ScapeLand Wish: Prog Newcomer mit Potential

DURP - eZine from the progressive ocean

Interview

"Reason" ist eines der besten Newcomer-Alben der letzten Monate. Eingespielt hat es die amerikanische Band ScapeLand Wish, die hierzulande, von einigen Reviews mal abgesehen, noch völlig unbekannt sein dürfte. Das Trio aus Conneticut besteht neben Joshua Ramirez (Lead Vocals, Percussion) noch aus Mike Stiskal (Bass, Keyboards, Backing Vocals), und Kevin Forsberg (Guitars). Man sieht sich musikalisch an der Schnittstellen zwischen Prog und AOR, wobei man sich jedoch keinerlei Grenzen setzt. Alle drei Bandmitglieder haben Erfahrungen in diversen anderen (teilweise Cover-) Bands gesammelt. Joshua und Mike trafen sich schließlich in einer Gruppe namens "Jimmy Riddle". Sie entdeckten ihre gemeinsamen Interessen bei den Arbeiten zu der CD "The Art Of Compromise" und so wurde die Idee zu ScapeLand Wish geboren, und die beiden in Kevin Forsberg den idealen Gitarristen für die Komplettierung der Band fanden.

Mehr Informationen erhielt Renald Mienert von bei Drummer und Leadsänger Joshua Ramirez.

Wie lange habt Ihr an "Reason" gearbeitet? Und wie steht Ihr jetzt zu dem Album?

Es hat drei Jahre gedauert, das Album fertigzustellen, betrachtet man den Zeitraum vom ersten Konzept bis zum finished product. Aber das lag vor allem daran, dass wir alle von früh um Neun bis Abends um Fünf arbeiten, und so nur durchschnittlich zweimal pro Woche an dem Album arbeiten konnten. Auch wenn jeder die eine oder andere Sache an "Reason" mehr oder auch mal weniger mag – was wohl in der menschlichen Natur liegt – so sind wir unterm Strich doch sehr zufrieden. Ein außenstehender Produzent hätte dem Sound sicher gut getan, jemand, der bildhaft gesprochen auf einer größeren Leinwand malen kann, wie die Produzenten von Queen, Led Zeppelin oder Bruce Fairburn. Man braucht ein ganz spezielles Ohr, um dafür zu sorgen, das bestimmte feine Nuancen nicht einfach in der Vielfalt der Klänge untergehen. Der riesige Sound Led Zeppelins schwebt mir dabei vor, natürlich besonders die Drums.

Für eine neue Band klingt Euer Album nicht nur ausgesprochen professionell, auch was die enthaltenen Stilrichtungen angeht, entpuppt ihr euch als sehr vielseitig – melodisch, symphonisch, manchmal sogar jazzig. Wie entstehen Eure Songs?

Unser Songwriting ist sehr unterschiedlich. Was das Album angeht, so haben wir drei sowohl gejammt als auch Tapes hin und her geschickt. Schließlich entstand eine Anzahl von Ideen, die wir dann zu den finalen Songs entwickelten. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen allen Bandmitgliedern, es gibt bei uns keinen Mr. Big, der bestimmt, was gemacht wird. Wir gehen mit unseren Kommentaren sehr ernsthaft um, mit einem großen Respekt. So schaffen wir es auch, solche Kritik als etwas aufzufassen, was dazu dient, unsere Songs zu verbessern, und nicht das Ego eines Bandmitgliedes zu befriedigen. Es ist dabei vielleicht positiv, dass wir alle schon etwas älter sind, und so nicht mehr die Fehler machen, die speziell jüngere Künstler häufig begehen.

Was ist für Euch als Künstler besonders wichtig?

Es kommt darauf an, unseren eigenen Entscheidungen zu treffen und uns nicht darum zu kümmern, was Leute eventuell denken würden. Das ist sehr wichtig und hat sehr viel mit deiner Integrität zu tun. Du musst zu den Dingen stehen, die du machst. Und wenn die ganze Welt sagt, wir hassen diesen Songs, dann muss deine Antwort sein, ich liebe ihn. Schreibe zuerst für dich selbst. Erfreue dich an deiner Musik zunächst selbst. An dieser Stelle machen wir auch keine Kompromisse. Wenn wir eines Tages Pop-Musik machen sollten, dann nur aus dem Grund, dass wir es einfach so wollen. Unser Ziel ist es nicht Millionen zu verdienen, wir wollen einfach in der Lage bleiben, weiter Musik zu machen. Ich glaube, selbst wenn ich einen Major-Deal hätte, würde ich Dinge wie Napster unterstützen – Kunst sollte doch für jedermann frei zugänglich sein, oder?


Neben den Drums singst Du auch. Legst Du großes Augenmerk auf die Texte?

Für mich sind die Texte besonders wichtig. Es wäre sonst, als ob ein Maler nur die Hälfte der verfügbaren Farben verwendet. Aber es liegt wohl auch daran, dass ich keine Musik schreiben oder lesen kann. Das macht das Schreiben der Lyrics noch wichtiger. Zusammen mit dem Einfluss von Neal Part empfinde ich das als eine ziemlich gute Basis für musikalsische Strukturen und Inhalte.

In Deutschland wurde "Reason" sehr wohlwollend aufgenommen. Wie sieht das generell aus?

Es gibt so einer Art stabiles Feedback, Auf unserer Webseite gibt es sowohl einen Bereich für Kommentare der Fans als auch einen für Reviews. {www.scapelandwish.com} Wir sind stolz, dass wir bisher keine einzige negative Reaktion erhalten haben – klopf auf Holz! Wir merken aber auch, dass Prog ausserhalb Amerikas deutlich populärer ist.


Bist Du auf dem Laufenden, was die Prog-Szene angeht?

Ich hör kaum neue Musik, außer den Sachen, auf die mich Mike oder Kevin bringen, zum Beispiel Spock’s Beard. Ansonsten höre ich die klassischen Progbands, auch das, was sie heute noch veröffentlichen – Yes oder Rush, auch wenn man Rush heute kaum noch als progressive bezeichnen kann.

Wir wird es musikalisch mit Euch weitergehen?

Wir haben keine Vorstellung davon, wie unsere Musik sich entwickeln wird. Die Songs, die im Augenblick entstehen, weichen ziemlich stark von dem auf "Reason" enthaltenen Material ab. Wir wollen uns bewußt weiterentwickeln bezüglich auf das, was wir bereits erreicht haben. Bei uns gibt es schon einen bewussten Hang zu einer Änderung des musikalischen Stils.


© 01/2002 Renald Mienert
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