The Vow: Zwischen Prog und Mainstream

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Interview

"The Vow" sind eine neue Band aus Deutschland, wobei Band vielleicht etwas übertrieben ist, handelt es sich dabei doch nur um ein Duo, nämlich Holger Götz (vocals, keyboards) und Ralf Link (guitars, bass). "Another World" heisst das erste, bei Musea erschienene Album, und stellt eine interessante Mischung aus Neo-Prog und Mainstream dar. Renald Mienert unterhielt sich den beiden Musikern.

Wie sieht eure musikalische Vergangenheit aus?

Ralf: Ich habe zu meinem 13. Geburtstag meine erste elektrische Gitarre bekommen. Seitdem war ich in verschiedenen Bands, anfangs noch Deutschrock, später dann Hardrock und jetzt schließlich ProgRock, die Musik, die ich privat auch schon immer gehört habe.

Holger: Als ich 6 Jahre alt war kauften sich meine Eltern eine zweimanualige Orgel. Dies sollte mein ganzes Leben verändern. Die Orgel wurde dann aber meistens nicht von meinen Eltern, sondern von mir gequält. Da saß ich also bis 1994 in meinem fensterlosen Kellerzimmer, alleine mit der Orgel meiner Eltern. Als dann endlich 1994 mein Therapeut meinte "Holger, es ist soweit", da machte ich mich auf den Weg und erfreute die Menschheit (mehr oder weniger) mit meinem lieblichen Gesang. Ach, wenn ich doch nur die Orgel meiner Eltern noch hätte...die hat vielleicht gekotzt!!!

Wie kam es zu dem Entschluß, gemeinsam Musik zu machen und "The Vow" zu gründen?

H: In unserer vorherigen Band entschloß man sich irgendwann, mit Hilfe eines Sponsors ein eigenes Studio zu bauen, da es die finanziellen Möglichkeiten, in ein professionelles Studio zu gehen, um eine Longplay-CD aufzunehmen, nicht zuließen. So verging ein Jahr ohne Proben und ohne Auftritte. Da war dann sozusagen die Luft raus. Die Band lebte sich, auch musikalisch, immer mehr auseinander und so beschloß man bei einem letzten gemeinsamen Gespräch, doch besser getrennte Wege zu gehen. Für Ralf und mich stand jedoch fest: das kann es noch nicht gewesen sein!!! Da wir musikalisch und auch menschlich auf einer Wellenlänge liegen, machten wir uns gleich wieder an die Arbeit (es waren ja genug Ideen vorhanden) und so entstand "The Vow" (übersetzt: Gelöbnis/Schwur).

Habt ihr vor, eine richtige Band zu ´werden, was die Anzahl der Mitglieder angeht?

R: Vorerst nicht. Der große Vorteil, wenn wir nur zu zweit sind, ist der, dass wir musikalisch keinerlei Kompromisse eingehen müssen und deshalb zu 100 % hinter unserer Musik stehen. Außerdem ist es derzeit schwer zu realisieren, da wir beide noch berufstätig sind und ich außerdem auch noch eine Familie habe. Aber reizen würde es mich schon. Musikalisch haben wir bereits jetzt so viele Ideen, dass wir mit dem produzieren eh nicht nachkommen.

Seid ihr ein reines Studioprojekt?

H: Da zeitlich im Moment nicht mehr machbar ist, kann man schon von einem Studioprojekt sprechen, aber vielleicht wird sich das nach dem 2. Projekt ändern (wäre schön).

R: Im Moment bin ich mit der Studioarbeit und dem ganzen drumherum voll ausgelastet, zumal ich ja auch noch für unsere Homepage verantwortlich bin. Es ist aber schon mein Traum, das ganze noch live zu präsentieren.

Wie kamt ihr zu Musea und seit ihr mit der Zusammenarbeit mit dem Label zufrieden?

R: Diese Frage kommt noch etwas früh. Die CD "Another World" ist ja erst seit September 2001 auf dem Markt. Wir haben keinen Einblick in die Arbeit von Musea und können auch noch keine Zahlen nennen.

