Vick LeCar's Blue Moon: Guter, alter Hardrock

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Interview

Für mich hat Vick LeCar mit seiner Band "Blue Moon" und dem gleichnamigen Album eine der besten Hardrockscheiben der letzten Monate veröffentlicht. Würden wir dem Amerikaner sonst ein Interview spendieren?

Betrachtet man die auf "Blue Moon" versammelten Musiker, so entdeckt man recht schnell bekannte Namen. Sänger Ed Terry hat schon mit Stevie Wonder gearbeitet, Keyboarder Paul Morris für Rainbow oder das Transsibirian Orchestra um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch wie sieht es mit dir selbst aus?

Ich habe schon sehr früh angefangen Musik zu machen, ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, dass ich irgendwann einmal nicht Gitarre gespielt hätte. Ich bin sowohl Gitarrist als auch Songwriter, aber ich male auch und schauspielere, aber die Musik ist definitiv meine größte Leidenschaft. Alles begann wirklich sehr früh, ich lernte Cello und Klavierspielen, malen und beschäftigte mich viel mit Kunst allgemein. Obwohl meine Wurzeln in der Klassik liegen, entdeckte ich meine Liebe für den blues-beeinflussten Hardrock. Ich habe die Band formiert, um meine Musik umzusetzen, jedes Mitglied wurde sehr sorgfältig ausgewählt, immer unter dem Aspekt, dass es auch in der Lage sei, meine musikalischen Visionen umzusetzen.

Heisst das, Blue Moon ist ein Projekt?

Blue Moon ist eine Band. Die erste Besetzung gab es Mitte der Neunziger mit komplett anderen Leuten. Wir spielten einige Gigs und nahmen auch Demos auf und ich habe gehört, dass es sogar etwas Airplay in Venezuela und anderen südamerikanischen Ländern gab. Das ist ein großes Lob für mich. Aber um direkter auf die Frage einzugehen: Ich hatte das Gefühl, dass es Zeit war, etwas stärker die Fäden selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe schon oft mit Musikern zusammen gearbeitet, die ziellos und ohne Vision waren. Ich weiss, was ich will, und ich glaube, dies ist sehr wichtig, um in der Lage zu sein, seine Gefühle durch die Musik zu vermitteln.

Schon der erste Titel des Albums ist ein absolutes Highlight und erinnert dabei stark an Led Zeppelin...

Die guten, alten Led Zeppelin. Ich liebe diese Band. Sie waren die erste Hard Rock Band, die ich jemals gehört habe davor hat es für mich nur Klassik gegeben und es hat mich total umgehauen diese heavy Gitarren gepaart mit den bluesigen Vocals. Aber auch andere Bands wie natürlich Deep Purple darf ich nicht vergessen, besonders Burn. Aber darüber hinaus habe ich sehr viele andere Einflüsse - Framptom, Clapton, Santana. Natürlich auch White Snake, ich glaube wirklich, dass David Coverdale der beste Hard Rock Sänger überhaupt ist.

Besteht da nicht schnell die Gefahr, zu einer bloßen Kopie zu werden?

Immer wenn ich der Meinung bin, zu stark nach jemand anderem zu klingen, versuche ich sofort gegen zu steuern. Ich stelle mir die Frage: Wie würde Vick LeCar diesen Song schreiben? Ich versuche natürlich nie absichtlich wie dieser oder jener Künstler zu klingen!

Die meisten Songs auf dem Album stammen aus deiner Feder, es gibt aber zwei Ausnahmen...

Condor Pass ist ein uralter Song der Indianer, genauer gesagt aus Bolivien oder Peru. Die Melodie ist sehr schön und hat dabei etwas natürliches und ungeschminktes. Es ist meine Art, der Natur Respekt zu zollen. Ursprünglich wird der Song komplett mit selbstgefertigten Instrumenten der Ureinwohner gespielt, das bringt mich sozusagen auf eine andere spirituelle Ebene.

Und was ist mit dem Mark Farner Titel?

Habe ich etwa vorhin Grand Funk Railroad vergessen? Eine weitere Band die mich stark beeinflusst hat. Ich hatte leider nie die Gelegenheit sie live zu sehen und kenne sie nur vom Fernsehen oder aus Videos. Als ich mich mit den Leuten von Record Heaven über das Album unterhielt, erwähnten diese das Grand Funk Tribute Album. Ich sagte, wie toll es wäre, könnte ich dabei sein. Shinin' On habe ich gewählt, weil ich glaube, dass wir alle die Chance haben, in der einen oder anderen Form dieses Leuchten auszustrahlen, egal, ob klug oder dumm, arm oder reich. Das Leben besteht darin, dieses Leuchten in uns selbst zu suchen. Ich habe die Vocals selbst gesungen, denn ich fühle mich diesem Song einfach besonders nah. Schließlich landete der Song auf meinem Album.

Obwohl eigentlich weitestgehend deine Gitarren den Sound des Albums bestimmen, arbeitest du mit zwei Keyboardern?

Beide sind großartig, aber beide stehen für verschiedene Stile. Paul repräsentiert diesen altmodisch bluesigen Hardrock, Gordon den modernen Heavy Rock.

Wie wird es mit dir weitergehen?

Gute Frage, Veränderungen machen zwar Sinn, aber ich glaube nicht, dass ich mich in Richtung Back Street Boys entwickle.

Da sind wir aber froh!


© 05/2001 Renald Mienert
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