Magnum: Die Rückkehr einer Legende

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Interview

Sie können es also tatsächlich nicht lassen. Nachdem das Kapitel Magnum Mitte der Neunziger beendet schien, meldet sich die Band um Sänger Bob Catley und Gitarristen Tony Clarkin mit einem neuen Studioalbum zurück. Und  „Breath Of Life“ macht schon nach den ersten Klängen deutlich – die Band ist so lebendig wie zu ihren besten Zeiten.

 

Mit Bob Catley unterhielten wir uns über die alten Zeiten und über das neue Album.

 

Angefangen hatte alles 1972. Magnum spielten als Coverband in Clubs indem sie die angesagten Hits nachspielten. Interessanterweise war Bob zunächst nur für die Backing Vocals zuständig, während Bassist Dave Morgan die Lead Vocals übernahm. Tony Clarkin kam durch Drummer Kex Gorin in die Band, nachdem der ursprüngliche Gitarrist Les Kitcheridge die Band verlassen hatte. (Diesem, oder besser gesagt seiner Mutter, verdankt die Band übrigens ihren Namen). Tony entwickelte sich schnell als führender Songschreiber der Band, die erste Single von Magnum war jedoch noch ein Cover – „Sweets For My Sweet“. Bob erinnert sich:

 

„Auf der A-Seite habe ich noch die Background Vocals gesungen, dafür aber die Lead auf der B-Seite. Die enthielt einen Song, den Tony komponiert hatte. Die Single wurde zwar ein Flopp, aber dafür ist sie heute eine gesuchte Rarität“

 

Auch wenn die Clubgigs durchaus ihre positiven Seiten hatten, so kamen zum Beispiel einmal Robert Plant und John Bonham auf die Bühne und jammten, so hatten Magnum doch andere Ziele. Mehr und mehr bestimmten eigene Kompositionen das Live-Set der Band, doch das brachte neue Probleme:

 

„Als wir begannen Tonys Songs zu spielen, bekamen wir Ärger in den Clubs. Wir wurden immer deutlicher zu einer Rockband, und die Bosse in den Clubs sagten, dass man zu unserer Musik ja nun nicht mehr tanzen könne, also sollten wir verschwinden. Wir spielten damals zwar immer noch einige Cover, aber den Großteil der Songs unserer Shows waren Eigenkompositionen.“

 

Mittlerweile hatte Dave Morgan die Band verlassen (später tauchte sein Name unter anderem bei ELO wieder auf). Ersetzt wurde er durch Colin ‚Wally‘ Lowe, der diesen Platz bis zum (vermeintlichen) Ende der Band im Jahre 1995 behalten sollte. Bob Catley übernahm endgültig den Gesang und man begann die ersten Demos aufzunehmen. Dazu nahm man das Angebot von Jake Commander an, dessen Studio mit aufzubauen, als Gegenleistung gab es gratis Aufnahmezeit. Jeff Lynne von ELO bekam diese Demos zu hören, und so empfahl er Magnum an das Jet Label, bei dem seinerzeit auch ELO unter Vertrag war. (Diese Demos wurde 1993 auf dem Album „Archive“ veröffentlicht). Mit dem Deal in der Tasche begann man die Arbeiten am Debüt „Kingdom Of Madness“. Dafür verstärkte man sich personell um Keyboarder Richard Bailey, der bereits in der Vergangenheit als Session-Musiker für die Band gearbeitet hatte. Für die Aufnahmen benötigte man nur 36 Stunden, und der Erfolg des Albums war durchaus akzeptabel, auch wenn die zwei ausgekoppelten Singles floppten. Aber immerhin schrieb man das Jahr 1978 und die Charts wurden vom Punk dominiert. Schon ein Jahr später folgte „Magnum II“ in der gleichen Besetzung . Magnum waren schon immer eine hervorragende Live-Band, und so konnte man Acts wie Whitesnake oder Judas Priest supporten. In Deutschland gab man 1979 die ersten Konzerte. Vielleicht waren es ja die Live-Qualitäten der Band, die dazu führten, dass 1980 mit „Marauder“ ein erstes Live-Album von Magnum erschien.

