre dazu, mit siebzehn Klavier. Gibt es eigentlich ein Instrument, dass Du noch gerne spielen würdest?

Nicht unbedingt ein neues Instrument. Ich habe ja als Kind auch Blasinstrumente gespielt, und als ich vor einiger Zeit mal wieder meine Trompete herausgeholt habe, da klang es wirklich schrecklich. Hier sollte ich wohl wieder etwas üben. Das gilt natürlich auch für die Gitarre. Ich liebe es, Gitarre zu spielen, aber durch das ewige Sitzen hinter dem Drumkit, habe ich einfach nicht genug Zeit dafür.

Du deckst mit "Karma" ein ziemlich breites musikalisches Spektrum ab – ein wenig Prog, viel Balladen, unterschiedlichste musikalische Einflüsse. Für das Album eines Drummers stehen die Drums dabei aber nicht unbedingt im Vordergrund!

Die Songs haben sich einfach so entwickelt. Ich habe praktisch mein ganzes Leben mit dem Entertainment zu tun. Das Album reflektiert die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Ich hatte so etwas schon immer vor –aus dem üblichen Rahmen eines Drummers ausbrechen, andere Instrumente spielen, singen, Songs schreiben. Ich habe mich nie auf einen Stil beschränkt. Ich bin mit unterschiedlichster Musik aufgewachsen, meine Lieblingsband allerdings war Genesis, auf die ich durch meinen Bruder gekommen bin. Speziell als Drummer habe ich mich schon immer mit den unterschiedlichsten Genres beschäftigt. Es macht einfach mehr Spaß und man wird ein besserer Musiker.

 

Apropos Genesis. Da muss es ja ein Riesenerlebnis für Dich gewesen sein, einige Song auf "Calling All Stations" einzuspielen!

Das war wirklich eine außergewöhnliches Erlebnis für mich, etwas mit dem ich nie gerechnet hätte. Es wäre schön, auch die Genesis-Tour zu machen, aber sie haben sich für den anderen entschieden, aber so läuft es eben. Aber ich war beim Album dabei, und das ist aufregend genug!

 

Ist es leichter, als Drummer einer Band oder für andere Musiker zu arbeiten, als seine eigene Kreativität in Form eines Albums wie "Karma" auszuleben?

Es ist definitiv einfacher, "nur" der Drummer zu sein. Nicht, dass es mich nicht zufrieden machen würde. Es ist ein tolles Gefühl, einfach einen guten Job gemacht zu haben, egal ob im Studio oder auf Tour. Aber das Schreiben eigener Songs, und dann zu sehen was schließlich daraus wird, bis man das fertige Produkt hat und die Reaktionen der Leute hört, das ist schon noch etwas anderes.

Setzt Du eigentlich Prioritäten zwischen den drei Aspekten deiner Tätigkeit: Solokünstler, Spock’s Beard und Gastmusiker für andere Künstler?

Alle drei Dinge sind mir wichtig, denn sie machen mich auf unterschiedlicher Art und Weise zufrieden. Spock’s Beard ist meine Band. Es ist die einzige Band, in der ich von Tag Eins mit dabei war. Mein Solomaterial ist mir genauso wichtig, denn es ist etwas, das ich speziell für mich selbst tue. Durch das Arbeiten für andere Musiker kann ich in verschiedenen Stilen aktiv sein, meine Fähigkeiten verbessern. Man kann nicht sagen, dass eine oder andere sei wichtiger, die Kombination aus allen drei Dingen machen meine Persönlichkeit als Musiker aus.

Wie bist Du eigentlich zu Spock’s Beard gekommen?

Ich traf Alan und Neal Morse in L.A. in einer Bar bei einer Jam-Night. Wir wurden per Zufall gemeinsam auf die Bühne geholt und jammten zusammen. Dann kamen wir ins Gespräch, und Neal erzählte von seinen Plänen, eine progressive Rockband zu gründen. Wir stellten fest, dass wir ähnliche musikalische Interessen hatten, und so entstanden dann bald darauf die Demos, aus denen später das erste Spock’s Beard – Album werden sollte.

Ich habe Dich mit Spock’s Beard einige Male live gesehen, zuletzt in Nürnberg im Rahmen der Tour zu "V". Da hast Du am Schluß einen Song von Deep Purple gesungen. Das Kreischen bei "Space Truckin" hast Du allerdings dem Keyborder Ryo Okumoto überlassen!

Es ist ja schon eine Art Tradition geworden, zum Schluss der Show einen Song zu covern. "Space Truckin" ist ein straighter Rocksong, und ich habe die Gelegenheit, mal vom Schlagzeug wegzukommen. Neal ist ja auch ein guter Drummer, und so übernahm er dabei meinen Part an den Drums. Aber was das Schreien angeht – das kann ich einfach nicht.

Das Album enthält vornehmlich Eigenkompositionen. Der David Bearwald – Song "Come What May" stammt aus dem "Moulin Rouge" – Soundtrack und "The Game" basiert auf Songideen von Kevin Gilbert, die Du weiter entwickelt hast. "Untitled" ist das einzige Instrumental – ein etwas sonderbarer Titel für einen Song, oder?

Ich konnte einfach keinen passenden Titel für das Stück finden. Als es dann die ersten Aufnahmen des Songs gab, musste er ja irgendwie benannt werden, um damit arbeiten zu können. So kam es zu "untitled". Die Leute haben dann gesagt, das wäre eine coole Idee und so ist es dann dabei geblieben.

Wirst Du auch weiterhin Soloalben produzieren?

Ich versuche natürlich zunächst, dieses Album so weit nach vorne zu bringen, wie nur möglich, möglichst so viele Platten zu verkaufen, dass ich das Material auch live umsetzen kann. Aber ich weiss noch nicht, wie es schließlich aussehen wir, ob das Material mit einer kompletten Band oder zum Beispiel nur als Duo aufgeführt wird. Auf der CD ist ein Sticker, auf dem steht, "Drummer of Spock’s Beard also of Tears For Fears", mag sein, dass dies unter Verkaufsaspekten hilft, aber ich möchte natürlich die Fans davon überzeugen, dass die CD auch für sich selbst stehen kann. In jedem Fall glaube ich, dass ich auch in der Zukunft an eigenem Material arbeiten werde.


© 12/2001 Renald Mienert
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