Pallaes: So gut wi nie zuvor

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Das Comeback von Pallas im Jahre 1999 mit "Beat The Drum" nach dreizehn Jahren Abstinenz war für viel Fans des Progressive Rock eine kleine Sensation. Wer befürchtet hatte, die Band würde erneut in langjährigen Winterschlaf verfallen, der hat sich erfreulicherweise geirrt. Pallas melden sich mit "The Cross & The Crucible" zurück, und das besser, als je zuvor.

Renald Mienert sprach mit dem Gitarristen Niall Mathewson.

Die Ursprünge von Pallas reichen bis Mitte der Siebziger zurück, als die Band zunächst noch als Rainbow firmierte, sich aber aufgrund des gleichnamigen Formation von Ritchie Blackmore schon bald umbenannte. Die ersten Jahre waren geprägt von diversen Wechseln im Line Up, dann stand ein feste Bandbesetzung, von der noch heute drei Mitglieder dabei sind: Keyboarder Ronnie Brown, Bassist Greame Murray und Gitarrist Niall Mathewson. Im Zuge der vor allem durch Marillion ausgelösten Neo-Prog-Welle zu Beginn der Achtziger, gerieten auch Pallas in den Fokus der Major-Label und gleich das offizielle Debüt "The Sentinel" – ein Konzeptalbum um den Atlantis-Mythos mit einem Cover, das genauso genial ist, wie die Musik – entwickelte sich zu einem Klassiker. Sänger Euan Lawson verließ danach die Band und wurde von Alan Reed ersetzt, der auch heute noch für Pallas hinterm Mikro steht. Nach der 85‘er EP – "Knightmoves" folgte ein Jahr darauf "The Wedge", ein Album, das sich immerhin 100.000 Mal verkaufte. Doch dann verschwanden Pallas in der Versenkung – aber seit zwei Jahren sind sie wieder da.

Welches Album war schwerer zu produzieren, "Beat The Drum" oder "The Cross & The Crucible"?

Das neue Album war schon eine sehr große Herausforderung, es hat sehr lange gedauert, bis wir das Material geschrieben hatte, und auch die Produktion gestaltete sich sehr aufwendig.

Aber ich meine nicht nur die Songs an sich, sondern auch das Umfeld. "Beat The Drum" war ja ein Comeback-Album, und die alten Fans erwarteten eine Menge...

Es gab bei "Beat The Drum" zwei Aspekte. Wir mussten sozusagen zunächst wieder lernen, Songs zu schreiben und zu produzieren – und gemeinsam miteinander auszukommen. Und dann der folgende: Als wir das Album machten, hatten wir ja überhaupt keine Ahnung, was für Reaktionen uns erwarten würden, schließlich waren wir jahrelang in der Versenkung verschwunden. Wir wussten gar nicht, dass es da draussen noch immer Leute gab, die uns kannten und die gespannt auf unser neues Album warteten. Erfreulicherweise waren aber die Reaktion größtenteils positiv.

Verglichen mit "Beat The Drum" gibt es eine stilistische Veränderung zu verzeichnen – der Sound ist oft geheimnisvoll und mystisch...

Ja, es gibt viele sehr atmosphärische Klänge, das Album hat tolle Keyboard – und Gitarrensoli, gute Vocal-Lines, und es gibt auch sehr rockige Passagen. Wir sind sehr stolz auf unsere Leistung. Ich glaube, speziell der letzte Song auf "Beat The Drum" war schon eine Art Zeichen, in welche Richtung wir uns entwickeln würden.

Ist es wichtig für euch, sich weiterzuentwickeln?

Ich denke, jeder strebt an, eine neue Sache möglichst besser zu machen, als zuvor. Und ich denke, bei Pallas steckt da auch eine bewusste Absicht hinter. Auf der anderen Seite haben wir aber auch eine sehr starke Identität, ich kenne keine Band, die so klingt, wie wir. Natürlich mag es einen Moment klingen wie Rush oder auch mal wie Yes, aber in der Gesamtheit klingen wir einfach wie Pallas.

Nach "Beat The Drum" war ihr ja auch auf Tour – wie war das Gefühl, wieder auf der Bühne zu stehen?

Es war einfach großartig, man fühlte sich wieder richtig lebendig! Gerade der Gig in Offenbach ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, das Publikum war einfach großartig! Aber die Konzerte waren generell ein Erfolg!

Seit dem letzten Album sind ja diesmal "nur" zwei Jahre vergangen – was ganz OK ist. Arbeitet ihr eigentlich besser mit einer Plattenfirma im Nacken, die auch schon mal Termine vorgibt?

Ich stimme zu, es gibt natürlich keinerlei Druck was die künstlerischen Aspekte angeht, aber man versucht schon stärker, sich an gewisse Termine zu halten. Es hat trotzdem länger gedauert, als wir eigentlich vorhatten. Aber es war eben auch eine Menge Arbeit – und ich hoffe, keiner denkt, wir hätten gefaulenzt!

Inside Out hat ja auch eure alten Alben "The Sentinel" und "The Wedge" wieder veröffentlicht, und auch "Arrive Alive" ist auf CD erschienen. Die Neuauflage von "The Sentinel" enthält auch einen Videotrack aus dem Jahre 1984. Was ist so besonderes daran?

Das Video ist natürlich eine gelungene Idee, das Package zu komplettieren. Es zeigt noch unseren ersten Sänger Euan, und ist das einzige Video, das in dieser Form mit ihm existiert.

Euer neues Album ist zwar kein Konzeptalbum im engeren Sinne geworden, aber ein roter Faden zieht sich dennoch durch die CD...

Das Album ist eine Art Betrachtung, der Geschichte der Menschheit, beginnend mit ihren frühesten Anfängen. Es gibt religiöse Aspekte und wir betrachten auch die vielen Kriege. Es gibt einen Song über die Medien und wie diese mit Informationen umgehen, was sie daraus machen. Es geht auch um den Konflikt zwischen der organisierten Kirche und neuen Wissenschaften. Aber es gibt nicht nur dunkle Seiten. Die Generationen haben auch gezeigt, dass sie voneinander lernen können. So endet das Album mit "Celebration" auch positiv, was uns sehr wichtig ist.

Einer der Vorzüge von "The Cross & The Crucible" besteht darin, dass das Album mit jedem Hören wächst...

Das ist wahr. Das Album ist sehr komplex. Es gibt immer wieder neue Dinge zu entdecken. Manche Leute brauchen ein Jahr, um ein Album wirklich zu durchdringen.

Denkt ihr schon über neue Songs nach?

Es gibt bei uns jetzt eine Art konstantes Songwriting. An dem Tag, als der Mix für das neue Album fertig war, rief mich Graeme an und sagte, er hätte eine großartige Idee für einen neues Stück! Wir sammeln die Ideen, und wenn wir dann zusammen kommen, wählen wir aus, was wir verwerten können und was nicht.

Dann brauchen wir uns um ein neues Album wohl keine Sorgen zu machen. Aber ihr kommt dich sicher auch wieder auf Tour?

Wir führen gerade die Gespräche mit Inside Out. Wahrscheinlich wird es im November klappen!

Wir würden uns freuen! Zuvor kann man der Band aber unter www.pallas-uk.com einen Besuch abstatten!


© 07/2001 Renald Mienert
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