 

„Die Scheibe wurde im Londoner  Marquee mitgeschnitten, bevor er mit dem Club Berg ab ging. Es war vielleicht etwas früh, nach nur zwei Studioalben einen Livemitschnitt zu veröffentlichen, aber die Plattenfirma wollte es so.“

 

Die berühmten musikalischen Differenzen führten dazu, dass Richard Bailey die Band verließ, für ihn kam Mark Stanway in die Band, der von da an (bis auf eine kurze Unterbrechung) der Mann an den Tasteninstrumenten bei Magnum sein sollte. Er gab seinen Einstand auf dem 1982 veröffentlichten Album „Chase The Dragon“ Immerhin erreichte es in Groß Britannien einen 14. Platz in den Charts und auch viele Kritiker äußerten sich positiv zum melodischen Hardrock der Band. Magnum, in Europa mittlerweile eine feste Größe, bekamen nun auch die Gelegenheit, sich in Amerika zu etablieren, als Support  für Ozzy Osbourne.

 

„Wenn man eine solche Chance hat, da nutzt man sie natürlich. Uns kannte dort zwar niemand, aber die Tour war dennoch ein Erfolg, wir spielten in Stadien vor 20.000 Leuten. Ich erinnere mich aber auch noch daran, dass wir gerade auf dieser Tour ziemlich viel getrunken haben. Generell fühlen wir uns bei Gigs in Europa aber wohler. Es ist ein besseres Gefühl vor Leuten zu spielen, die dich kennen, als vor Leuten, die Fragen, wer zum Teufel bist denn du?“

 

1983 folgte das nächste Album, „The Eleventh Hour“, der Sound von Magnum war mittlerweile so komplex geworden, dass man sich für die Gigs um einen weiteren Gitarristen verstärkte. Aufgrund einer Krankheit von Tony musste Magnum anschließend jedoch eine Zwangspause einlegen.

 

„Es passierte während einer UK-Tour. Wir haben sogar einige Gigs aufgrund unserer Verträge ohne ihn spielen müssen.  Aber es war ohne Tony nicht wirklich Magnum.“

 

Den Break nutzen die restlichen Mitglieder für Nebenprojekte, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Als Tony die Band schließlich 1985 wieder zusammentrommelte, fanden sich zunächst zwei neue Mitglieder im Line Up. Für Keyboarder Eddie George sollte es jedoch nur ein kurzes Gastspiel werden, da Mark Stanway schon bald in die Band zurückkehrte.

 

„Wir hatten Probleme mit unserer Plattenfirma. Wir arbeiteten mit einem neuen Management zusammen, wir bekamen ein neues Image und das nächste Album „On A Storyeteller‘s Night“ – übrigens heute noch mein Lieblingsalbum von Magnum - sollte kommerzieller werden. Es war für uns eine Art zweiter Start.“

 

Das Album erschien zunächst bei FM Revolver und wurde Magnums größter Erfolg bis dahin. Es ebnete der Band auch den Weg zu einem Majordeal bei Polydor, die die LP auch weltweit veröffentlichten.

 

„Die Verantwortlichen von Polydor hatten unser Album gehört, wollten sich aber wohl vor einem Deal von unseren Live-Qualitäten überzeugen. Wir spielten auf „Monsters Of Rock“ – und unterschrieben den Vertrag am gleichen Tag. Ein besseres Label als Polydor konnte man damals kaum finden.“

 

Drummer Jim Simpson hatte die Band bereits wieder verlassen, sein Nachfolger wurde Mickey Barker, und in dieser Besetzung sollte die Band die nächsten zehn Jahre existieren. Der Polydor-Vertrag lief über vier Alben, das erste Album „Vigilante“ wurde mit Unterstützung von Roger Taylor von Queen produziert.

 

„Roger Taylor hatte viele Ideen, was den Sound anging. Auch wenn es die Zeit der „It’s A Kind of Magic Tour“ war, verbrachte er viel Zeit mit uns, und wir sind auch heute noch gelegentlich in Kontakt.“

 

Es folgte „Wings Of Heaven“ – und erneut konnte man den Erfolg der Vorgänger toppen. Songs wie „Don’t Wake The Lion“ wurden Klassiker und erneut schielte man anschließend über den großen Teich. Das nächste Album sollte ursprünglich „Born To Be King“ heissen, da es aber in den Goodnight Studios in L.A. aufgenommen wurde, entschied man sich für einen anderen Titel.

