Cornerstone: Der zweite Streich

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Interview

 

Wer auf Hardrock der alten Schule steht, der kommt am neuen Album von Cornerstone nicht vorbei. Bekam man bereits für das Debüt „Arrival“ gute bis sehr gute Kritiken, dürften die Reaktionen auf „Human Stain“ noch euphorischer ausfallen.

 

Wir unterhielten uns mit Steen Morgensen, dem Initiator von Cornerstone, der hauptamtlich für Royal Hunt den Bass spielt.

 

Ich beginne mal mit einer wirklich blöden Frage: Wie kamst Du eigentlich zu dem Namen „Cornerstone“?

 

Als die Songs für „Arrival“ fertig waren, brauchten wir natürlich noch einen Namen für das Projekt. Es gab bei „Arrival“ ja so eine Art Storyline, es ging um den Beginn des Lebens, um die Evolution – da hielt ich „Cornerstone“ für passend. Darüber hinaus bedeutet Steen genau das gleiche wie Stone.

 

Wie siehst Du die Entwicklung vom ersten zum zweiten Album?

 

Dougie White war dieses mal deutlich mehr in das Songwriting involviert. Es gab eine Art Arbeitsteilung, die Musik kam von mir und er schrieb die Texte, an den Arrangements haben wir beide mitgewirkt. Darüber hinaus geht das Album in eine andere musikalische Richtung, „Human Stain“ sollte rockiger werden, deutlich mehr nach Deep Purple oder Dio klingen.. Dougie mag diese Bands und ich habe dort auch meine Wurzeln. Es klingt vielleicht fast etwas altmodisch, mit vielen Hammondorgeln.

 

Dougie White war ja selbst einmal bei Rainbow. Wie bist Du eigentlich auf ihn gekommen?

 

Wir waren in Japan auf Promotour, das war so um 1995 herum. Da wurde im Radio ein Song vom damals aktuellen Rainbow-Album gespielt – und ich war von dem Sänger völlig begeistert. Dougie ist für mich ein typisch britischer, klassischer Rocksänger. Als ich dann Cornerstone gestartet habe, hatte ich zunächst einheimische Sänger probiert, aber das hat nicht funktioniert. Ich hatte also alle Songs geschrieben und aufgenommen, und versuchte dann über das Royal Hunt Management  Kontakt zu  Dougie aufzunehmen – und er sagte tatsächlich zu. Dougie hatte ja auch  seit Rainbow nicht allzuviel gemacht, da ist Cornerstone auch für ihn eine gute Chance, sich wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ausserdem stimmt die Chemie zwischen uns einfach.

 

Hättest Du mit Cornerstone auch weitergemacht, wenn „Arrival“ ein Flop geworden wäre?

 

Nein, aber ich denke, das ist ganz normal. Man startet ein Projekt und ist gespannt, wie es sich entwickelt. Wenn man nur schlechte Reviews bekommt und keine Alben verkauft, dann wird man sicher nicht so weitermachen. Aber „Arrival“ kam positiv an, also machten wir weiter.

 

Habt ihr mittlerweile auch den Schritt vom Projekt zur Band geschafft?

 

Ich glaube, Cornerstone ist momentan weder das eine noch das andere. Natürlich kann man sagen, dass Drummer Allen Sorensen und Gitarrist Kaspar Damgaard jetzt dabei sind, und wir möchten auch live spielen, aber ich sehe uns, was eine Band angeht, noch ganz am Anfang. Ich hoffe aber, wir werden uns in der Zukunft zu einer richtigen Band entwickeln.

 

Kriegst Du eigentlich Cornerstone und Royal Hunt gut unter einen Hut?

 

Bisher funktioniert es. Ich bin in der Lage, mich in der Zeit, in der Royal Hunt pausieren, um Cornerstone zu kümmern. Und bisher war es ja auch nicht so zeitintensiv. Es ist nicht so, dass ich ein halbes Jahr nur in Cornerstone investieren muss. Solange sich die beiden Dinge nicht ins Gehege geraten, ist es in Ordnung.

 

Aber Dein Schwerpunkt liegt bei Royal Hunt?

 

Ich bin jetzt seit etwa dreizehn oder vierzehn Jahren bei Royal Hunt und habe sehr viel in die Band gesteckt. Und wahrscheinlich werde ich auch bei der Band bleiben, solange es sie gibt. Aber Cornerstone ist sozusagen mein zweites Baby. Obwohl ich hier natürlich viel mehr involviert bin, als bei Royal Hunt. Dort stammen die meisten Songs von  Andre, wobei wir anderen Bandmitglieder natürlich trotzdem viel mit den Arrangements und solchen Dingen zu tun haben. Bei Cornerstone hingegen kann ich meine Kreativität voll ausleben,

 

Wo kommt ihr bisher eigentlich am besten an?

 

„Arrival“ lief in Europa erstaunlicherweise besser als in Asien, was aber wohl auch daran lag, dass unsere japanische Plattenfirma nicht gerade viel Promotion für uns gemacht hat. Deutschland, Belgien oder auch  Russland brachten gute Verkaufszahlen. Es ist natürlich immer schwierig, ein Debüt erfolgreich zu gestalten. Es gibt sehr viele Bands, sehr viele neuen Alben pro Monat, da muss man schon etwas besonderes sein, um da positiv aufzufallen

 

Könnte es sein, dass die Leute zwar Cornerstone kaufen, aber eigentlich Deep Purple oder Rainbow meinen?

 

Ich weiss nicht, wie Leute denken. Aber immer wenn man heute neue Bands hört, dann erinnern sie uns doch an irgendeine andere Band. Hammerfall klingen wie ein Iron Maiden Tribute, aber wenn man das stilvoll macht, dann ist es in Ordnung. Es gibt auch nicht viele Bands, die heute noch klassischen Hardrock spielen – die modernen Bands sind schneller, aggressiver oder progressiver. Allerdings vergessen sie in der Regel die Melodien. Aber das ist Geschmackssache und natürlich schwer zu diskutieren.

 

Wie lief die Produktion von „Human Stain“?

 

Die Demophase ist immer etwas kompliziert, weil da die Songs geboren werden.. Im Studio lief es dann ziemlich reibungslos. Ich habe selbst produziert, was aber dann doch ziemlich anstrengend wurde, am Ende war ich jedenfalls ziemlich erschöpft.

 

Royal Hunt haben ja ihr letztes Album bei Frontiers veröffentlicht, Cornerstone sind bei Massacre.

 

Wir möchten die Dinge einfach auseinanderhalten. Sonst könnten politische Interessen der Plattenfirma plötzlich die künstlerischen Interessen überlagern.

 

Denkst Du schon an das nächste Album von Cornerstone?

 

Nein. Im April gehen wir mit Royal Hunt auf Tour, momentan läuft die Promotion für Cornerstone. In einem oder zwei Monaten werde ich wohl wieder beginnen, neue Songs zu schreiben. Ich brauche eine Pause, wenn ich ein Album beendet habe.


© 05/2002 Renald Mienert
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