Teer: Debüt nach acht Jahren

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

Manchmal dauert es eben eine Weile. Erst recht, wenn man aus Florida kommt und sich mit dem Melodic Rock einer Musikrichtung verschrieben hat, mit der die breite Masse an diesem Ort und zu dieser Zeit nichts mehr anzufangen weiß. Wir schon und so unterhielt sich Melodic Journey mit Gitarrist Shane French.

Das Quintett Teer wurde bereits 1992 gegründet. Und wie üblich, stand man am Anfang vor den üblichen gravierenden Problemen, wie finde ich das passende Line Up und wie kommen wir zu einem Bandnamen. Letzteres wurde - nachdem man sich zunächst nicht einigen konnte – recht pragmatisch gelöst. Es musste einfach der Name des Drummers John Teer herhalten, auch auf die Gefahr hin, dass mancher auf die Idee kommen könnte, man hätte Tear – also die Träne – gemeint. Vielleicht war den Jungs aber manchmal auch wirklich zum Heulen zumute.

Wir haben Songs geschrieben ohne dass die Band vollständig war. Es hat eine Weile gedauert, bis wir das Line-Up komplett hatten, schließlich ist es nicht so einfach in den Staaten Musiker zu finden, die gut sind und auch noch diese Art von Musik mögen. Wir haben in den Vergangenheit - gerade was den Sänger angeht - einiges durch, aber Dan ist jetzt schon eine ganze Weile bei uns und es funktioniert sehr gut. Beim Bassisten verhält es sich ähnlich. Don ist ein alter Freund von uns, und ich glaube wirklich, dass diese Besetzung sehr lange in dieser Form existieren wird. Ich kann mir ehrlich gesagt einen Wechsel im Line Up momentan nicht vorstellen.

Es gab gelegentliche Auftritte in der näheren Gegend, viel war nicht zu holen, da die Leute eher auf die alternative Mucke abfuhren. Manch andere Band hätte vielleicht versucht, sich den angesagten Trends anzupassen, Teer jedoch nicht.

Teer wurde mit dem ganz klaren Ziel gegründet, Melodic Rock zu spielen, unabhängig davon, ob nun gerade diese ganzen Seattle-Bands angesagt waren oder nicht. Wir alle lieben Bands wie TNT, generell die Großen dieses Genres, da stand dieser Weg von vornherein fest. Was hier gerade Nummer Eins in den Charts ist oder war, hat uns nie gekümmert, weil wir es sowieso nicht mochten.

Man arbeitete kontinuierlich weiter und versuchte parallel dazu, einen Plattendeal zu ergattern. Und manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder – und der Besuch von Parties kann sich von Zeit zu Zeit auch auszahlen.

Ich kannte Ralph Santolla schon längere Zeit als hervorragenden Gitarristen und habe ihn dann vor drei oder vier Jahren bei einer Party getroffen. Dabei entstand die Idee einer Zusammenarbeit. Ralph hat unser erstes Demo produziert und dann den Kontakt zum Label hergestellt.

Ein Vertrag kam 1998 bei Now&Then/Frontiers zustande, was nicht weiter verwundert, ist Ralph Santolla mit seiner Band Millennium (bei der übrigens auch Shane als zweiter Gitarrist angeheuert hat) dort doch ebenfalls unter Vertrag. Teer begannen konzentriert an ihrem ersten Album zu basteln.

Die meisten Songs des Demos haben es auf das Debüt geschafft, ein Titel nicht, aber der wird wahrscheinlich auf das zweite kommen, weil es einfach auch ein guter Titel ist. Die Stücke des Debüts sind über die vergangenen Jahre entstanden, aber auch wenn das Material schon älter ist, spricht ja nichts gegen eine Veröffentlichung, es ist die Qualität die zählt.

Im Oktober 2000 kam dann "Teer" – mit der Namensfindung hat man offensichtlich nicht so viel am Hut – in die Läden, und dass die Qualität in Ordnung geht, zeigen die bisherigen Reaktionen auf das Album, die überwiegend positiv ausfallen. Teer spielen typischen Melodic Rock, haben jedoch den Anspruch, mehr als "nur" typisch zu sein.

Im Vordergrund steht natürlich einfach nur die Idee, einen guten Song zu schreiben. Und diese Fähigkeit unterscheidet uns glaube ich jetzt schon von vielen anderen Bands. Manchmal habe ich den Eindruck, als gäbe es so etwas wie ein Musterformular für viele Melodic Rock Bands, du musst es nur ausfüllen und fertig ist der Song. Aber wir streben schon an, mehr zu sein, als nur eine normale, durchschnittliche AOR oder Melodic Rock Band zu sein. Ich denke da an gewisse progressive Einflüsse, allerdings ist es wichtig, dass solch ein Input nicht zu einer zu drastischen stilistischen Änderung führt.

Neben der Studioarbeit sind Teer aber auch vor allem eine Liveband. Es mag ja ein tolles Gefühl sein, einen Song zu schreiben oder zum ersten Mal die eigene CD als fertiges Produkt in der Hand zu halten, aber was für Teer vor allem zählt, das sind die Liveauftritte. Eine ausgedehnte Tour – und sei es nur als Support – ist zwar noch nicht spruchreif, aber immerhin spielten Teer 1999 und 2000 erfolgreich beim GODS – Festival. Höhepunkt ihrer Live-Karriere allerdings war ein auftritt beim Livestock 9 Festival vor 20.000 Leuten, wo sie neben Künstlern wie Sammy Hagar oder Slash’s Snakepit bestehen konnten. Die Zeichen stehen also günstig, dass sich Teer in der Melodic Szene etablieren werden.

Wir haben natürlich alle auch noch ganz normale Jobs und manche von uns arbeiten bis zu fünfzig Stunden die Woche. Aber trotzdem finden wir noch Zeit für die Musik. Ich könnte mir ein Leben ohne das Songschreiben, Live zu spielen und Alben zu produzieren nicht vorstellen, und ich glaube den anderen geht es genau so. Und die Arbeiten an einem neuem Album haben auch schon begonnen.


© 03/2001 Renald Mienert
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