 

„Goodnight L.A.  sollte den Durchbruch in USA bringen, aber es hat nicht funktioniert. Die Songs sind in Ordnung, aber der Sound könnte besser sein,  besonders wenn man die Kosten betrachtet. Keith Olsen ist ein guter Produzent, aber es standen viele andere Künstler bei ihm Schlange.“

 

Die folgende Tour resultierte in einem weiteren Live-Album, das unter dem Titel „The Spirit“ 1991 veröffentlicht wurde. Der Polydor-Deal lief aus und man fand kurzzeitig bei Music For Nation eine neue Heimat. „Sleepwalking“ war nicht so erfolgreich wie die Vorgänger. Man kehrte zwischenzeitlich zu Jet-Records zurück, veröffentlichte dort aber „lediglich“ das schon erwähnte „Archive“-Album sowie ein Album mit Akustik-Versionen älterer Songs unter dem Titel „Keeping  The Nite Light Burning“. Auch Polydor legte noch einmal nach und warfen eine „Very Best Of“ aud den Markt. Magnum konnten noch einmal einen Deal bei EMI Deutschland ergattern, doch auch „Rock Art“ konnte nicht mehr an die vergangenen Erfolge anknüpfen. 1995 kam es zur Abschiedstour unter dem Motto „The Last Dance“. Auch die wurde Anlass für ein gleichnamiges Live-Album, ihren letzten Gig spielten Magnum am 17. Dezember 1995 in Wolverhampton.

 

„Tony war nicht mehr in der Lage so weiterzumachen wie bisher – immer das tun, was man von ihm erwartete, immer die selbe Art von Musik. Er wollte mit anderen Leuten arbeiten, andere Songs schreiben.“

 

Aber schon bald stellte sich heraus, dass die Zusammenarbeit zwischen Tony und Bob nicht so einfach beendet werden konnte. Beide schrieben an neuen Songs, die schließlich zu den beiden Hard Rain – Alben führten. Doch Bob forcierte parallel Solokarriere, und  veröffentlichte in kurzer Zeit drei Solo-Alben. Bei Hard Rain stieg er aus und das Projekt wurde beendet - an eine Magnum Re-Union glaubte er nicht.

 

„Ich dachte, das war’s. Wir waren über zwanzig Jahre zusammen, hatten eine gute Zeit, haben viele Leute kennengelernt, aber ich habe nicht geglaubt, dass wir uns noch einmal als Magnum reformieren – aber natürlich bin ich sehr froh darüber.“

Vor allem aber freuen sich die Fans, zumal das neue Album erstklassiges Material enthält.

 

„Das Album klingt sehr frisch und ist sehr gut produziert. Es ist Magnum, aber es hat eine Art natürliche Entwicklung stattgefunden. Wir haben wundervolle Songs,  gute Texte und eine sehr gute Gitarrenarbeit. „Night After Night“ hätte auch vor fünfzehn Jahren geschrieben worden sein, genau wie „Everyday“. Aber sehr viele Stücke wären damals so nicht geschrieben worden. Es gibt zwar kein neues „Don't Wake The Lion“, aber das gab es  auf „Rock Art“ auch nicht. Jedes Album braucht Zeit, je öfter man es hört, je mehr wächst es, und auf dem neuen Album sind eine Menge Songs, die wachsen! Unterm Strich ist „Breath Of Life“ ein neuer Klassiker!

 

Wollen wir abschließend noch klären, wie sich das neue Line Up gestaltet. Nachdem der alte und neue Manager der Band Keith Baker die Initial-Zündung für das Comeback gegeben hatte, sagte neben Tony Clarkin und Bob Catley auch Mark Stanway ja. Wally Lowe lebt in Spanien und hat sich wohl endgültig aus dem Business zurückgezogen, währemd Mickey Barker mittlerweile eine eigene Band am Start hat, der er den Vorrang vor Magnum gibt. Als Bassisten konnte man Al Barrow gewinnen, der schon beim zweiten Hard Rain – Album mit dabei war. Und für die Drums ist mittlerweile zumindest für die Tour Harry James (Thunder) bestätigt. Magnum machen also weiter, im März beginnt die Europa-Tournee, die die Band auch nach Deutschland führen wird. Und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn „Breath Of Life“ das letzte Lebenszeichen dieser Band sein sollte.


© 05/2002 Renald Mienert
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