H: Da uns Musea absolute künstlerische Freiheit läßt und auch die Rechte an den Songs bei uns bleiben, entschieden wir uns für Musea als Partner. Auf jeden Fall wird "Another World" weltweit vertrieben und da kann man, denke ich, schon zufrieden sein.

R: Alles weitere wird sich zeigen.

Warum habt ihr keine Texte im Booklet und was hat es mit dem Artwork auf sich?

R: Bei "Another World" haben wir damals noch keinen großen Wert darauf gelegt, die Songtexte ins Booklet mit einzubeziehen. Doch das wollen wir bei der nächsten CD auf jeden Fall anders machen.

H: Das Artwork, also vielmehr das Cover, stammt von Vito, der bei "Virgin Lands" für die Entwürfe und Animationen von Figuren usw. zuständig ist. Im Gegenzug vertonten wir für "Virgin Lands" zwei Computerspiele. Wir sprachen schon lange, bevor die CD fertig komponiert war, mit ihm darüber, was wir uns so ungefähr vorstellten. Als er dann nach einiger Zeit mit dem Entwurf zu uns kam, waren wir vollends begeistert. Schön, dass wir ihn auch für das 2. Projekt wieder gewinnen konnten.

Die Mischung aus Prog und Poprock fällt auf. Was liegt euch musikalisch näher?

H: Ich weiß auch nicht so recht?! Ich denke, "Soft-Prog" oder so ungefähr. Nein! Wenn ich Ideen habe, dann kommt es, wie es kommt. Ich setze mich also nicht ans Key (die Orgel meiner Eltern hab ich ja leider nicht mehr) und denke mir gewollt irgend welche krummen Takte oder abstrakte Harmoniefolgen aus. Es sprudelt einfach nur so aus mir raus. Ha ha.

R: Wir machen einfach unsere Musik und in welche Schublade man uns stecken will, das überlassen wir anderen.

Wie seht ihr das Album mit etwas Abstand?

H: Ich denke mal, das weiß jeder wie das ist, wenn man eine Scheibe produziert hat. Da ist dann alles endgültig und dann geht´s los. Ah! Da hätten wir den Gesang, oh!, dort das Key etwas lauter machen sollen usw. Aber man muß ja irgendwann mal einen Schlußstrich ziehen, sonst findet man nie ein Ende. Ich stehe aber nach wie vor voll hinter der Musik auf diesem Album, trotz der Tatsache, dass die neuen Songs, die man macht, immer interessanter sind (weil sie ja neu sind).

R: "Another World" ist die beste CD, die wir bis jetzt auf den Markt gebracht haben. Grins.

Wie sind die bisherigen Reaktionen?

H: Bis jetzt konnten wir nur gute Kritiken einfahren. Aber unsere Hauptbestätigung bekommen wir über´s Internet, vor allem durch den direkten (Email-)Kontakt mit den Fans. Es ist schon ein irres Gefühl, wen man z. B. Post aus Chile oder Kolumbien bekommt, sich ein (nur in spanischer Sprache erscheinendes) Prog-Magazin aus Südamerika für "The Vow" interessiert oder wenn man bei der Statistikabfrage z. B. sieht, dass heute wieder 350 Japaner, 12 Norweger und sogar 17 Saudi-Arabier unsere Homepage besuchten und einen Song heruntergeladen haben. All das bestätigt denke ich unsere Arbeit und bestärkt uns in unserem weiteren Tun.

Ihr arbeitet ja bereits an einem neuen Projekt. Was dürfen wir erwarten?

H: Es wird eine Geschichte über ein Fantasy-Adventure. Wer möchte, kann auf unsere Website www.thevow.de noch mehr Infos dazu bekommen und das Lied "Across the border", das auch die Einleitung auf der neuen Scheibe bilden wird, etwas gekürzt herunterladen (ist trotzdem noch 6 Minuten lang). Ach ja, da sind ja auch noch der 3-minütige Mix aus 5 Songs zur aktuellen Scheibe "Another World" und der Song "Lost in dreams". Da kann man sich schon mal ein Bild von unserer Musik machen - und noch dazu umsonst.


© 04/2002 Renald Mienert
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